Verkürzte Quarantäne soll Spitäler vor Kollaps retten

Politik / 27.03.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Verkürzte Quarantäne soll Spitäler vor Kollaps retten
Zwei Jahre Ausnahmezustand: Das Personal in Spitälern und in Alten- und Pflegeheimen steht vor der Überlastung. APA/OÖG

Symptomfreies Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen darf trotz Coronainfektion ab Tag fünf mit Maske arbeiten

Bregenz Das innerkoalitionäre Ringen war zäh. Am Mittwoch präsentierte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) die neuen Quarantäneregeln. Obwohl die Zahl der Neuinfektionen noch immer sehr hoch ist, wird die Dauer der Quarantäne verkürzt. Voraussetzung: 48 Stunden symptomfrei und das Tragen der FFP2-Maske. Er reagiere damit auf die Bitten der Spitäler, Alten- und Pflegeheime: “Das Personal war wirklich am Anschlag.”

Es gebe extrem viele Ausfälle in den Spitälern und Pflegeheimen, die Spitalsdirektoren hätten die Lage dramatisch geschildert, so Rauch. “Nach zwei Jahren Pandemie ist dort einfach ein Grad an Erschöpfung eingekehrt, der es notwendig macht, zu reagieren.”

Rauch sieht kein Risiko

Mitarbeiter, die sich trotz Infektion gesund fühlen, durften wegen eines zu hohen CT-Werts nicht arbeiten gehen. “Niemand muss arbeiten, wenn er krank ist”, betonte Rauch jedoch. Indem das betreffende Personal in den Spitälern, Alten- und Pflegeheimen in diesem Fall besondere Schutzmaßnahmen anwende, sieht Rauch auch kein Risiko, dass Corona-Infektionen weitergegeben werden: “Die Standards bleiben so, dass die Menschen dort sicher sind.”

600 Bedienstete fallen derzeit aus

Die Verkürzung der Quarantäne von zehn auf fünf Tage wird von den Verantwortlichen des Spitals- und Pflegebereichs grundsätzlich begrüßt, gleichzeitig aber auch der sorgsame Umgang mit der Möglichkeit betont. „Als Dienstgeber gehen wir sehr achtsam damit um“, sagt der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch. Nur in Einzelfällen und nach singulärer Interessensabwägung würde zur Aufrechterhaltung des Spitalsbetriebs dieser Lockerungsschritt bei symptomlosen Mitarbeitenden angewendet.

Er habe große Achtung vor den Beschäftigten in den Krankenhäusern, die in jeder Covid-Phase ihre Flexibilität und Professionalität gezeigt hätten und auch jetzt bereit seien, im Sinne der notwendigen Patientenversorgung einzuspringen. Wie berichtet, fallen in den Spitälern wegen Corona und anderer Krankenstände derzeit rund 600 Bedienstete aus.  

In den Pflegeheimen fehlen aufgrund von Coronainfektionen etwa 100 Mitarbeitende. Das mag bei 2400 Beschäftigten nicht nach viel klingen, aber: „Ist die Personaldecke in einem Heim ohnehin schon dünn, kommt das übrige Personal schnell an seine Grenzen“, gibt Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker zu bedenken. Auch sie betont die Notwendigkeit einer sorgsamen Anwendung der verkürzten Quarantäne, der eine mindestens zweitägige Symptomfreiheit vorausgehen muss. „Dass jeder infiziert arbeiten kann, hätte ich auch nicht gewollt“, bemerkt Wiesflecker.

Für die Pflegeheime wird es in der Verordnung jedenfalls einen eigenen Passus geben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen sich gemeinsam auf einen möglichen Einsatz bei verkürzter Absonderung verständigen. „Es geht darum, dem Versorgungsauftrag trotz aller Erschwernisse nachzukommen“, betont die Soziallandesrätin. Unter den Bewohnern von Pflege- und Altenheimen gibt es rund 200 Infizierte, die Krankheitsverläufe werden als mild beschrieben.  VN-MM, JUS

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