Charles Ritterband

Kommentar

Charles Ritterband

BYOB: Briten empört, Boris zerknirscht

Politik / 21.01.2022 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

BYOB ist die Formel, inzwischen in aller Mund, welche für den britischen Premier Boris Johnson die schwerste Krise seiner Amtszeit, ja vielleicht gar deren unrühmliches Ende signalisiert. Die ominösen vier Buchstaben stehen als Aufforderung für „Bring Your Own Booze“ („bring selbst was zum Saufen mit“). Wohin? Zu den „spontanen“ Büro-Partys nach Arbeitsschluss in Downing Street Nummer 10, mit angeblich bis zu 100 Teilnehmern (zu denen sich offenbar gerne auch mal Chef Boris gesellte), manchmal bis in die frühen Morgenstunden. Um die Sache gewissermaßen abzurunden, wurde bald ein großer Kühlschrank für den ganzen „booze“ angeschafft.

Vor allem: All dies geschah mitten im Covid-Lockdown 2020, als derartiges strengstens verboten war und entsprechend polizeilich geahndet wurde. Allerdings nur außerhalb von Downing Street und gegenüber gewöhnlich Sterblichen: „Quod licet iovi non licet bovi“. Die Briten waren über „Partygate“, wie man den Skandal alsbald nannte, empört und zutiefst verletzt: Während Angehörige einsam an Covid starben und Krankenhauspersonal das Leben aufs Spiel setzte , wurde in Downing Street bei Wein und Käse munter gefeiert. Daran, dass noch dazu eines dieser fröhlichen Gelage just am Vorabend der Beisetzung von Prinz Philip abgehalten wurde, entzündete sich der Volkszorn lichterloh. Immer wieder wurde das erschütternde Foto der Queen gezeigt, die einsam und in Schwarz gehüllt am Ende einer Kirchenbank um ihren Gatten trauerte.

Der Premier erklärte treuherzig, er sei über die Angelegenheit „erschüttert“. Dennoch werden die Rufe nach seinem Rücktritt  immer lauter. Plötzlich liegt nun auch, erstmals seit 2013, die oppositionelle Labour-Party deutlich vor den regierenden Konservativen. Um seine eigene Haut zu retten (und andere ans Messer zu liefern), lanciert Boris die „Operation Big Dog“. Die Kommentare aus der Öffentlichkeit kamen prompt und gnadenlos: Man wisse ja, was große Hunde so hinterlassen. Und in einer Londoner Primarschule wurde gefragt, zu welcher Partei denn der Premier gehöre. Prompt kam die Antwort aus Kindermund: „Zur Christmas Party“.