Ölheizung im Kreuzfeuer: Viele müssen tauschen

Politik / 14.05.2022 • 05:55 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ölheizung im Kreuzfeuer: Viele müssen tauschen
Günther Rauch wird seinen Ölkessel rausschmeißen und auf ein anderes Heizsystem umsteigen müssen. APA/VN

Noch 25.000 Ölkessel im Land. Wer tauscht, wird gefördert.

Schwarzach Günther Rauch hat nicht vor, seine Heizung zu tauschen. „Solange ich Öl bekomme, ist es für mich die beste Alternative“, sagt der 61-Jährige, der sich vor acht Jahren sein mittlerweile fast 100 Jahre altes Haus gekauft hat. Mit der 28 Jahre alten Ölheizung hatte er noch nie ein Problem. Dennoch wird sich Rauch in drei Jahren von ihr verabschieden müssen. So sehen es die Regeln vor.

Bis 2025 müssen alle Ölkessel, die älter als 25 Jahre sind, ausgetauscht werden. Zehn Jahre später soll es gar keine mehr geben. Ein ähnliches Schicksal droht bis 2035 auch den ersten Gasheizungen. In Neubauten sollen sie bereits ab 2023 verboten sein. Letzteres legt der Entwurf des Erneuerbaren-Wärme-Gesetzes fest. Beschlossen ist er aber noch nicht. Die zuständige Ministerin Leonore Gewessler will aber so schnell wie möglich zu einer Entscheidung kommen.

Gewessler hofft auf eine baldige Entscheidung. <span class="copyright">APA</span>
Gewessler hofft auf eine baldige Entscheidung. APA

Für sie drängt die Zeit. Denn es fehlt noch viel mehr. Seit 500 Tagen leben die Österreicherinnen und Österreicher ohne gültiges Klimaschutzgesetz, das die Treibhausgasbudgets pro Jahr festlegt. Auch vom Energieeffizienzgesetz ist keine Spur. Dieses sollte eigentlich die rechtliche Basis dafür bilden, die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent zu reduzieren, den Ausbau erneuerbarer Energie um 20 Prozent zu steigern und die Energieeffizienz um 20 Prozent zu verbessern.

Im Ministerium spricht man lieber von den umgesetzten Projekten, wie dem Klimaticket, der ökosozialen Steuerreform oder dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, das großzügige Förderungen zur Verfügung stellt. Außerdem setze man mit dem „Raus aus Öl und Gas“-Programm wichtige Weichenstellungen.

Das betrifft auch Günther Rauch und seinen Ölkessel, der lediglich einer von insgesamt 25.000 in Vorarlberg ist. Daneben zählt das Land knapp 31.900 private Haushalte, die Erdgas beziehen. „Der Ersatz von Öl-, Gas- und Allesbrennerheizungen wird – je nach Alternative – mit bis zu 11.500 Euro gefördert. Beim Anschluss an eine Nahwärme beträgt die Förderung bis zu 13.500 Euro“, erläutern Umweltlandesrat Daniel Zadra (Grüne) und Wirtschaftslandesrat Marco Tittler (ÖVP) in einer Anfragebeantwortung. Bei einkommensschwachen Haushalten werden bis zu 100 Prozent der Kosten für den Heizungstausch übernommen.

Auch neue Heizsysteme wurden teurer. <span class="copyright">APA</span>
Auch neue Heizsysteme wurden teurer. APA

Ein Gutachten für die Energieagentur setzte die typischen Gesamtkosten für den Heizungstausch fest, allerdings stammt dieses aus dem vergangenen Jahr. Die großen Preissprünge folgten erst später. Anfang 2021 machten die durchschnittlichen Kosten für einen Fernwärme-Anschluss knapp 20.000 Euro aus, die Installation eines Pellets- oder Hackgutkessels rund 25.000 Euro. Die Kosten für die Installation einer Wärmepumpe lagen je nach Technologie zwischen 18.000 und 26.000 Euro.

Der Grüne Bundesrat und Energieexperte Adi Gross erinnert allerdings daran, dass die Investitionskosten nur das eine seien. „Die Gesamtkosten waren schon vor einem Jahr in fast allen Systemen der erneuerbaren Energien niedriger als bei den fossilen. Das gilt jetzt noch stärker.“ Es sei zu erwarten, dass die Öl- und Gaspreise weiter steigen. So sei ein Wechsel des Heizungssystems auf lange Sicht auch wirtschaftlich sinnvoll. Für viele bleibe zwar ein gewisses Investitionsvolumen, das abzüglich der Förderungen zu stemmen sei, aber es mache sich bezahlt.

Ein Wechsel des Heizungssystems sei auf lange Sicht auch wirtschaftlich sinnvoll, sagt Gross. <span class="copyright">VN</span>
Ein Wechsel des Heizungssystems sei auf lange Sicht auch wirtschaftlich sinnvoll, sagt Gross. VN

Der Bregenzer Günther Rauch würde am liebsten beim Öl bleiben. „Die Effizienz ist nicht schlechter als bei anderen Heizungen, und ich habe den Vorteil des Vorratsspeichers im eigenen Haus, der mich von gewissen Schwankungen unabhängiger macht“, sagt er. „Selbst wenn ich auf Pellets oder andere Alternativen umsteige, bleibe ich mit allen Förderungen auf Kosten von etwa 10.000 Euro sitzen.“

Hinzu kommen aktuell auch Schwierigkeiten, überhaupt Handwerker zu finden, die Zeit dafür haben, neue Heizsysteme zu installieren. Auch die Beratung stockt im Land, was für das Klima allerdings nicht die schlechteste Nachricht zu sein scheint. Grund ist nämlich das hohe Interesse am Umstieg, wie es im Energieinstitut heißt. Mittlerweile zählt dieses mehr Beratungen als im gesamten vergangenen Jahr.

Förderungen

Für den Ersatz der Öl-, Gas- oder Stromdirektheizung kann eine Bundesförderung von bis zu 7500 Euro beantragt werden. Zusätzlich gibt es eine Landesförderung von 4000 Euro. Bei Mehrfamilienhäusern gibt es etwas mehr, etwa vom Bund, wenn die Heizung zentralisiert wird (+ 2300 Euro vom Bund), aber auch vom Land. Das Gebäude muss nach Angaben des Landes älter als zehn Jahre sein und das alte fossile Heizsystem vollständig entfernt werden. Es muss auf eine Holzheizung, Nahwärme oder Heizungswärmepumpen umgestellt werden.

Einkommensschwache Haushalte können mit einem hundertprozentigen Kostenersatz rechnen. Als einkommensschwach gilt ein Einpersonenhaushalt mit Nettoeinkommen von 1454 Euro monatlich, bei bis zu 1694 Euro netto werden 75 Prozent der Kosten ersetzt. Bei zwei Erwachsenen liegt die Grenze bei 2181 Euro bzw. 2541 Euro. Ein Erwachsener mit zwei Kindern erhält die hundertprozentige Förderungen bis zu einem monatlichen Nettoeinkommen von 2326 Euro, 75 Prozent bei 2710 Euro. Die Grenzen bei zwei Eltern mit zwei Kindern liegen bei 3053 netto monatlich bzw. 3557 Euro.

Viele Gemeinden fördern den Umstieg auf ein erneuerbares Heizsystem zusätzlich. In Rankweil gibt es etwa einen einmaligen Zuschuss von 400 Euro. Die Vorarlberger Stromversorger fördern den Einbau von Wärmepumpen mit bis zu 750 Euro.

Birgit Entner-Gerhold, Matthias Rauch