Ruf nach einem Sondertribunal

Politik / 18.09.2022 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In Isjum wurden Hunderte Gräber gefunden. Die Exhumierung wurde am Wochenende fortgesetzt. AFP
In Isjum wurden Hunderte Gräber gefunden. Die Exhumierung wurde am Wochenende fortgesetzt. AFP

Leichenfunde im urkainischen Isjum: Aufklärung gefordert.

kiew Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Vorgehen der russischen Besatzer in seinem Land mit den Nazi-Gräueln im Zweiten Weltkrieg verglichen. Es gebe grausamste Folter, Deportationen, verbrannte Städte, bodenlosen Hass und nichts Lebendiges mehr unter russischer Besatzung, sagte Selenskyj am Wochenende. Tschechien verlangte unterdessen die rasche Einsetzung eines internationalen Sondertribunals zur Ahndung mutmaßlicher russischer Kriegsverbrechen. Das Land hat noch bis zum Jahresende die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne.

„Nicht darüber hinwegsehen“

Nach den Leichenfunden in der zurückeroberten ostukrainischen Stadt Isjum forderten unter anderem auch die USA und Deutschland, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. „Diese furchtbaren Verbrechen müssen unbedingt aufgeklärt werden – am besten von den Vereinten Nationen“, sagte die deutsche Verteidigungsministerin Christine Lambrecht den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der tschechische Außenminister Jan Lipavsky warf Russland vor, in der Region „Massengräber“ mit den Leichen von Hunderten erschossene und gefolterter Menschen hinterlassen zu haben. „Wir dürfen darüber nicht hinwegsehen. Wir fordern die Bestrafung aller Kriegsverbrecher.“

Auch nach dem Abzug der russischen Truppen aus Charkiw vor gut einer Woche ging der Beschuss dort nach ukrainischen Angaben weiter. Der Feind habe die befreiten Städte Isjum und Tschuhujiw massiv beschossen, es seien Wohn- und Geschäftsgebäude sowie Tankstellen und Produktionsanlagen zerstört worden, erklärte Gebietsgouverneur Oleh Sinegubow. In Tschuhujiw sei ein elf Jahre altes Mädchen durch den Beschuss getötet worden. Bei einer Autofahrt seien zudem zwei Frauen von einem Panzergeschoss tödlich verletzt worden. Sinegubow hatte zuvor auch darüber informiert, dass von der Massengrabstätte in einem Waldstück in der Nähe von Isjum bisher rund 60 Leichen geborgen worden seien. Die meisten Frauen und Männer waren demnach Zivilisten. Unter den Toten waren auch viele ukrainische Soldaten. Die meisten seien eines gewaltsamen Todes gestorben. In Isjum sind mehr als 440 Gräber mit Leichen gefunden worden.