„Putin war nie Kunde der Hypo Vorarlberg“

Politik / 18.03.2022 • 15:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Putin war nie Kunde der Hypo Vorarlberg“
Die „Graceful“ des russischen Despoten sorgt für Aufregung. RTS

Früherer Bankchef Grahammer distanziert sich. Bund musste der Bank Strafe rückerstatten.

Schwarzach Wladimir Putins Jacht scheint gerade Kaliningrad anzusteuern. Der russische Aggressor brachte sein Luxusschiff noch rechtzeitig in Sicherheit, bevor er seine Armee losschickte, um die Ukraine mit Brutalität zu überrollen. Dank Offshore-Konstruktionen blieb lange im Verborgenen, dass Putin tatsächlich Inhaber seiner „Graceful“ ist. „Diese Schattenwelt ermöglicht es unter anderem Despoten wie Putin, ihr Luxusleben vor der eigenen Bevölkerung geheim zu halten“, sagt etwa die Grüne Nationalratsabgeordnete Nina Tomaselli. Sie stimme es wütend, dass die Hypo Vorarlberg in einer unrühmlichen Rolle dazu beigetragen habe.

Tatsächlich tauchte der Name der Landesbank 2016 in den Panamapapers auf. Das Luxusschiff gehörte demnach einer Briefkastenfirma, über deren Treuhänder in Liechtenstein es Spuren bis zur Hypo gab. Die geographischen Verstrickungen führten dazu, dass die „Graceful“ bald auch zur „Jacht am Bodensee“ getauft und Symbol für umstrittene Offshore-Geschäfte wurde.

„Putin war nie Kunde“

Der einstige Hypo-Chef Michael Grahammer trat nach Bekanntwerden der Panamapapers zurück. „Sie waren nur Anlass für meinen Rücktritt, aber nicht die Ursache meiner Entscheidung“, beteuert er in Reaktion auf den am Donnerstag erschienen VN-Artikel zu Putins Jacht. „Dazu möchte ich festhalten, dass während meiner aktiven Tätigkeit für die Hypo Vorarlberg Herr Putin nie Kunde der Bank war.“ Grahammer sagt auch, dass er mit dem heutigen Wissen „vor zehn Jahren möglicherweise manche Geschäfte verhindert“ hätte. Das sei unbestritten. „Aber so geht es wohl jeder Führungskraft in Unternehmen und Banken.“

<p class="caption"><span style="font-family: VNPolarisWeb, &quot;Arial Narrow&quot;, sans-serif; font-size: 0.875rem; color: initial;">Grahammer trat 2016 zurück: „Die Beweggründe sind dem Aufsichtsrat der Bank, nicht aber der Öffentlichkeit bekannt“, sagt er. Die Panama Papers seien nur Anlass gewesen. <span class="copyright">BDO  </span></span></p>

Grahammer trat 2016 zurück: „Die Beweggründe sind dem Aufsichtsrat der Bank, nicht aber der Öffentlichkeit bekannt“, sagt er. Die Panama Papers seien nur Anlass gewesen. BDO

Strafe rückerstattet

Infolge der Panama Papers verhängte die Finanzmarktaufsicht eine Strafe gegen die Hypo Vorarlberg wegen Verstößen gegen das Finanzmarkt-Geldwäsche-Gesetz beziehungsweise das Bankwesengesetz. 414.000 Euro musste die Landesbank bezahlen, nachdem auch das Bundesverwaltungsgericht das Straferkenntnis der FMA bestätigte. In der Revision beim Verwaltungsgerichtshof erhielt die Hypo aber recht. Der Verwaltungsgerichtshof hob das Erkenntnis auf – aus formalen Gründen, wie ein Sprecher der FMA erklärte. Er berichtet den VN von einer Vielzahl zeitraubender Rechtsgänge. „Die bereits geleistete Strafzahlung wurde vom Bund rücküberwiesen“, sagte der FMA-Sprecher außerdem. Das Verfahren wurde im Herbst 2021 rechtskräftig eingestellt. Vorstand und Rechtsvertreter der Landesbank betonen nach wie vor, sich bei allen Geschäften an die geltende Rechtslage gehalten zu haben.

Das Straferkenntnis der FMA gegen die Hypo wurde aufgehoben. Der Bund musste die Strafe zurückzahlen. <span class="copyright">APA</span>
Das Straferkenntnis der FMA gegen die Hypo wurde aufgehoben. Der Bund musste die Strafe zurückzahlen. APA

Keine Offshore-Geschäfte mehr

Mittlerweile hat die Hypo Vorarlberg sämtliche Geschäftsbeziehungen mit Offshore-Gesellschaften eingestellt. Aufgrund der aktuellen Sanktionen gegen Russland hätten keine Konten gesperrt werden müssen, teilt die Bank mit.

Michael Grahammer betont indes, das unsägliche Leid, das die russische Führung in der Ukraine anrichtet, zutiefst zu bedauern. „Ich verurteile den Angriff eines souveränen Landes aufs Schärfste“, hält der einstige Hypo-Chef fest. Er versuche zu helfen und zu unterstützen, wo es ihm möglich sei. Dass sein Name nun im Kontext mit dem russischen Despoten Wladimir Putin und dessen Jacht in den Vorarlberger Medien zu lesen sei, treffe ihn sehr.

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