Richtungsentscheidung in Frankreich

Politik / 22.04.2022 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bleibt Macron Präsident oder übernimmt Le Pen? Die Franzosen haben die Wahl. AFP
Bleibt Macron Präsident oder übernimmt Le Pen? Die Franzosen haben die Wahl. AFP

Amtsinhaber Macron und rechte Konkurrentin Le Pen treten am Sonntag gegeneinander an.

paris Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich nehmen Staatschef Emmanuel Macron und seine rechte Konkurrentin Marine Le Pen Kurs auf die entscheidende Endrunde am Sonntag. Zwei Tage zuvor suchten die beiden Kandidaten ein letztes Mal den Kontakt zur Bevölkerung. Le Pen war im Norden Frankreichs unterwegs, wo sie in der ersten Runde gut abgeschnitten hatte. Macron kam nach Figeac im Süden.

Umfrage sieht Präsidenten vorne

Unterdessen vergrößerte sich der Abstand zwischen den beiden Kandidaten. Nach einer am Donnerstagabend veröffentlichten Umfrage des Instituts Ipsos kommt Macron auf 57,5 Prozent, Le Pen auf 42,5 Prozent. In den Tagen zuvor hatten die beiden Rivalen etwa zehn Punkte auseinandergelegen. Macron warf seiner Kontrahentin vor, ihre wahren Ziele zu kaschieren. „Sie vermittelt den Eindruck, als habe sie eine Antwort auf die finanziellen Sorgen der Bürger“, sagte Macron am Freitag dem Sender France Inter. Dabei seien ihre Vorhaben nicht umsetzbar. „Die Basis des Rechtsextremismus ist nach wie vor da.“

Le Pen wehrt sich gegen diese Einstufung. „Rechtsextrem ist eine Beleidigung“, sagte sie dem Sender CNews. Wenn Macron sie so nenne, „dann nennt er Millionen von Franzosen rechtsextrem“, sagte sie. Am Vorabend hatte sie mit heiserer Stimme bei einer Veranstaltung in Arras ihre Anhänger zum Wählen aufgerufen. „Volk Frankreichs, es ist Zeit, aufzustehen!“, rief sie.

Bei der großen Fernsehdebatte am Mittwochabend, die 15,6 Millionen Menschen vor den Bildschirmen verfolgten, war Macron nach einer Umfrage und Einschätzungen etlicher Medien im Land als Sieger hervorgegangen. Die Debatte blieb überwiegend sachlich, auch wenn beide hart gegen den anderen austeilten. Während Macron sich  zur deutsch-französischen Kooperation und zur Verankerung Frankreichs in der Europäischen Union bekannte, stellte Le Pen klar, dass sie die EU gründlich ändern will. Macron warf ihr vor, noch immer aus der EU austreten zu wollen, dies aber nicht offen zu sagen. Angesichts des Ukraine-Kriegs waren sich Le Pen und Macron weitgehend einig, dass es weiter Hilfen für Kiew geben solle. Le Pen sprach sich aber gegen einen Importstopp für russisches Gas aus. Macron warf seiner Kontrahentin vor, von Kremlchef Wladimir Putin abhängig zu sein. Bereits vor der Endrunde der Präsidentschaftswahl 2017 hatten sich die zwei gegenüber gesessen, damals leisteten sie sich Beschimpfungen und persönliche Angriffe.

Am Samstag sind keine Wahlkampfveranstaltungen mehr zugelassen. Die Wahllokale sind am Sonntag zwischen 8.00 und 19.00 Uhr, in Großstädten auch bis 20.00 Uhr geöffnet. Erste Hochrechnungen gibt es um 20.00 Uhr.