Krieg in Syrien: Warum mit jedem Jahr die Hoffnung sinkt

Politik / 11.12.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Millionen Menschen sind innerhalb des Bürgerkriegslandes auf der Flucht. Montage/AFP

Helfer berichtet vom Leid in Syrien und in den Nachbarländern.

schwarzach Der Bürgerkrieg hat Syrien fest im Griff. Zwar kommen deutlich weniger syrische Flüchtlinge in Österreich und anderen europäischen Ländern an als in den Jahren zuvor. Doch von einer Beruhigung der Lage im Kriegsgebiet, geschweige denn Stabilität, kann keine Rede sein. Der Jordanier Mahmoud Shabeeb kennt das Land gut. Für die Hilfsorganisation Care ist er seit einigen Jahren in der Region tätig. Im Rahmen des Projekts „My future – who cares?“ hat mit Vorarlbergs Schülern über die Situation in Syrien gesprochen.

Der nördlichen Landesteile seien derzeit komplett instabil. Im Nordwesten komme es weiterhin zu Gefechten, im Nordosten würden zahlreiche Menschen vertrieben, erklärt Shabeeb. In vielen Regionen sei darüber hinaus keine funktionierende Infrastruktur vorhanden. „Wir hören von syrischen Kindern, die seit Jahren nicht mehr in der Schule waren.“

Millionen auf der Flucht

Den Vereinten Nationen zufolge gibt es in Syrien an die 6,2 Millionen Binnenflüchtlinge. Sie sind also innerhalb der Landesgrenzen auf der Flucht. Rund 5,6 Millionen Menschen haben Syrien verlassen. Zur Einordnung: Die Einwohnerzahl lag 2017 bei rund 18 Millionen Menschen. Vergleichsweise wenige Menschen machen sich auf den Weg nach Europa. Die meisten Flüchtlinge suchen in den Nachbarländern Zuflucht; in Jordanien, dem Libanon, der Türkei oder dem Irak.

Es gibt syrische Kinder, die seit Jahren nicht mehr in der Schule waren.

Mahmoud Shabeeb, Care-Mitarbeiter

Shabeeb ist derzeit in der jordanischen Hauptstadt Amman für Care tätig. Sein Heimatland hat mehr als 670.000 Menschen aus Syrien aufgenommen. Und das bei rund 9,7 Millionen Einwohnern. „Mittlerweile hat sich eine gewisse Erschöpfung eingestellt“, erzählt der Care-Mitarbeiter. Jordanien habe mit eigenen Problemen zu kämpfen, etwa einer hohen Arbeitslosenrate und einer mangelhaften Infrastruktur. Da dem Gesundheitssystem ein Kollaps drohte, ist der Zugang für die meisten Flüchtlinge nicht mehr kostenlos. Auch der Arbeitsmarkt ist nicht frei zugänglich. Syrer dürfen nur gewisse Arbeiten verrichten, beispielsweise am Bau. „Die Menschen laufen dort eher Gefahr, ausgebeutet zu werden. Sie müssen länger arbeiten und verdienen weniger.“ Häufig komme es zu Kinderarbeit. Mit jedem Jahr sinke die Hoffnung der Syrer, zurückkehren zu können, berichtet Shabeeb. Dass der Krieg bald enden könnte, glauben die Menschen längst nicht mehr.

Keine Einigung

Die Suche nach einer politischen Lösung gestaltet sich zäh. Die letzte Gesprächsrunde zwischen Regierung und Opposition unter dem Dach der UN in Genf endete im November ohne Ergebnis: Beide Seiten konnten sich nicht auf eine Agenda für Beratungen über eine neue Verfassung einigen. Wann weiterverhandelt wird, bleibt unklar. Ein Ende der Gewalt ist fast neun Jahre nach Kriegsbeginn weiterhin nicht in Sicht.

Nähere Infos zur Veranstaltungsreihe „My future – who cares“, einer Kooperation des Jungen Landestheaters und Care Österreich, gibt es hier.