Gipfeltreffen könnte Auftakt für mehr Tierschutz sein

Tiertransporte zentrales Thema bei Gesprächen in Wien.
Wien 76 Mal, also durchschnittlich fast jeden fünften Tag, stellten die Behörden im Jahr 2018 bei Tiertransporten Schmerzen, Schäden oder Leiden zumindest eines Tieres fest, schreibt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung. Tiertransporte müssten auf ein Minimum zurückgedrängt werden. Anschober kündigt an, Kontrollen von Tiertransporten auf den Straßen zu verstärken. Um weitere Maßnahmen für besseren Tierschutz zu erörtern, lud er am Montag nun 40 Vertreter von Tierschutzorganisationen, Behörden, Wirtschaft und Politik zu einem Gespräch. Dieses soll künftig vierteljährlich stattfinden.
Öffentlicher Druck
Der Tiertransporte-Gipfel wurde unter anderem wegen einer Aufdeckung des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) ins Leben gerufen. Im Jänner machte dieser Bilder eines Vorarlberger Kalbes publik, das bis in den Libanon zur Schlachtung gekarrt worden ist. VGT-Kampagnenleiter Tobias Giesinger erklärt den VN: “Der öffentliche Druck hat sich gelohnt.” Der Gipfel sei der Anfang eines Arbeitsprozesses. Am 12. Oktober komme man wieder zusammen. Nun würden Arbeitsgruppen gebildet, die sich bis dahin mit verschiedenen Tierschutzthemen beschäftigten.
Es brauche die strengsten Standards, bekräftigt Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger am Rande des Treffens. Allerdings müssten diese im europäischen Gleichklang beschlossen werden. Ansonsten drohe sich die Produktion ins Ausland zu verlagern, und “damit wäre keinem Tier geholfen”, sagt Moosbrugger. “Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen keine weiteren Belastungen und Verbote”, sondern Maßnahmen, damit die Kälber im Inland bleiben und regional vermarktet werden können.
Der Vorarlberger Landesrat Christian Gantner (ÖVP) ist überzeugt, dass die ersten Initiativen bereits wirken. Die Zahl der Kälbertransporte sei deutlich gesunken. Von Jänner bis April wurden heuer 1142 Kälber von Vorarlberg ins Ausland exportiert. Im Vergleichszeitraum 2018 waren es 2009. Für den Rückgang dürften aber wohl auch die Coronakrise und der Pensionsantritt eines Viehhändlers mitverantwortlich sein.
Warnung vor Billigprodukten
Gantner plädiert zwar dafür, die Zahl der Tiertransporte zu minimieren. Zu hohe Standards dürften aber nicht bedingen, dass Regionales von ausländischen Billigprodukten verdrängt werde. Entsprechende Änderungen in Österreich müssten daher immer in den Marktordnungsgesetzen Niederschlag finden. Als Beispiel nennt der Landesrat das Verbot von Eiern aus Käfighaltung. Es brauche zudem klare Produktions- und Herkunftsbezeichnungen. Regionale Schlachtmöglichkeiten gehörten ausgebaut. Vorarlberg habe die Weideschlachtung zugelassen, das Gesundheitsressort aber festgelegt, dass eine mobile Schlachtung nur Erweiterung eines zugelassenen Schlachtbetrieb sein könne. Eine weitere Liberalisierung der Weideschlachtung werde vom Land Vorarlberg weiterhin gefordert.