Rumoren am jordanischen Königshof

Politik / 07.04.2021 • 22:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zwei Frauen passieren in der Hauptstadt Amann ein Poster von König Abdullah II. AFP
Zwei Frauen passieren in der Hauptstadt Amann ein Poster von König Abdullah II. AFP

Alte Palastfehden und neue Nahostzerwürfnisse zum 100-jährigen Bestehen.

amman In Jordanien wurden diese Woche große Feiern zum 100-jährigen Bestehen geplant: Am 11. April 1921 war in Amman die erste, damals „transjordanische“ Regierung gebildet worden. Durch König Abdullah I., der noch den bescheideneren Titel eines Emirs führte. Zum Jubiläum gab es aber nun in seinem Königshaus das Feuerwerk eines Machtkampfes, der nur vorläufig überbrückt werden konnte: Der aufmüpfige Prinz Hamza gelobte seinem Halbruder König Abdullah II. zwar Loyalität, verband das aber mit massiver Kritik an dessen Führungsstil.

“Die Königin”

In der Ammaner Hügelresidenz der Haschemiten-Dynastie war es zwischen Großem- und Basman-Palast zu einem Tauziehen des Königs mit Hamza gekommen, bei dem auch das dritte, das Haremsschloß As-Saghir eine Rolle spielte: Die Witwe des 1999 verstorbenen Langzeitkönigs Hussein, als sein „Licht“ Nur al-Hussein in Erinnerung, wird in Jordanien nach wie vor als „die Königin“ verehrt. Abdullahs Gattin Rania trägt zwar seit dessen Thronbesteigung auch den Titel „Majestät“, erfreut sich aber kaum Beliebtheit im Volk. Vor allem wird ihr vorgeworfen, mit Abdullahs Mutter, der Engländerin Toni „Muna“ Gardener, den Nachfolgeputsch vor Husseins Tod organisiert zu haben, bei dem dessen Bruder und „ewiger Kronprinz“ Hassan durch Abdullah ersetzt wurde. Königin Nur ist nach wie vor so mächtig, dass sie jetzt die schützende Hand über ihren Sohn Hamza halten und diesen vor schlimmeren Folgen der Verschwörungsvorwürfe gegen ihn bewahren konnte. Als Mitgestalter dieses Ausgleichs am jordanischen Königshof kam der 74-jährige, aber rüstige Prinz Hassan aus der Versenkung. Er hatte es ebenso wie Nur dem König Abdullah, dessen Mutter und Gattin nie verziehen, die 1999 die vom legendären König Hussein geplante Nachfolgeordnung umgestoßen zu haben.

Auch für viele andere, ob regimekritische Politiker in Amman oder mächtige Stammesfürsten im jordanischen Osten, blieb Husseins Lieblingssohn Hamza ihr heimlicher König. Sie warteten seit Jahren auf die Gelegenheit, Abdullah samt Harem und Höflingen los zu werden. Dessen doppeltes Zusammenspiel mit Israel wie auch mit Saudi-Arabien war in letzter Zeit in eine Zerreißprobe geraten. Die Normalisierungsbereitschaft einer ganzen Reihe anderer arabischer Staaten von Marokko über den Sudan bis zum Golf hat Jordaniens besondere Rolle als Israels einziger Friedenspartner nach Ägypten untergraben. Darauf brüskierte Abdullah II. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit einem Überflugsverbot Richtung Vereinigte Emirate. Saudi-Arabien hat sich in der  Palastkrise hingegen sofort und voll auf die Seite des Königs und gegen Prinz Hamza gestellt.