Bischof und Präsident plädieren für mehr Miteinander statt Gegeneinander

Politik / 01.01.2024 • 16:55 Uhr
Bundespräsident Alexander Van der Bellen wünscht in seiner Neujahrsansprache allen Österreicherinnen und Österreichern ein frohes neues Jahr. <span class="copyright">APA</span>
Bundespräsident Alexander Van der Bellen wünscht in seiner Neujahrsansprache allen Österreicherinnen und Österreichern ein frohes neues Jahr. APA

Neujahrsansprachen im Zeichen des Kompromisses und des miteinander Redens.

Wien, Feldkirch Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat in seiner Neujahrsansprache dazu aufgerufen, mehr miteinander und weniger übereinander zu reden. Denn wer sich stets nur in der eigenen Meinung bestätigen lasse, der werde nie zu neuen Erkenntnissen kommen, sagte er – auch mit Blick auf das Superwahljahr 2024. Die Bürger forderte er auf, die wahlwerbenden Parteien zu prüfen, was sie aus den Menschen hervorholen und ob es sich um konstruktive Kräfte handelt. Auch Bischof Benno Elbs wandte sich mit einer Neujahrsansprache an die Öffentlichkeit. Der Jahreswechsel sei eine Zeit des Neuanfangs, sagte Elbs. Neue Anfänge könnten zwar ermüdend sein, aber: “Selbst dann, wenn wir das Gefühl nicht loswerden, dass gar nichts mehr geht, können und dürfen wir immer wieder neu anfangen.”

Dazu brauche es aber drei Dinge, sagt der Bischof. “Wir brauchen die Unterstützung anderer, weil wir unser Leben nicht selbst in der Hand haben, weil wir nicht für uns alleine leben, sondern gemeinsam mit unseren Nachbarn, Arbeitskolleginnen, Freunden, Familienmitgliedern. Wir brauchen die Hilfe Gottes, ohne die wir nichts vermögen.” Neuanfänge seien immer ein Gemeinschaftsprojekt. “Der raue Ton in Gesprächen, in den Medien und in den sozialen Netzwerken und eine, so nehme ich das wahr, zunehmende Ellbogenmentalität belasten das Zusammenleben. Wo auf Spaltung und Abwertung anderer Menschen gesetzt wird, braucht es Gegenbewegungen. Gehen wir deshalb aufeinander zu, aber nicht aufeinander los.”

Bischof Benno Elbs sieht eine zunehmende Ellenbogenmentalität in der Öffentlichkeit, die das Zusammenleben belastet. <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="copyright">L. Breuer</span>
Bischof Benno Elbs sieht eine zunehmende Ellenbogenmentalität in der Öffentlichkeit, die das Zusammenleben belastet.  L. Breuer

Präsident Van der Bellen wünscht sich, dass es uns als Gesellschaft gelingen möge, wieder mehr miteinander zu reden. Und weniger übereinander. “Wir haben uns in den letzten Jahren angewöhnt, uns vor allem mit denen zu unterhalten, die ohnehin derselben Meinung sind wie wir. Und ich glaube, dass das auf Dauer nicht gut für unser Zusammenleben ist.” Und er appelliert: “Lassen Sie uns wieder mehr miteinander reden. Schauen wir, dass wir uns nicht nur in den extremen Rändern unterhalten. Schauen wir doch auch einmal, was sich in der Mitte abspielt.” Um in diese Mitte zu gelangen, müssten sich alle bewegen. Dies sei immer der österreichische Weg gewesen. “Und ich hoffe, dass wir in Zukunft wieder mehr danach handeln”, fährt der Präsident fort.

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Besonders in diesem Jahr werde man die Fähigkeit, miteinander zu reden, brauchen, verwies der Präsident auf die vielen anstehenden Wahlen 2024 – mit der EU-Wahl, der Nationalratswahl, zwei Landtagswahlen und Gemeinderatswahlen. Betreffend der zu erwartenden Wahlkämpfe sagte Van der Bellen, es möge den wahlwerbenden Parteien gelingen, Argumente auszutauschen statt Anschuldigungen – und Ideen statt Verwünschungen. Und es dürfe auch gerne konstruktiv gestritten werden, dabei solle aber niemals der Boden der Vernunft verlassen werden.

An die Bürger richtete er den Wunsch, selbst genau zu prüfen, welche Parteien denn zur Auswahl stehen: “Prüfen und beurteilen Sie die wahlwerbenden Parteien bitte auch danach, was sie aus den Menschen hervorholen. Daran kann man ganz gut erkennen, ob es sich um konstruktive Kräfte handelt oder nicht.” Es werde auch eine Zeit nach der Wahl geben und da sollten alle einander noch in die Augen sehen können.

Bischof Benno Elbs betont: “Wir wissen nicht, wie lange die Kriege noch dauern oder ob es gelingt, das Klima und damit die Zukunft der nächsten Generation zu schützen. Die Probleme des alten Jahres werden uns auch ins neue hineinbegleiten. Es macht aber einen Unterschied, besser: Wir machen einen Unterschied, wenn wir diese ersten Schritte im Vertrauen auf Gott gehen.”