Frachter wieder unterwegs

Politik / 03.11.2022 • 22:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Frachtschiff mit ukrainischem Getreide ist im Schwarzen Meer bei Kilyos nahe Istanbul zu sehen. Reuters
Ein Frachtschiff mit ukrainischem Getreide ist im Schwarzen Meer bei Kilyos nahe Istanbul zu sehen. Reuters

Zukunft des Getreideabkommens aber in der Schwebe: Russland droht.

kiew, moskau Russlands schneller Rückzieher beim Verbot ukrainischer Getreideausfuhren übers Schwarze Meer hat neue Hoffnung auf eine Entspannung der internationalen Ernährungslage keimen lassen. Am Donnerstag konnten nach türkischen Angaben mindestens sechs Frachter ukrainische Häfen verlassen. Das von Russland überfallene Land ist einer der größten Erzeuger von Getreide – wichtig vor allem für Millionen Menschen in Afrika und Asien. Allerdings hängt die Zukunft der Transporte von Moskaus Gnaden ab: Russland drohte damit, bei neuen Angriffen auf seine Schwarzmeerflotte das mit der Türkei, den Vereinten Nationen und der Ukraine im Juli ausgehandelte Abkommen abermals auszusetzen. Moskau will es auch nicht automatisch verlängern. Bislang gilt es bis zum 19. November.

Über 9,9 Millionen Tonnen

“Natürlich muss das Thema einer Verlängerung noch erörtert werden. Die offizielle Frist ist noch nicht abgelaufen”, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Russland beklagt, dass seine eigenen Exporte von Getreide und Dünger durch westliche Sanktionen behindert würden. Nach UN-Angaben wurden bisher mehr als 9,9 Millionen Tonnen Waren verschifft – 42 Prozent davon Mais, 28 Prozent davon Weizen. Die Ukraine wies russische Angaben zurück, für die Wiederaufnahme der Exporte versprochen zu haben, den Korridor für Getreidefrachter im Schwarzen Meer nicht militärisch zu nutzen. “Die Ukraine hat den Getreidekorridor nicht für militärische Zwecke genutzt und plant auch nicht, dies zu tun”, hieß es- Unterdessen tauschten die beiden Kriegsgegner erneut Gefangene aus – pro Seite 107 Soldaten.

Unterdessen wurde die britische Botschafterin in Moskau, Deborah Bronnert, ins Außenministerium einbestellt. Dabei ging es um den Vorwurf, britische Spezialisten seien an einem Drohnenangriff beteiligt gewesen. Moskau wirft London auch vor, hinter der Sabotage an den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 zu stecken. London weist dies als absurd zurück. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) fand nach eigenen Angaben auch keine Hinweise auf den Bau einer “schmutzigen Bombe” durch die Ukraine. Das habe eine Inspektion ergeben, sagte IAEA-Direktor Rafael Grossi. Anlass waren russische Vorwürfe, die Ukraine wolle eine “schmutzige Bombe” einsetzen. Ein solche besteht aus radioaktivem Material, das mit konventionellem Sprengstoff freigesetzt wird. Im Unterschied zu einer Atombombe kommt es zu keiner nuklearen Kettenreaktion.

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