Wie der Preisexplosion im Wohnbau Einhalt geboten werden soll

Wohnbaulandesrat Tittler verteidigt den Traum vom Eigenheim und erklärt sein Rezept für leistbares Bauen und Wohnen.
Bregenz Die Wohnkosten im Land sind hoch, obwohl sehr viel gebaut wird. Die Baubranche boomt trotz Pandemie. Die Baukosten sind – ohne Löhne – in einem Halbjahr um 25 Prozent gestiegen. Wie will das Land gegensteuern? Der zuständige Landesrat Marco Tittler beantwortet im VN-Interview Fragen zu den Baukosten, den rückgängigen Zahlen beim gemeinnützigen Wohnbau, den Investorenmodellen und erzählt, was er über den Traum vom Einfamilienhaus denkt.
Sie haben die Bautechnikverordnung geändert. Was bedeutet das?
Wir haben ein paar Erleichterungen einarbeiten können und auf aktuelle Ereignisse reagiert. Außerdem haben wir bei den Gebäudehüllen, dem Energiebedarf und beim CO2 neue Vorgaben gemacht.
Ist die Gasheizung Geschichte?
Sie ist als Heizung ohne Kompensationen Geschichte, ja. Wenn man bei der Gebäudehülle, dem Energieverbrauch und dem CO2-Ausstoß runterkommt, kann man noch theoretisch eine Gasheizung einbauen. Es geht immer um den gesamten CO2-Fußabdruck.
Wird Bauen dadurch noch teurer?
Nein, ich glaube nicht. Es wird State of the Art. Wir bauen ja in vielen Bereichen schon so.
State of the Art und teurer widersprechen sich nicht.
Das stimmt. Die Auswertung unserer Unterlagen zeigt aber, dass die neuen Vorgaben für die Bauwirtschaft durchaus machbar sind, ohne dass wir wahnsinnige Kostenschübe auslösen.
Wie kann die Preissituation im Bau entspannt werden?
Auf die Rohstoffpreise haben wir wenig Einfluss im Land. Anders ist es bei den Deponien, da müssen wir Flächen zur Verfügung stellen. Wir überlegen uns auch begleitende Maßnahmen, beispielsweise eine Widmungskategorie für geförderten Wohnbau.
Das Ziel der Landesregierung lautete auch, 4000 gemeinnützige Wohnungen in der Legislaturperiode bauen zu lassen. Warum wird es nicht erreicht?
Die drei gemeinnützigen Bauvereinigungen haben es zwei Jahre lang geschafft, diese hohe Zahl zu halten. Aber sie unterliegen einem Rhythmus. Sie müssen planen, projektieren und bauen. Das ergibt eine Wellenbewegung bei der Bauleistung. Außerdem befinden wir uns in einem hochpreisigen Markt. Wir überlegen schon länger, ob wir die Bauleistung anpassen an das, was die Bauträger stemmen können. Und an den Bedarf.
Ist der Wohnungsbedarf gar nicht so hoch?
Es ist so, dass es sehr viel wechselwillige Mieter gibt. Wir müssen unterscheiden, wo es Verbesserungs- und Wechselwünsche sind und wo wirklich dringender Bedarf da ist.
Tourismusgemeinden fordern Änderungen im Raumplanungsgesetz, um Investorenmodelle zu bekämpfen. Wie weit sind Sie?
Wir wollen eine Lösung finden, die für das ganze Land gilt. Wir brauchen keine Lex Lech, sondern etwas für alle. Da wird sich im Raumplanungsgesetz sicher etwas machen lassen.
Wie schwierig ist es, Tourismusgemeinden und andere unter einen Hut zu bringen?
Wir haben auch innerhalb der Tourismusgemeinden unterschiedliche Probleme. In Lech haben wir die Situation, dass jemand kommt, der zehn Millionen Euro für ein Haus hinlegen kann. Dieses Problem gibt es in anderen Orten weniger. Dann haben wir das Problem der buy-and-let-Modelle. In strukturschwachen Gemeinden können diese Modelle unterstützt werden, in strukturstarken Gemeinden will man sie nicht. Vom Gesetz her sind alle gleich.
Kommt eigentlich ein Bodenfonds?
Der Bodenfonds erfüllt je nach Ausgestaltung ganz unterschiedliche Aufgaben. Das reicht vom reinen Finanzierungsinstrument bis zum echten Planungsinstrument. Wir sehen uns gerade Modelle in anderen Bundesländern an.
Wie sieht Ihrer Ansicht nach der ideale Bodenfonds aus?
Das hängt mit mehreren Fragen zusammen: Ist es Aufgabe des Bodenfonds, Grundstücke für finanzschwache Gemeinden zu finanzieren? Finanzstarke können es ja selbst. Und braucht es das Land? Ein Bodenfonds darf aus meiner Sicht nicht ausschließlich ein Finanzierungsinstrument sein.
Also sollte das Land einen Bodenfonds betreiben, muss es sich auch einmischen können?
Dann muss damit auch eine Steuerungsmöglichkeit verbunden sein, ja.
Ist das Einfamilienhaus ein Zukunftsmodell? Der Traum lebt ja bei vielen noch.
Ich will den Traum nicht verteufeln. Ich sehe das auch nicht so dramatisch wie andere. Der Bau des eigenen Hauses im ländlichen Raum ist schon ein Thema. Mit dem eigenen Hausbau sind mehrere positive Komponenten verbunden, wie Leistungsbereitschaft, Zielstrebigkeit, sich einen Traum erfüllen. Im urbanen Raum wird der Traum aber unter Druck geraten.