Zehntausende Fahrgäste weniger in den Vorarlberger Öffis

Politik / 06.06.2020 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zehntausende Fahrgäste weniger in den Vorarlberger Öffis
Nur wenige Jahreskarten seien zurückgegeben worden, berichtet VVV-Geschäftsführer Christian Hillbrand: „Wenn ich schätzen muss, nicht einmal 100.“ VN

Das Mobilitätsverhalten hat sich verändert. Das macht dem Vorarlberger Verkehrsverbund zu schaffen.

Wien Von einem Tag auf den anderen sind die Fahrgastzahlen in Vorarlberg um über 80 Prozent eingebrochen. Schuld war die Coronakrise. Noch immer hat sich die Lage nicht ganz erholt. Am 2. Juni zählte der Vorarlberger Verkehrsverbund (VVV) gerade einmal 99.000 Fahrgäste im Vergleich zu über 181.000 am 2. März. Die Einbußen liegen aktuell bei zwei Millionen Euro, erklärt Geschäftsführer Christian Hillbrand. Er gab im VN-Gespräch einen Überblick über die Zukunft des öffentlichen Verkehrs in Vorarlberg, die Entwicklung der Ticketpreise und Regelverstöße.

Zehntausende Fahrgäste weniger in den Vorarlberger Öffis

Warum sind die Fahrgastzahlen derzeit so gering?

Das hat laut Hillbrand mehrere Gründe. Mit der Rückkehr der Schüler haben sich die Fahrgastzahlen zwar deutlich nach oben bewegt. Allerdings würden die Klassen derzeit geteilt. „Pro Tag ist nur die Hälfte der Schüler unterwegs.“ Der zweite große Brocken betrifft die Pendler: Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Homeoffice wirken sich auf das Mobilitätsverhalten aus.

Haben die sinkenden Fahrgastzahlen auch mit der Angst vor dem Coronavirus zu tun?

Das Sicherheitsempfinden habe ungerechtfertigterweise gelitten, erklärt der VVV-Geschäftsführer. Viele würden derzeit lieber mit ihrem eigenen Auto fahren als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Von manchen Arbeitgebern wird das sogar empfohlen“, kritisiert er. Es gebe aber keinen Grund zur Sorge. Eine AGES-Studie zeige, dass kein Infektionscluster vom öffentlichen Verkehr ausgegangen sei.

Macht es aktuell überhaupt Sinn, Fahrpläne weiter zu verdichten und auszubauen?

„Wir dürfen jetzt keine Pause machen“, meint Hillbrand. „Schaffe das Angebot, dann bekommst du die Nachfrage. Das gab uns in den letzten Jahren recht.“

Werden die Fahrgastzahlen wieder steigen?

Da Vorarlberger fleißig Fahrrad fahren, seien die Zahlen im Frühjahr immer ein wenig geringer. Bis wann der Einbruch gutgemacht werden kann, traut man sich im VVV nicht zu prophezeien. Komme keine zweite Welle, könnte es im Sommer oder Herbst soweit sein.

"Das Sicherheitsempfinden hat ungerechtfertigterweise gelitten", sagt Hillbrand. <span class="copyright">VVV</span>
"Das Sicherheitsempfinden hat ungerechtfertigterweise gelitten", sagt Hillbrand. VVV

Gab es einen Einbruch bei den Verkäufen der Jahreskarte?

2019 sind bis Ende Mai rund 23.000 Jahreskarten verkauft worden. Heuer sind es rund 900 weniger.

Kann man die Jahreskarte zurückgeben?

Ja. Grundsätzlich wird die Jahreskarte so berechnet: Man zahlt acht Monate und erhält vier gratis. Ist man also vier Monate Jahreskartenbesitzer und gibt sie zurück, erhält man die Hälfte der 385 Euro erstattet, erklärt Hillbrand. Will man die Jahreskarte nach acht Monaten kündigen, sind die bezahlten Monate vorbei. Geld gibt es dann keines mehr. Nur wenige Jahreskarten wurden zurückgegeben. „Wenn ich schätzen muss, nicht einmal 100.“

Hat der VVV mit großen Umsatzverlusten zu kämpfen?

Die Einnahmen sind im Vergleich zu den Gesamtzahlen im Vorjahr um zwei Millionen Euro gesunken. Die Jahreseinnahmen betragen in der Regel rund 45 Millionen.

Werden die Verluste mit höheren Ticketpreisen kompensiert?

Nein. Die Preiserhöhung für 2021 wird nicht über dem Verbraucherpreisindex liegen, erklärt Hillbrand. Rücklagen werden ein bisschen Spielraum schaffen, aber nicht ausreichen. Man muss auch ehrlich sein: „Fehlen die Kundeneinnahmen, steigt der Zuschuss aus Steuergeld.“

Gibt es mehr Schwarzfahrer?

Die Schwarzfahrerquote ist im Moment höher als zu Normalzeiten. Die Phase der Kulanz sei nun aber beendet. Es gilt Ticketpflicht.

Halten sich alle an die Maskenpflicht?

Seit einer Woche kontrollieren Zugbegleiter gemeinsam mit Polizeibeamten die Einhaltung. Strafen hat es noch keine gegeben.

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