Mehr Mut wird nicht schaden
Wollen wir Frauen nicht, oder werden wir nicht gewollt? Am Sonntag konnten die 6,36 Millionen Wahlberechtigen in Österreich aus sieben Kandidaten auswählen, gendern unnötig.
Dass es bei so einem hohen Amt im Staat um die Qualifikation und nicht um das Geschlecht geht: Geschenkt. Doch gerade Frauen erleben immer noch scharfen Gegenwind, wenn sie wollen. Man erinnere sich etwa an Benita Ferrero-Waldner (ÖVP), der die SPÖ-Frauen 2004 via Aussendung ausrichteten, dass “Frausein allein” nicht reiche. Eine vorhandene Qualifikation als ehemalige Außenministerin und Spitzendiplomatin hätte über Parteigrenzen hinweg sichtbar sein und andere Kritikpunkte aufgegriffen werden können, auch wenn sich SPÖ-Kandidat Heinz Fischer der Wahl stellte.
Öffentlichkeit und Präsenz schaffen Bewusstsein. Die Bühne einer Bundespräsidentenwahl ist hell beleuchtet. Aber statt Themen, die Frauen angehen, gab es etwa folgende Schlagzeilen im Wahlkampf: Tassilo Wallentin will kein Gesetz mit Binnen-I unterschreiben. Auf die Frage von Corinna Milborn auf Puls 24, ob er Feminist sei, entgegnete Walter Rosenkranz (FPÖ): “Ich liebe Frauen, derzeit nur eine”. Heinrich Staudinger mag in der MeToo-Bewegung, die sexuellen Missbrauch bekämpft, eine Verschwörung des CIA erkennen. Gerald Grosz ermahnte ORF-Journalistin Susanne Schnabel in der letzten Elefantenrunde mit einem abschätzigen “gute Frau”.
Und schließlich Doris Schmidauer, verheiratet mit dem Amtsinhaber: Sie setzt sich für Frauen- und Umweltthemen ein. Das brachte ihr teilweise Kritik aus der Medien- und Politikblase. Der Tenor: Bitte im Hintergrund bleiben.
Also wollen wir nicht? Oder werden wir nicht gewollt? Irmgard Griss, die 2016 selbst antrat, übt Selbstkritik. Die Frauen hätten die Initiative ergreifen und eine geeignete Persönlichkeit ermutigen sollen. Vielleicht schaffen es aber auch die Parteien das nächste Mal, es einer Frau zuzutrauen.
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