Haitis Präsident im eigenen Haus erschossen

Politik / 07.07.2021 • 22:57 Uhr
Der Staatschef verstarb bei dem Angriff, seine verletzte Ehefrau soll im us-amerikanischen Miami behandelt werden. AFP
Der Staatschef verstarb bei dem Angriff, seine verletzte Ehefrau soll im us-amerikanischen Miami behandelt werden. AFP

Offene Fragen rund um Tod von Jovenel Moïse.

port-au-prince Unbekannte sind in die Residenz des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse eingedrungen und haben ihn erschossen. Seine Ehefrau Martine Moïse sei bei dem Angriff am Rande der Hauptstadt Port-au-Prince verletzt worden, teilte der Außenminister des Karibikstaats, Claude Joseph, am Mittwoch mit. In einer Ansprache rief Joseph den Belagerungszustand im ganzen Land aus. Die Angreifer hätten Spanisch und Englisch gesprochen, sagte Joseph, der zuletzt auch Übergangs-Premierminister war und sich weiterhin als solcher bezeichnete. Joseph verurteilte die Tat als „abscheulich, unmenschlich und barbarisch“. Es gilt der Ausnahmezustand, in der Hauptstadt höre man Schusswechsel.

Die Hintergründe waren zunächst unklar, ebenso wie der Gesundheitszustand der Präsidentengattin. „Obwohl noch Details herauskommen, kann zum jetzigen Zeitpunkt bestätigt werden, dass es sich um einen wohl koordinierten Angriff durch eine gut ausgebildete und schwer bewaffnete Gruppe handelte“, teilte Haitis Botschaft in den USA mit.

Der 53-jährige frühere Geschäftsmann Moïse war 2016 zum Präsidenten gewählt worden und hat das Amt im Februar 2017 angetreten. Vor seinem Tod hatte er Haiti per Dekret regiert, nachdem eine Parlamentswahl unter anderem wegen Protesten gegen ihn verschoben worden war. Die Opposition warf ihm Korruption und den Aufbau einer Diktatur vor. Moïse hatte die Anschuldigungen stets bestritten und auf eine Verfassungsreform gedrängt, mit der er nach eigenen Angaben für mehr politische Stabilität sorgen wollte.

Moïse hatte den Premierminister des Landes innerhalb von vier Jahren sieben Mal ausgewechselt. Am Montag gab er die Ernennung des neuen Regierungschefs Ariel Henry bekannt, der Claude Joseph nach nur drei Monaten im Amt ablösen sollte.