Verhütung könnte in Vorarlberg bald gratis sein

Politik / 06.06.2024 • 15:37 Uhr
Interview Bilanz zwei Jahre Johannes Rauch. Wir treffen uns in der Amazone in Bregenz
Rauch hat in den VN bereits im März erklärt an einem Projekt zu kostenloser Verhütung zu arbeiten. VN/STEURER

Sozial- und Gesundheitsminister Johannes Rauch plant ein Pilotprojekt. Vieles spricht dafür, dass dieses im Land ausgerollt wird.

Schwarzach Hinter einer Termineinladung kann sich mehr verstecken, als man glaubt. In einem aktuellen Fall lädt Sozial- und Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) zur Präsentation des Verhütungsberichts 2024 ein und lässt am Ende des Textes die Bombe platzen. Verhütung wird kostenlos, zumindest im Testlauf und in einer bestimmten Region – Verhütungsberatung inklusive. Der Blick auf die Teilnehmerliste verrät, wo das Ganze umgesetzt werden könnte. So ist der Termin zwar am Montag in der Wiener Urania angesetzt. Neben Johannes Rauch wird aber auch Lea Putz-Erath, Geschäftsführerin des femail Fraueninformationszentrums aus Vorarlberg anwesend sein. Mehr braucht man nicht zu wissen. Die Verantwortlichen halten sich mit einer Aussage noch zurück.

Stolz bin ich darauf, dass ich mich in meiner Familie in eine Folge von starken Frauen einreihen darf. Es macht mich stolz, für die Themen Gleichstellung der Geschlechter, Sichtbarkeit von Frauen und Solidarität eine öffentliche Position einzunehmen und vor allem auch, dass ich mit Kolleginnen im femail zusammenarbeiten darf, die kompetent und unermüdlich Frauen in Vorarlberg stärken. Ich fordere für die Zukunft, dass alle gesellschaftlichen Kräfte systemübergreifend dahingehend wirken, benachteiligende Geschlechterrollenstereotype aufzulösen. Lea Putz-Erath (40), GF Femail Vorarlberg
Lea Putz-Erath von der Vorarlberger Beratungsstelle femail wird bei der Präsentation der Pilotregion mit dabei sein. femail

Vorboten gibt es bereits mehrere. ÖVP und Grüne suggerierten vergangene Woche im sozialpolitischen Ausschuss des Vorarlberger Landtags, an dem Thema dran zu sein. Ein entsprechender Antrag von SPÖ-Klubobfrau Manuela Auer, in dem sie nicht nur verstärkte Aufklärung forderte, sondern auch einen niederschwelligen Zugang zu Verhütung, wurde daher vertagt.

1. Vorarlberger Frauenpreis für Gabriele Sprickler-Falschlunger
Beim ersten Vorarlberger Frauenpreis sprach sich Preisträgerin Gabriele Sprickler-Falschlunger (Mitte) für ein kostenloses Verhütungsangebot aus. Die Landesrätinnen Martina Rüscher (l.) und Katharina Wiesflecker standen der Forderung offen gegenüber.

Die einstige SPÖ-Chefin und Frauenpreisträgerin Gabriele Sprickler-Falschlunger sprach im März bei ihrer Dankesrede zum Frauenpreis das Thema an. Sie würde auch ihr Preisgeld von 4000 Euro zur Verfügung stellen, sollte ein entsprechendes Angebot geschaffen werden. In direkter Reaktion zeigten sich die Landesrätinnen Martina Rüscher (ÖVP) und Katharina Wiesflecker (Grüne) offen für ein Angebot kostenloser Verhütungsmittel. Und auch Johannes Rauch kündigte zum Weltfrauentag an, an mehreren Projekten zur Gesundheit von Frauen zu arbeiten: „Es geht um Menstruationsgesundheit – Stichwort: Endometriose – bis hin zu kostenlosen Verhütungsmitteln“, sagte er unter anderem.

Verhütung als Kostenfrage

„Rund 1,2 Millionen Frauen in Österreich im reproduktiven Alter zwischen 14 und 45 Jahren nützen Verhütungsmittel. Die Wahl des Verhütungsmittels ist in den meisten Fällen noch immer reine Frauensache. Auch die Kosten tragen Frauen oft alleine“, heißt es in der Einladung des Sozial- und Gesundheitsministeriums außerdem. Die Verhütungsmethode sei stark vom Einkommen abhängig. Der erste österreichweite Verhütungsbericht soll einen Überblick zum Thema schaffen. Vieles deutet darauf hin, dass Vorarlberg nun als Pilotregion beweisen kann, ob und wie es am besten funktioniert, Verhütung kostenlos zur Verfügung stellen.