Bernhard Amann sagt Kommunalpolitik in Hohenems ade

Politik / 16.01.2020 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Wer hätte gedacht, dass ich mich als Vizebürgermeister einmal zurückziehe?“, sagt Bernhard Amann und tritt alles andere als frustriert von der politischen Bühne ab.

„Irgendwann ist Schluss“: Bernhard Amann und seine Liste Emsige werden bei der Gemeindewahl in Hohenems nicht mehr antreten.

Hohenems Stattdessen wollen die Mitglieder der aufmüpfigen Liste künftig verstärkt zivilgesellschaftliches Engagement an den Tag legen. „Wir haben uns entschlossen bei der Gemeindewahl im März nicht mehr anzutreten“, bestätigt Noch-Vizebürgermeister Bernhard Amann (66) im VN-Gespräch. Die Grünen, die sich 2010 den Emsigen angeschlossen hatten, seien inzwischen erwachsen genug geworden und könnten im Alleingang in die Gemeindewahl ziehen. Ungeachtet des Rückzugs würden die Emsigen auch künftig die Kommunalpolitik verfolgen, verspricht Amann: „Wir werden alles genau beobachten und auch eingreifen, wenn es notwendig erscheint. Auch für Menschen in prekären Lebenslagen setzen wir uns weiter ein. Also Politik im Kleinen.“

Amann: „Irgendwann ist einfach Schluss“

Amann, der nach 25 Jahren in der Gemeindepolitik ganz einfach genug hat, will sich nun auf die Etablierung der soziokulturellen Zentren in Österreich konzentrieren und sich weiterhin für eine menschenwürdige, liberalere Drogenpolitik sowie Drogenhilfe ins Zeug legen. Darüber hinaus will sich das Polit-Urgestein für eine Sozialpolitik stark machen, die keine Menschen zurücklässt. „In diesem Bereich ist nämlich unbedingter Handlungsbedarf nötig.“ Er trete nicht mit Wehmut und schon gar nicht mit Frust ab, beteuert Amann. „Irgendwann ist einfach Schluss“, lacht der Hohenemser und feixt: „Vielleicht komme ich ja im Jahr 2025 als Bernie Sanders zurück.“

25 Jahre lang eine politische Kraft

Ein Blick zurück: Die Emsigen wurden 1994 aufgrund der ihrer Meinung nach desolaten Kultur- und Jugendpolitik unter dem Motto „Scheitern als Chance“ in Hohenems aus der Taufe gehoben. Die Liste mit dem streitbaren Amann an der Spitze erreichte bei der ersten Gemeindewahl 1995 gleich auf Anhieb 7,4 Prozent und war mit zwei Mandaten im Hohenemser Rathaus vertreten. Doch damit nicht genug: In der Folge konnte sich die Liste Emsige weiter steigern. 2010 stießen die Grünen wegen Personalmangels bei den Emsigen dazu. Schlussendlich erzielten Emsige und Grüne bei der Gemeindewahl vor knapp fünf Jahren mit 17,6 Prozent ihr bestes Ergebnis und zogen mit sechs Mandaten ins Rathaus ein. Patricia Tschallener (Grüne) fungiert seither als Stadträtin und Bernhard Amann wurde zum Vizebürgermeister und damit Stellvertreter von Stadtchef Dieter Egger (FP) gewählt. Amann war 15 Jahre als Stadtrat tätig. Ursprünglich sei das „Kunstprojekt“ Emsige auf zehn Jahre angelegt gewesen. „Es dauerte nun doch 25 Jahre.“