Der große Gehälter-Check: So viel verdient Ihr Bürgermeister, Ihre Bürgermeisterin

Politik / 07.09.2023 • 15:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der große Gehälter-Check: So viel verdient Ihr Bürgermeister, Ihre Bürgermeisterin
Die VN geben einen Überblick, wieviel die Vorarlberger Bürgermeisterinnen und Bürgermeister verdienen.

So hoch sind die monatlichen Brutto-Gehälter der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in jeder Vorarlberger Gemeinde. Oft sind sie zu niedrig, sagt die Politologin.

Bregenz Im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern legt der Bezug von Vorarlbergs Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern jede Gemeindevertretung individuell fest. Die Landesregierung gibt nur – abhängig von der Einwohnerzahl – Unter- und Obergrenzen vor. Doch oft werden die Bürgermeister zu schlecht bezahlt, sagt Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle (FH Kärnten). Ein Beispiel: In Vorarlbergs kleinster Gemeinde, Dünserberg (154 Einwohner), verdient Walter Rauch 2798,94 Euro brutto.

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Pensionskasse und Haftpflicht

Davon sind natürlich Steuern und Abgaben zu bezahlen, oft kommen aber noch speziellere Ausgaben hinzu: „Bürgermeister schließen in der Regel eine private Haftpflichtversicherung für ihre Tätigkeit ab, um bestmöglich abgesichert zu sein“, schreibt der Bludescher Bürgermeister Martin Konzet. Womit wir bei einem der wichtigsten Aspekte des Amtes wären: Der persönlichen Haftung. „Vor der rechtlichen Verantwortung fürchten sie sich“, glaubt Stainer-Hämmerle. In den letzten Jahren hätte sich der Posten deutlich verändert, gar „verrechtlicht“, sagt sie: „Belastet sind sie am stärksten durch die Bürokratie oder durch die Vorgaben, etwa in einem EU-weiten Vergabeverfahren.“

So werden die Gemeindepolitikerinnen und Gemeindepolitiker dieses Landes entlohnt. <span class="copyright">VN/Philipp Steurer</span>
So werden die Gemeindepolitikerinnen und Gemeindepolitiker dieses Landes entlohnt. VN/Philipp Steurer

“Belastet sind die Bürgermeister am stärksten durch die Bürokratie oder durch die Vorgaben, etwa in einem EU-weiten Vergabeverfahren.”

Kathrin Stainer-Hämmerle, Politikwissenschaftlerin (FH Kärnten)

Dieses könne in einer kleineren Gemeinde ohne juristischer Mitarbeiterin schon einmal zur Herausforderung werden. Auch deshalb kooperieren immer mehr Gemeinden miteinander und teilen sich etwa Buchhaltung oder Bauabteilung. Sollte man die Gemeinden dann nicht gleich zusammenlegen? Nein, sagt die Politikwissenschaftlerin den VN: „Es ist eine Identitätsfrage. Und es sollte sowieso mehr Politiker geben als weniger.“ Aber dann müsse man sie eben auch ordentlich bezahlen.

Große Bandbreite

Diese Bezahlung klafft in Vorarlberg kräftig auseinander. Matthias Luger, Bürgermeister in der 285-Seelen-Gemeinde Stallehr kommt monatlich auf 2627,72 Euro und ist damit das am schlechtesten bezahlte Gemeindeoberhaupt des Landes. Am oberen Ende der Fahnenstange befinden sich Michael Ritsch (SPÖ) – Bürgermeister der Landeshauptstadt Bregenz – und Andrea Kaufmann (ÖVP), Bürgermeisterin der größten Stadt: Dornbirn. Beide reizen die Obergrenze von 16.464,38 Euro monatlich im Jahr 2023 vollständig aus, gedeckelt sind die Bürgermeistergehälter in Vorarlberg nämlich mit dem Bezug einer Landesrätin.

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Dass ein Bürgermeister die Obergrenze sogar überragt, ist in Vorarlberg ebenfalls möglich – und völlig legal. In Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern spielen nämlich auch die Anzahl an Gästenächtigungen eine Rolle: Bei mehr als 300.000 zwischen November und Oktober erhöht sich die Obergrenze um 10 Prozent; bei mehr als 800.000 Nächtigungen sogar um 20 Prozent. Davon Gebrauch macht nur ein Gemeindeoberhaupt: Jenes in Lech. Mit 1605 Einwohnern dürfte der Bürgermeister dort, Gerhard Lucian, eigentlich nur maximal 9289,12 Euro monatlich verdienen – dank des Tourismus sind es laut Verordnung aber 12.567,64 Euro brutto. Aus seinem Büro heißt es aber, dass Lucian „auf ca. 15 Prozent seiner Entschädigung verzichtet“, er komme dadurch nur auf einen Brutto-Bezug von 10.761 Euro. Die Nachfrage, wie das möglich ist, wenn doch im Bezügegesetz explizit ein Verzichtsverbot festgeschrieben ist, blieb aber unbeantwortet.

21 bis 40 Wochenstunden

In Gemeinden dieser Größe können dennoch schon relativ früh beachtliche Bezüge erreicht werden. Der Bürgermeister von Doren (1057 Einwohner) etwa, Guido Flatz, kommt laut VN-Berechnungen auf ein Monats-Brutto von 7643,79 Euro; Reinhold Eberle, Bürgermeister von 1898 Einwohnern in Gaißau, auf 8569,88 Euro. Im Schnitt, so Kathrin Stainer-Hämmerle, arbeiten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zwischen 21 und 40 Wochenstunden: „Das ist der größte Teil über alle Gemeinden hinweg. Also in kleinen Ortschaften ist es jetzt kein Full-Time-Job, aber natürlich ist man, wenn man zum Beispiel auf der Straße unterwegs ist oder im Garten Rasen mäht, immer im Amt und wird immer angesprochen.“ Das spricht auch Herbert Bitschnau, Bürgermeister von Tschagguns, an: “Mein Gehalt ist nicht schlecht – aber mein Stundenlohn ist sehr bescheiden.”

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Das könne dann schon auch an die Substanz gehen: „Laut einer Umfrage fühlen sich Bürgermeister am stärksten durch irgendwelche Repräsentationstermine belastet. Durch die Vereinsversammlungen und Feste, die seien sehr zeitraubend”, sagt Stainer-Hämmerle. Und darunter leide die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Nur sechs von 96 Gemeindeoberhäuptern Vorarlbergs sind Frauen.

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