Laptops und Tablets für Schüler: Was ein Bildungsexperte zu den Plänen sagt

Politik / 18.06.2020 • 07:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Laptops und Tablets für Schüler: Was ein Bildungsexperte zu den Plänen sagt
Schüler der ersten Klassen an AHS-Unterstufen und Neuen Mittelschulen sollen Laptops beziehungsweise Tablets bekommen. APA

Forscher Hopmann ist kritisch bezüglich der Digitalisierungsstrategie an Schulen.

Wien Schüler sollen bald Laptops oder Tablets erhalten. Wie Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Mittwoch ankündigte, bekommen Kinder der ersten Klassen an AHS-Unterstufen und Neuen Mittelstufen die Geräte ab dem Schuljahr 2021/22. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte: „Wir haben sehr stark davon profitiert, dass unter Bruno Kreisky die Schulbuchaktion eingeführt wurde.” Im 21. Jahrhundert bestehe der nächste Schritt darin, die Schüler mit Tablets und Laptops auszustatten. Bildungsforscher Stefan Hopmann von der Universität Wien hält diesen Vergleich für deplatziert und fordert vielmehr, in die Lernkompetenz der Schüler zu investieren.

Bevor die Kinder die mobilen Endgeräte bekommen, muss die jeweilige Schule ein Digitalisierungs- und Nutzungskonzept vorlegen. Der private Finanzierungsanteil der Schüler beträgt 25 Prozent; es soll eine soziale Staffelung geben. „Wir wollen die Geräte in den Sommermonaten nicht wegnehmen“, sagte Faßmann. Mit den Eltern werde ein Nutzungsvertrag abgeschlossen. Unter anderem ist auch vorgesehen, dass die Lehrer Endgeräte bekommen. In den Bundesschulen werden Computer-Arbeitsräume für Pädagogen geschaffen und die IT-Infrastruktur verbessert. Über den Sommer entsteht das Portal „Digitale Schule“. Zudem will die Regierung in die Lehrerfortbildung investieren. Kurz bezifferte die Kosten mit 200 Millionen Euro.

Kinder und Jugendliche wachsen in verschiedenen Lebensrealitäten auf.

Stefan Hopmann, Bildungsforscher

Bildungsforscher Hopmann sieht die Pläne kritisch. Hinter dem Vergleich mit der Schulbuchaktion Kreiskys stehe das große Missverständnis, man könne sich aus sozialen Problemen mit technischer Infrastruktur davonstehlen. Das bringe nichts. Statt viel Geld für Laptops und Tablets auszugeben, müsse eher an der Lernkompetenz gearbeitet werden, damit die Schüler die Inhalte aus der digitalen Welt auch einordnen können. „Dafür braucht es Unterricht“, betont Hopmann. Das coronabedingte Homeschooling hat aus der Sicht des Experten gezeigt, dass die qualifizierte Unterrichtsarbeit nicht einfach durch E-Learning ersetzt werden kann. „Obwohl viele Schüler, Lehrer und Eltern versucht haben, das Beste daraus zu machen.“ Doch nicht alle Kinder und Jugendlichen hätten ein eigenes Zimmer oder ein Elternteil, welches die Aufgaben am Laptop entsprechend erklären kann. Die Chancen seien ungleich verteilt. “Die Schüler wachsen in verschiedenen Lebensrealitäten auf.” Das dürfe nicht ignoriert werden.