“Haben Johnson mit der Torte überfallen”

Politik / 26.01.2022 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Haben Johnson mit der Torte überfallen"
“Ich bestreite nicht, dass mich vielleicht viele Leute aus dem Weg haben wollen”, sagt Johnson. Gehen will er aber nicht.RTS

Corona-Partys setzen dem britischen Premier zu. Es gibt aber auch Rückhalt. Zurücktreten will er nicht.

London Der britische Premierminister Boris Johnson will wegen mehrerer Lockdown-Partys in seinem Amtssitz nicht zurücktreten. Der Regierungschef sagte am Mittwoch vor den Abgeordneten des Parlaments, er werde wie zugesagt die Ergebnisse eines Untersuchungsberichts veröffentlichen. Fragen zum Skandal und seiner Zukunft wischte er mit den Worten beiseite, er habe “absolut nicht die Absicht” zurückzutreten. Die Regierung sollte den Untersuchungsbericht der Spitzenbeamtin Sue Gray möglicherweise noch am Mittwoch erhalten. Außenministerin Liz Truss sagte BBC: “Ich gehe davon aus, dass wir nicht mehr lange warten müssen.” Die Ministerin wollte nicht garantieren, dass der Bericht in allen Einzelheiten für die Öffentlichkeit zugänglich wird: “Aber wir werden die Ergebnisse des Berichts auf jeden Fall veröffentlichen.”

Polizei ermittelt

Anschuldigungen, der Premierminister und seine Mitarbeiter hätten sich über Corona-Maßnahmen hinweggesetzt, während die einfachen Bürger im Lockdown ausharrten und Kontakte vermieden, lösten große Empörung in der britischen Öffentlichkeit aus. Einige konservative Abgeordnete forderten bereits den Rücktritt ihres Parteifreundes vom Amt des Regierungschefs. Johnson forderte seine Kritiker auf, zunächst die Schlussfolgerungen Grays abzuwarten und erst dann ein Urteil über ihn zu sprechen.

Diese Argumentation verlor am Dienstag an Überzeugungskraft, als die Londoner Polizei Ermittlungen wegen Partys in Regierungsgebäuden in der britischen Hauptstadt aufnahm. Sie untersuche eine Reihe von Events unter anderem am Amtssitz des Premierministers, weil sie die Ermittlungskriterien für schwerwiegendste Verstöße gegen Corona-Beschränkungen erfüllten, teilte die Metropolitan Police am Dienstag mit.

Die Schlagzeilen britischer Zeitungen am Mittwoch brachten weitere schlechte Nachrichten für Johnson. Der “Guardin” und der “Daily Mirror” sahen den Premier vor dem Ende. Die rechtsgerichtete “Daily Mail” erklärte dagegen, das Land habe jedes Maß verloren.

Weinfeiern veranstaltet

Gray untersucht Vorwürfe, Regierungsmitarbeiter hätten sich 2020 und 2021 zu Feiern und “Wein-Freitagen” getroffen, während strenge Kontaktbeschränkungen galten. Monatelang waren Treffen mit Angehörigen und Freunden wenn überhaupt nur mit wenigen Teilnehmern erlaubt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Zehntausende Menschen mussten Geldbußen zahlen, weil sie die Regeln nicht eingehalten hatten.

Johnson entschuldigte sich für die Teilnahme an einer Feier im Garten der Büros in der Downing Street im Mai 2020. Er habe geglaubt, es handele sich um ein Arbeitstreffen unter damals geltenden Regeln. Sein Büro und Parteifreunde verteidigten auch eine Überraschungsparty im Juni 2020. Der Abgeordnete Conor Burns sagte, Johnson habe nichts von der geplanten Feier gewusst: “Er wurde gewissermaßen mit einer Torte überfallen.”

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