Türkei verteidigt nach “SofaGate” Sitzordnung

Politik / 08.04.2021 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Während für Michel ein Stuhl neben Erdogan reserviert war, musste von der Leyen auf dem Sofa Platz nehmen.APA/European comission
Während für Michel ein Stuhl neben Erdogan reserviert war, musste von der Leyen auf dem Sofa Platz nehmen.APA/European comission

Außenminister spricht von „ungerechten Anschuldigungen“.

ankara In der Diskussion über die Sitzordnung beim Treffen der Europäischen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratschef Charles Michel und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Ankara hat sich die Türkei gegen Vorwürfe aus Brüssel verteidigt. Es habe “ungerechte Anschuldigungen gegenüber der Türkei gegeben”, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstag. “Es wurde entsprechend der Anregungen der EU-Seite so eine Sitzordnung aufgestellt. Punkt.” Das Treffen sei entsprechend internationaler Standards und türkischer Gastfreundschaft abgehalten worden.

Nur Platz auf dem Sofa

Bei dem Treffen mit Erdogan hatten die EU-Spitzen über einen möglichen Ausbau der Beziehungen der EU zur Türkei diskutiert. Für Michael war am Dienstag im türkischen Präsidentenpalast ein großer Stuhl neben dem Staatschef reserviert. Von der Leyen bekam hingegen einen Platz auf einem Sofa in einiger Entfernung zugewiesen. Dort saß sie dem türkischen Außenminister Cavusoglu gegenüber, der ebenfalls an dem Gespräch teilnahm. In einem Video ist zu sehen, wie die Kommissionschefin zunächst stehen blieb und mit einem “Ähm” reagierte.

Die EU-Kommission reagierte empört. Ein Sprecher sagte, dass Kommissionspräsidentin von der Leyen aus ihrer Sicht auf Augenhöhe mit Erdogan und  Michel hätte platziert werden müssen. Auch von der Leyens Sprecher betonte, dass sich Vorfälle wie der im Präsidentenpalast in Ankara nicht wiederholen sollten.

Michel erklärte die Sitzordnung mit einer engen Auslegung von protokollarischen Regeln durch die Türkei, betonte aber, dass er die Situation ebenfalls als bedauerlich empfunden habe. In Sozialen Netzwerken bekam der Vorfall schnell den Titel “SofaGate”. Der frühere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verwies darauf, dass auch er bei Auslandsreisen zuweilen als “Nummer zwei” hinter dem Ratspräsidenten behandelt worden sei. “Normalerweise hatte ich einen Stuhl neben dem Stuhl des Ratspräsidenten, aber manchmal passierte es, dass ich auf einem Sofa saß”, sagte er zum Online-Magazin “Politico”.

Die beiden größten Fraktionen im Europaparlament verlangten eine Plenardebatte zu der Causa. Die konservative EVP und die Sozialdemokraten forderten, dass von der Leyen und Michel dazu Ende April ins Parlament geladen werden.