Wie Tiere zur Ware werden

Politik / 07.07.2020 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wie Tiere zur Ware werden
Über 14 Millionen Hühner wurden 2019 exportiert, fast 20 Millionen importiert. VN

Transporte im Fokus: Genauere Herkunftsbezeichnung kommt.

Wien “Viel Tierleid würde sich vermeiden lassen”, ist Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) überzeugt. Es sei absurd, dass 50.000 Kälber von Österreich in die EU exportiert und noch eine größere Zahl importiert werde. Noch höher, bei jeweils 14 bis 20 Millionen, liegen die Ein- und Ausfuhrzahlen bei den Hühnern. Tiere würden wie Ware gehandelt, sagt Tobias Giesinger, Kampagnenleiter des Vereins gegen Tierfabriken (VgT). Es gelte schlicht der freie Warenverkehr. Man kaufe, wo es am günstigsten ist, man mäste, wo es am wenigsten kostet und man schlachte, wo es am billigsten ist. Sebastian Bohrn Mena, Initiator des Tierschutzvolksbegehrens, spricht von einem irren Kreislauf. Wie er durchbrochen werden könnte, haben am Dienstagabend 40 Vertreter von Parteien, Tierschützern, Behörden und aus der Landwirtschaft mit Anschober beraten. 

Entwurf bis Jahresende

Die Zahl der Kälbertransporte müsse sinken, sagt der Minister. Er erklärt auf VN-Anfrage, den Bauern aber nicht die Lebensgrundlage entziehen zu wollen. Man müsse die öffentliche Beschaffung von Lebensmitteln regionalisieren, die Kennzeichnung forcieren und das Tierwohl steigern. Anschober kündigt eine Herkunftsbezeichnung von Milch, Fleisch und Eiern in verarbeiteten Lebensmitteln an. Er möchte die EU-Kommission noch heuer über einen Entwurf unterrichten. Die Lebensmittelkennzeichnung ist EU-weit harmonisiert. Für welche Produkte sie mit welchen Kriterien gelten und wie sie in der Gastronomie umgesetzt werden soll, will Anschober mit den betroffenen Interessensgruppen besprechen. Große Hoffnung legt er in den Tiertransporte-Untersuchungsausschuss des EU-Parlaments, der bald seine Arbeit aufnehmen wird. Dieser kontrolliert, ob die Mitgliedsstaaten alle Regeln einhalten.

Wie Tiere zur Ware werden

VGT-Experte Giesinger ist überzeugt, dass der Ausschuss zahlreiche Missstände ans Tageslicht bringen wird und zu Änderungen der Tiertransporte-EU-Verordnung führen könnte. “Solange sich das Gesetz nicht ändert, ändern sich auch nicht die Transporteure.” Hielten sich alle an die Regeln, wären Langstreckentransporte innerhalb der EU schon gar nicht mehr möglich, sagt Giesinger: “Aktuell darf man Kälber laut Verordnung bis zu 19 Stunden transportieren, aber nur wenn sie nach neun Stunden eine Stunde ruhen können und versorgt werden.” Oft sei es aber so, dass die Fahrer nur in der Pannenbucht stehen bleiben und die Wasserversorgung im Lkw aufdrehen. Die Kälber würden nicht entladen. 41 Prozent sind 28 Tage oder jünger. Viele könnten die Tränke also gar nicht nutzen, da sie nicht entwöhnt seien. “Und schon gar nicht ist es möglich, 250 Kälber auf drei Etagen in einem Lkw in einer Stunde zu versorgen.”

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