Brexit: Das sagen betroffene Vorarlberger

Politik / 31.01.2020 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die gebürtige Feldkircherin Theresa Amann lebt seit 2014 in Großbritannien. Der gebürtige Brite Timothy Richardson wohnt seit über 25 Jahren in Feldkirch. Im VN-Gespräch erklären sie ihren Standpunkt zum Brexit.

Heute tritt Großbritannien aus der EU aus. Betroffene sprechen über ihre Sicht der Dinge.

Brite in Vorarlberg: „Alle haben genug, selbst jene, die für den Verbleib sind.“

Feldkirch „Ein kompliziertes Thema“, sagt Timothy Richardson über den Brexit. Der 51-Jährige quält sich schon länger damit herum. Genauer gesagt, seit dem Referendum im Jahr 2016. Damals hatte er darauf gehofft, dass sich die „Remainers“ durchsetzen, also jene, die in der Europäischen Union verbleiben wollen. Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Erstmals musste sich Richardson mit der Frage auseinandersetzen: „Brauche ich einen österreichischen Pass?“  Richardson lebt seit etwa 25 Jahren in Vorarlberg. Ursprünglich kommt er aus der englischen Stadt York. Er ist einer von rund 11.000 Briten, die in Österreich wohnen.

Bis zum Ende der einjährigen Übergangsphase ändert sich für sie nichts. Danach wird es jedoch notwendig sein, einen Antrag auf Bestätigung des weiteren Aufenthaltsrechts auf Basis des Austrittsabkommens zu stellen, heißt es vonseiten des Bundeskanzleramtes. Der britische Botschafter in Österreich, Leigh Turner, erklärte zuletzt, dass die Briten in der EU auch nach dem Ende der Übergangsphase ihr Leben im Wesentlichen so leben können wie bisher.

Richardson lebt gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Feldkirch. Dort befindet sich auch sein Bauunternehmen The Cutting Crew. In Großbritannien war der 51-Jährige zuletzt kurz vor Weihnachten auf einer Hochzeit. Dort habe niemand über den Brexit reden wollen, berichtet Richardson. „Alle haben genug, selbst jene, die eigentlich für den Verbleib in der EU sind.“ Die Hängepartie seit dem Referendum habe sich einfach zu lange hingezogen. Deswegen sei auch Premierminister Boris Johnson bei der Neuwahl im Dezember so erfolgreich gewesen. Er habe versprochen, den Brexit durchzuziehen, egal wie. „Und das hat er gemacht.“ Nun fühlen sich die Befürworter des Austritts am Ziel. „Sie feiern, machen Partys. Aus meiner Sicht ist das einfach nur beleidigend.“

Vorarlbergerin in Großbritannien: „Es wird mehr über Megxit als Brexit berichtet“

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Für EU-Staatsangehörige in Großbritannien ändert sich zunächst nichts.

Chester Aktuell leben nach Angaben des österreichischen Außenministeriums 33.000 Österreicher im Vereinigten Königreich. Eine davon ist Theresa Amann. Die gebürtige Feldkircherin wohnt seit 2014 in Chester, einer Stadt im Nordwesten Englands, wo sie zunächst als Lehrerin arbeitete. „Ich habe schon vor dem ersten planmäßigen Austrittsdatum Ende März 2019 um einen pre-settled status angesucht und ein paar Tage später die Bestätigung erhalten. Das garantiert mir den Aufenthalt für fünf Jahre“, erklärt die 31-Jährige. Je nach Dauer des Aufenthalts im Land zum Zeitpunkt der Antragstellung können EU-Bürger den „settled status“ oder den „pre-settled status“ bekommen. Der dauerhafte Status wird nach Regierungsangaben in der Regel dann zuerkannt, wenn der Aufenthalt vor dem 31. Dezember 2020 begonnen hat und die betreffende Person fünf Jahre lang ohne Unterbrechung im Vereinigten Königreich gelebt hat. Mit dem „settled status“ darf man so lange im Land bleiben, wie man möchte.

„Im Moment kann ich nicht viel mehr tun. Es bleibt abzuwarten, was in Zukunft auf uns zukommt.“ Für sie sei der Brexit jedenfalls kein Grund, zurück nach Vorarlberg zu ziehen: „Wenn ich zurückkomme, dann wegen der Schönheit Vorarlbergs und wegen meiner Familie und Freunden, und nicht wegen des Brexit“, betont Amann. „Auch wenn ich mich mittlerweile selbstständig gemacht habe, was eine zusätzliche Unsicherheit mit sich bringt.“

Seit Boris Johnsons Wahlsieg sei es in den Medien still um den Brexit geworden: „Es wird mehr über Megxit als über Brexit in den Zeitungen berichtet. Ich weiß nicht, ob die Leute einfach genug von dem Thema haben, oder es nun endgültig scheint und man als Einzelperson nur noch abwarten kann.“ Kürzlich habe sie aber ein Geschirrtuch gesehen, das man demnächst für zwölf Pfund erwerben kann: „In der Mitte Boris Johnson und die Worte ‚Got Brexit Done‘.“ VN-RAM, MIH