Grasser-Prozess: Geldfluss über Omega laut Zeuge nicht nötig

Politik / 30.10.2019 • 11:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Treuhänder in Liechtenstein hob hohe Bargeldbeträge ab, von Buwog-Provision erst 2009 erfahren – Richterin Hohenecker: Barauszahlungen und Bareinzahlungen haben Spuren des Geldes verwischt.

Wien Im Grasser-Prozess hat heute der erste Zeuge des Tages zu den Geldtransaktionen von der Astropolis nach Liechtenstein ausgesagt. Der per Videokonferenz einvernommene Zeuge war zeichnungsberechtigt auf dem Konto einer Gesellschaft mit Sitz im US-Staat Delaware, der Omega. Über die Omega floss ein großer Teil der Buwog-Provision auf Konten in Liechtenstein.

Er ging mehrere Male zur Hypo Investmentbank in Vaduz und hob dort hohe Bargeldbeträge vom Omega-Konto ab, so der Zeuge Alexander B. Das Geld habe er bar in der Bank gelassen, was dann damit passiert sei, wisse er nicht. Hintergrund für die Geldtransaktionen waren Verträge zwischen der Omega und der zypriotischen Gesellschaft Astropolis des nunmehr angeklagten Peter Hochegger sowie ein Vertrag zwischen der Omega und dem mitangeklagten Walter Meischberger. Mit Hilfe der Omega wurde die Millionenprovision der Buwog auf Konten in Liechtenstein transferiert. Durch die Bar-Aus- und Bar-Einzahlungen vom Omega-Konto wurde der Überweisungsweg unterbrochen.

Auf Fragen der Richterin Marion Hohenecker an den Zeugen zum Sinn der Geldtransaktionen über das Konto der Omega sagte dieser, er wisse es nicht. Er habe mit Meischberger nie direkt Kontakt gehabt, erst nach dessen Selbstanzeige habe er ihn einmal in Liechtenstein getroffen. Die Richterin wollte von dem Treuhänder wissen, warum Meischberger überhaupt das Konto Omega nutzte, wo es doch für Geldüberweisungen gar nicht notwendig war – und eine Omega-Transaktion fünf Prozent an Gebühr kostete.

„Es macht keinen Sinn“, so der Zeuge, weil Meischberger seine Geschäftsgewinne einfach auf sein Konto in Liechtenstein ohne Zuhilfenahme von Astropolis und Omega überweisen hätte können. Warum Meischberger die Geldtransaktionen so haben wollte, das wisse er nicht. Die Omega sei eine „Servicegesellschaft“ gewesen, solche Transaktionen seien vor 15, 20 Jahren „gang und gäbe“ gewesen. In Summe gingen auf das Omega-Konto 7,9 Millionen Euro von der Astropolis ein.

Eine Zeugin – die wirtschaftlich Berechtigte der Omega in Liechtenstein – hatte gestern ausgesagt, dass die Omega dazu benutzt wurde, um diskrete Geldgeschäfte machen zu können. „Bar aus, bar ein“ sei üblich gewesen. Wie die Richterin heute bemerkte, sind durch diese Barzahlungen die Spuren des Geldes verschwunden, man wisse also nicht mehr woher das Geld kam, das an ein anderes Konto weitergereicht wurde.

Weiters schilderte der Zeuge, dass Meischberger ursprünglich falsche Angaben zur Herkunft seiner Gewinne machte. Demnach habe er zuerst im Jahr 2005 angegeben, sie stammten aus Immobiliengeschäften in Osteuropa. Erst nach seiner Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung im Herbst 2009 habe Meischberger bei einem Treffen mit seinen Treuhändern in der Hypo Investmentbank (HIB) in Liechtenstein zugegeben, dass die Millionen aus einer Provision bei der Privatisierung der Buwog gekommen sind. APA