Russische Angriffe zum Jahreswechsel

Politik / 01.01.2023 • 22:31 Uhr
Selenskyj veröffentlichte ein Bild mit Ehefrau Olena.
Selenskyj veröffentlichte ein Bild mit Ehefrau Olena.

Ukraine meldet Abschuss von 45 Kampfdrohnen. Selenskyj sieht „Jahr unseres Sieges“.

kiew Die Ukraine ist begleitet von russischen Luftangriffen ins neue Jahr gegangen. Die ukrainische Luftwaffe teilte am Sonntag mit, es seien 45 Kamikaze-Kampfdrohnen vom iranischen Typ Shahed-136 abgeschossen worden. „Es ist nicht gelungen, den Ukrainern das Fest zu verderben“, hieß es in der Mitteilung der Streitkräfte. In einer Glückwunschbotschaft wünschte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seinen Mitbürgern ein frohes neues Jahr und das „Jahr unseres Sieges“.

Seitenhieb auf bittere Realität

„Heute Wunder wünschen? Die Ukrainer haben sie schon lange geschaffen“, schrieb Selenskyj. Dazu postete er im sozialen Netzwerk Telegram ein Foto von sich und seiner Frau Olena vor einem bescheiden geschmückten Weihnachtsbaum. Mit Hinweis auf die wiederholten russischen Angriffe auf das ukrainische Stromnetz erklärte er: „Willst du Licht? Es ist in jedem von uns, auch wenn es keinen Strom gibt.“ Auch bei der Frage nach einem Wunsch nach Abenteuer und Reisen konnte sich Selenskyj einen Seitenhieb auf die bittere Realität des russischen Angriffskriegs nicht verkneifen. „Die Ukrainer haben schon zu viel davon bekommen.“ So bleibe nur ein Wunsch. „Und er wird nicht durch ein Wunder wahr werden, sondern durch unsere Arbeit, durch Kampf, gegenseitige Hilfe, Menschlichkeit“, schrieb Selenskyj und schloss seine Wünsche mit „Frohes neues Jahr! Das Jahr unseres Sieges“. Ukrainische Behörden und Militär meldeten am Neujahrstag 31 Raketenangriffe und zwölf Luftangriffe im ganzen Land in den vergangenen 24 Stunden. In Kiew entstanden nur geringe Schäden, teilte Bürgermeister Witali Klitschko in sozialen Medien mit. Bei den jüngsten Luftangriffe wurden Teile der Infrastruktur in Sumy im Nordosten, in Tschmelnyskyj im Westen sowie in Saporischschja und Cherson im Südosten und Süden beschädigt, teilte das ukrainische Militär mit. Der Netzbetreiber Ukrenergo berichtete, der Samstag sei für seine Mitarbeiter schwierig gewesen, aber die Stromversorgung funktioniere. Auf Notabschaltungen könne vorerst verzichtet werden.

Russland setzt die Drohnen unter dem eigenen Namen Geran – zu Deutsch: Geranie – ein, um eine iranische Beteiligung zu verschleiern. Russland und der Iran arbeiten seit langem militärisch zusammen. Am Silvestertag hatte Russland Militärangaben aus Kiew zufolge auch 20 Raketen auf die Ukraine abgefeuert, von denen die meisten zerstört worden seien. Betroffen waren Kiew und andere Städte des Landes. Laut Bürgermeister Klitschko starb eine Person, weitere wurden verletzt.

Drohnen aus dem Iran

Der Iran hatte zahlreichen Berichten zufolge bereits im August Drohnen nach Russland geschickt, die etwa für Angriffe auf militärische Objekte wie Radaranlagen und Artillerie sowie Energieinfrastruktur benutzt werden können. Wenige Wochen später attackierten Russlands Streitkräfte Ziele in der Ukraine mehrfach mit iranischen Kamikaze-Drohnen vom Typ Shahed 136, die große Schäden anrichteten.

Ein Soldat blickt auf ein Hotel in Kiew, das durch eine Attacke am 31. Dezember teilweise zerstört wurde.  AFP
Ein Soldat blickt auf ein Hotel in Kiew, das durch eine Attacke am 31. Dezember teilweise zerstört wurde.  AFP