Teheran und Ankara auf dem Kriegspfad gegen USA und EU

Politik / 09.09.2019 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif begrüßt AEIA-Leiter Cornel Feruta in Teheran. AP
Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif begrüßt AEIA-Leiter Cornel Feruta in Teheran. AP

Iran rüstet atomtechnologisch auf, will aber weiter mit der IAEA zusammenarbeiten.

Heinz Gstrein

TEHERAN Aus Iran droht seit Samstag weltweit erneut das Gespenst einer „islamischen“ Atombombe. Auf den ersten Blick scheint die 20-prozentige Urananreicherung zwar noch weit von Teherans Aufstieg zur Nuklearmacht entfernt zu sein. Insider wissen jedoch, dass der nächste – und auch schon angedrohte – Schritt bis zu militärisch einsetzbarem Kernmasterial mit 90 Prozent Radioaktivität jetzt nur mehr klein und im Handumdrehen durchführbar ist. Genau das meint Präsident Hassan Rohani, wenn er verkündet: „In der dritten Stufe soll die iranische Atomorganisation ab Freitag ohne Einschränkung alles in Angriff nehmen, was für den Ausbau der nationalen Atomtechnologie und für die Forschung notwendig ist“. Daher auch die Eile, mit der aus Wien gleich am Sonntag Cornel Feruta, Interimschef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), nach Teheran geeilt ist. Nicht umsonst: Dem rumänischen Diplomaten wurde immerhin bestätigt, dass Iran trotz Anreicherung weiter mit der IAEA zusammenarbeiten will.

Zwar war es der Wankelmut von US-Präsident Donald Trump, der mit seinem Ausstieg aus dem 2015 mühsam zusammengeleimten Atomdeal die neue Gefahr für den Weltfrieden losgetreten hat. Für die radikalen Revolutionsgarden Pasdaran und ihre Hintermänner in der hohen Schiitenklerisei war und ist das aber nur Wasser auf ihre Mühle von einem siegreichen islamischen Weltkrieg. Außenminister Dschawad Zarif gerät bei seinem Kurs einer Koexistenz mit dem Westen immer bedrängter ins Hintertreffen.

Saudi-Arabien reagiert nicht

Als zusätzliche Provokation hat die Pasdaran-Marine im Golf schon wieder ein Schiff gekapert, während der vor Gibraltar gestoppte Öltanker Adrian Darya 1 nun doch an der syrischen Küste vor Anker geht. Von Saudi-Arabien als Hauptwidersacher Teherans in der Region ist keine Reaktion zu erwarten. Es hat alle Hände im Jemen zu tun, wo ihm seine Ex-Verbündeten, die Vereinigten Emirate, mit eigenen Interessen um Aden in den Rücken fielen.

Was nahöstliche Beobachter befürchten, sind aber israelische Präventivschläge in Syrien oder gar auf die Atomzentrifugen mitten in Iran. Das Verhalten der USA kann niemand voraussagen. Eben erst hat Trump die von ihm bislang gepriesenen Afghanistan-Verhandlungen mit den Taliban abrupt abgebrochen. Jedenfalls versucht Washington die Türkei durch Nachgeben in Syrien von weiterem Abgleiten Richtung Iran abzuhalten, nachdem Erdogan gedroht hatte: „Die Türkei wird selbst durchgreifen, wenn ihren Soldaten keine Kontrolle einer Sicherheitszone erlaubt wird.“

2,5 Millionen Flüchtlinge

Seit Sonntag sind amerikanische und türkische Panzer dort zusammen auf Patrouille. Ankara will diese Zone auch für Ansiedlung einer Million türkeifreundlicher Syrer anstelle der bodenständigen Kurden nutzen. Die restlichen 2.5 Millionen Flüchtlinge sollen Europa aufgehalst werden. Sie landen bereits zu Hunderten auf griechischen Inseln.