Sebastian Kurz und die böse Frage

Politik / 09.09.2019 • 08:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Applaus, Musik, Jubel: Sebastian Kurz und Markus Wallner betraten händeschüttelnd den Saal. VN/SAMS

ÖVP feiert den Wahlkampf-Auftakt und sich selbst. Über Koalitionen möchte niemand sprechen.

Bregenz Was die White Stripes mit „Seven Nations Army“ für Fußballstadien ist, ist Andreas Bourani mit „auf uns“ für Politiker. Keine politische Großveranstaltung kommt ohne den deutschen Popsong aus, auch nicht der ÖVP-Wahlkampfauftakt im Bregenzer Festspielhaus am Sonntagabend. Es ist ein Kurz-Auftakt. Welche Partei hier feiert, ist schwer zu erkennen.

 Herwig und die Auftakter sorgten mit Peter L. Eppinger für Volksfeststimmung. VN/Sams
Herwig und die Auftakter sorgten mit Peter L. Eppinger für Volksfeststimmung. VN/Sams

Alle sind gekommen: Markus, der Bürgermeister. Markus, der Landeshauptmann. Karlheinz und Christian aus der Landesregierung … man duzt sich. Auf Spotify kann eine Playlist abonniert werden. „Da ist Sebastian seine Tourmusik drauf“, erklärt der Moderator des Vorprogramms. Er ruft: „Bregenz, seid ihr bereit für den Sebastian?“ Verhaltener Applaus. Peter L. Eppinger übernimmt, er peitscht das Publikum ein. Mit „Der Gernot Blümel trägt immer türkise Socken“ geht er auf Karlheinz Rüdisser zu, der seine blauen Socken in die Kamera zeigt. Die Band „Herwig und die Auftakter“ macht Stimmung. „Jetzt klatschen nur die Frauen“, ruft Eppinger. Und: „Ich schreie den Vornamen, ihr den Nachnamen!“ „Sebastian!“ „Kurz!“ Applaus, schreiender Moderator, Musik; Kurz und Wallner marschieren ein.

 "Ich schreie den Vornamen, ihr den Nachnamen!"
„Ich schreie den Vornamen, ihr den Nachnamen!“

Dann wird’s doch politisch. Landeshauptmann Wallner lässt kein gutes Haar an der derzeitigen Übergangsregierung. Er appelliert an die Gäste, nicht über Koalitionen zu spekulieren. Applaus! Martina Ess, Karlheinz Kopf und Norbert Sieber betreten die Bühne. Eppinger fragt: „Habt ihr schon ein Selfie gemacht und mit Hashtag versehen?“ Kopf warnt: „Beschäftigt euch nicht mit der Frage, wer mit wem.“ Ein Video wird eingespielt. Ibiza, Straches Rücktritt, Kurz‘ Regierungsaufkündigung, Rendi-Wagner. Dramatische Musik untermalt die Parlamentssitzung, in der der Regierung das Vertrauen entzogen wurde. Das Video endet mit einem Bild von Herbert Kickl (FPÖ) und Thomas Drozda (SPÖ), was Geschäftsführer Karl Nehammer so kommentiert: „Man spürt den Neid, die Wut, den Zorn.“ Er warnt vor CO2-Steuern, offenen Grenzen, Rot-Grün-Neos und Koalitionsspekulationen. „Sebastian, deine Bühne!“ Jubel! Er ist da.

Keine Koalitionsspekulationen, warnt Karlheinz Kopf.
Keine Koalitionsspekulationen, warnt Karlheinz Kopf.

Sebastian Kurz hätte gerne weitergemacht, sagt er. „Die Steuerreform hatten wir de facto fertig, auch die Pflegereform fast.“ Kurz fragt: „Warum wird Fleisch vom anderen Ende der Welt nach Europa importiert? Wir haben gute regionale Produkte!“ Josef Moosbruggers „Bravo“ ist im ganzen Saal zu hören. Auch Kurz warnt: „Medial dominiert die Frage, wer mit wem nach der Wahl koaliert. Aber das ist nicht die entscheidende Frage.“ Er fordert: „Steuerzahler entlasten! Keine neuen Schulden! Pflegende unterstützen!“ CO2-Steuern und Kerosinabgaben dürften nur europaweit eingeführt werden. Applaus! Sebastian Kurz appelliert: „Wer möchte, dass wir regieren, und nicht die anderen, der muss uns wählen!“ Applaus, Musik, Schilder, Jubel. Die österreichische Bundeshymne markiert den Abschluss einer perfekt inszenierten Wahlkampfshow mit Sebastian Kurz, ein bisschen ÖVP und einem rosaroten Elefanten Namens „Koalition“.

Perfekt inszenierter Wahlkampfauftritt von Sebastian Kurz im Bregenzer Festspielhaus.
Perfekt inszenierter Wahlkampfauftritt von Sebastian Kurz im Bregenzer Festspielhaus.
Große Freude beim Auftakt im Festspielhaus.
Große Freude beim Auftakt im Festspielhaus.
Wir für Kurz, alles in Türkis
Wir für Kurz, alles in Türkis
Die Menschen standen Schlange, um ihren Sebastian zu sehen.
Die Menschen standen Schlange, um ihren Sebastian zu sehen.
Gastgeber Markus.
Gastgeber Markus.