Vorarlberger in Washington D.C.: “Optik wie vor einem Hurrikan”

Politik / 04.11.2020 • 19:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vorarlberger in Washington D.C.: "Optik wie vor einem Hurrikan"
Vor dem Weißen Haus gibt es eine Art Protestzentrum gegen Trump. ALLE BILDER: PFANNER

Der Vorarlberger Johannes Pfanner lebt in einer verbarrikadierten US-Hauptstadt.

Washington D.C. Johannes Pfanner hat wohl einen der unbeliebtesten Nachbarn der US-Hauptstadt. Washington D.C. gilt als demokratische Hochburg, nach dem aktuellen Auszählungsstand haben 93 Prozent für Biden gestimmt. Der 36-jährige gebürtige Vorarlberger lebt seit sechs Jahren in der Stadt, nur zwei Straßen vom Weißen Haus entfernt.

Der 36-Jährige lebt seit sechs Jahren beinahe Haus an Haus mit dem Präsidenten. <span class="copyright">PFanner</span>
Der 36-Jährige lebt seit sechs Jahren beinahe Haus an Haus mit dem Präsidenten. PFanner
Skurrile Stimmung in der Stadt.
Skurrile Stimmung in der Stadt.

Die Bewohner der Stadt hätten sich auf die Wahl wie auf einen Hurrikan vorbereitet. “Die Gebäude in der Innenstadt sind verbarrikadiert”, erklärt er am Telefon. “Die Optik ist, wie wenn sich eine Stadt auf einen Hurrikan vorbereitet und nicht auf eine Wahl.” Doch nicht nur die Bewohner fürchteten sich vor einem Aufflammen der Protestbewegung, auch die Polizei zeige Präsenz. “An jeder Kreuzung sieht man Polizisten, es gibt auch viele Straßensperren”, bestätigt Pfanner.

Die Bewohner Washingtons haben sich verbarrikadiert.
Die Bewohner Washingtons haben sich verbarrikadiert.

Am Wahlabend seien auch viele Menschen auf den Straßen gewesen, wie auch vor dem Weißen Haus. Derzeit sei ganz Amerika in einer Abwartehaltung. Eines zeige die Wahl bereits jetzt: die tiefe Spaltung der USA: “Klar ist bereits, dass keiner der Kandidaten eine große Mehrheit hinter sich sammeln konnte”, betont Pfanner. Dies sorge vor allem in Washington D.C. für Unverständnis. Je nachdem, wer gewinnt, rechnet Pfanner durchaus mit einer Eskalation der Situation. Bei einem Wahlsieg Trumps wird es an der eher liberalen Ostküste Proteste geben, bei einem Wahlsieg Bidens im Mittleren Westen.

Die Stimmung ist in der Stadt dementsprechend gedrückt, alles blickt mit Spannung zum Freitag hin. “Auch ich habe mich ein bisschen vorbereitet”, räumt Pfanner ein. Die wichtigsten Dokumente sind in einem Rucksack gesammelt, man sei zu mehreren Freunden eingeladen worden, falls es vor dem Weißen Haus unruhig werden sollte. Derzeit ist es aber noch ruhig. “Ich bin zuversichtlich, dass es so auch bleibt”, erwartet der 36-Jährige noch keine unruhige Woche.

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