Das Methangas-Problem

Politik / 23.10.2022 • 22:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In normaleren politischen Zeiten würde die Nachricht aus dem „Goddard Institute“ der amerikanischen Weltraumbehörde NASA Riesenschlagzeilen machen: Die dort beschäftigten und Lebensbedingungen auf Mond und Mars erforschenden Wissenschaftler rechneten bis auf die dritte Stelle hinterm Komma aus, wie lebensbedrohend die flatulierenden Kühe auf der Erde sind: Also wie viel die vierbeinigen Milch- und Fleischlieferanten beim Verdauungsvorgang furzen und rülpsen und damit umweltschädliches Methan-Gas in die Gegend pusten.

Den wie auch immer gemachten akribischen Messungen der Wissenschaftler zufolge kommt jede Kuh im statistischen Mittel auf einen jährlichen Gasausstoß von knapp 100 Kilogramm. Macht bei einer weltweiten Kuhherde von rund einer Milliarde Exemplaren eine Methangas-Produktion von gigantischen 100 Millionen Tonnen. Und das könnte bei konsequenter Nutzung haufenweise Strom produzierende Kernkraftwerke ersetzen. „Grüne Energie“ der besonderen Art, wie es neudeutsch so schön heißt.

Größtes Erzeugerland wäre Indien mit 310 Millionen Kühen, gefolgt von Brasilien (210 Millionen) und China (92 Millionen). Nur nachrichtlich sei angemerkt, dass auch Schweine Methangas-Verursacher sind, aber mit durchschnittlich lediglich 2 Kilogramm pro Schnitzel-Lieferant im Jahr. Aus rein wissenschaftlichem Interesse ermittelten andere renommierte Experten, dass die jährliche Gasproduktion pro Mensch und Jahr so ungefähr bei bescheidenen 300 Gramm liege, individuell aber variieren könne.

Als erstes Land der Welt will Neuseeland bei den Farmern des Fünf-Millionen-Einwohner-Landes jetzt eine „Cow-Burp“-Steuer einführen. Das soll zu einer Verringerung der Herden führen und ihren Methangas-Ausstoß bis 2030 um 10 Prozent senken und ihn bis 2050 halbieren. Der Bauernverband kündigte Großdemonstrationen im ganzen Land mit dem Versprechen an: „Die meisten von uns werden zu Fuß und nicht mit Dreckschleuder-Traktoren kommen“. Jetzt bleibt abzuwarten wie Politiker, Umweltverbände und ihre Anhänger in aller Welt auf die Erkenntnisse der NASA-Wissenschaftler reagieren. Denn die Sache ist ja nicht zu Ende gedacht: Kühe und andere landwirtschaftlich genutzte Tiere verursachen schließlich nicht nur Methangas, sie benötigen dazu auch Unmengen von Futter, was bei vielen Menschen schon zu Hungersnöten führte. Drum zum Schluss die ganz persönliche Frage: „Darf es gelegentlich auch mal ein Steak weniger sein?“ Und das nicht nur wegen der gegenwärtig zum Himmel stinkenden weltweiten Inflation.

„Als erstes Land der Welt will Neuseeland jetzt eine „Cow-Burp“-Steuer einführen.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at

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