“Es wurde zu lange zugeschaut” – Stefanie Hepberger über ihren Alltag in der Pflege

Politik / 10.10.2024 • 16:45 Uhr
"Es wurde zu lange zugeschaut" - Stefanie Hepberger über ihren Alltag in der Pflege
Stefanie Hepberger schätzt an ihrem Beruf, dass sie Menschen in schwierigen Lebenslagen helfen und Veränderungen bewirken kann. VN/Stiplovsek

Stefanie Hepberger gibt in der VN-Serie “Wähler am Wort” anlässlich der Landtagswahl einen Einblick in ihren Alltag in ihrem Beruf als diplomierte psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflegerin und schildert, was sie sich von der Politik für ihren Berufsstand wünscht.

Feldkirch Pflegekräfte sind unverzichtbar, doch der Alltag in diesem Beruf ist oft eine Herausforderung. Eine, die das aus eigener Erfahrung weiß, ist Stefanie Hepberger. Als diplomierte psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflegerin betreut sie Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen im ambulanten Bereich und berät deren Angehörige. Im Rahmen der Serie “Wähler am Wort” teilt sie ihre Sicht auf die politischen Herausforderungen, die ihren Beruf und ihren Alltag betreffen.

"Es wurde zu lange zugeschaut" - Stefanie Hepberger über ihren Alltag in der Pflege
Stefanie lebt mit ihrem Partner Sandro und dem vierjährigen Sohn Anton in Feldkirch. VN/Stiplovsek

Ursprünglich als Landschaftsgärtnerin ausgebildet, fand sie ihren Weg über die Lebenshilfe in die Pflege – ein Quereinstieg. Nach der Begleitung eines schwerkranken Klienten entschloss sie sich, eine fundierte Ausbildung in der psychiatrischen Pflege zu machen. „Ich wollte nicht nur unterstützen, sondern auch medizinisch und pflegerisch gut ausgebildet sein,“ erinnert sich die 41-Jährige. Ihre beruflichen Stationen führten sie vom Heilpädagogischen Zentrum Carina, wo sie im Kinder- und Jugendbereich tätig war, bis ins Landeskrankenhaus Rankweil.

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"Es wurde zu lange zugeschaut" - Stefanie Hepberger über ihren Alltag in der Pflege
„Meine Sorge ist, dass mit konservativen Kräften die Gleichstellung zurückgedrängt wird”, erzählt Stefanie Hepberger im Gespräch mit den VN. VN/Stiplovsek

Heute ist die Feldkircherin diplomierte psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflegerin im ambulanten psychiatrischen Bereich. Ihr beruflicher Alltag besteht aus Hausbesuchen, der Betreuung von Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen sowie Beratungsgesprächen mit deren Angehörigen. Trotz der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit sieht sie deutliche Herausforderungen: „Es gibt immer weniger langjährige Fachkräfte. Viele haben den Beruf gewechselt oder sind in Pension.“ Der Personalmangel wirkt sich durch den daraus resultierenden Zeitmangel auf die Qualität der Arbeit aus, besonders im stationären Bereich.

"Es wurde zu lange zugeschaut" - Stefanie Hepberger über ihren Alltag in der Pflege

Die Reform der Pflegeausbildung sieht sie kritisch. Der akute Fachkräftemangel sei ein seit Jahren schleichender Prozess, der nicht frühzeitig angegangen wurde. „Es wurde zu lange zugeschaut, und jetzt steht man vor einem riesigen Problem“, bemängelt sie. Auch wenn die Pflege durch die Coronapandemie stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt ist, wünscht sie sich, dass die gesellschaftliche Wertschätzung für die Pflege noch weiter gestärkt wird. “Die Menschen sollten sich aber auch ihrer Eigenverantwortung in Bezug auf ihre Gesundheit mehr bewusst werden.”

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Beruflich und im Alltag ist die 41-Jährige mit dem Rad unterwegs. VN/Stiplovsek

Neben ihrem Beruf als Pflegerin beschäftigt Stefanie auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Einen Betreuungsplatz für ihren heute vierjährigen Sohn Anton war schwierig zu bekommen. „Es gibt in Feldkirch kaum Plätze in der Kleinkindbetreuung. Da mein Partner selbstständig ist, bin ich gezwungen, Teilzeit zu arbeiten“, erzählt sie. Auch der Wechsel zwischen verschiedenen Betreuungseinrichtungen in den Ferien sei für die Kinder eine Belastung.

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Sorge vor konservativen Kräften

Stefanies Wünsche an die Politik sind klar: „Wir brauchen mehr flexible Betreuungsangebote und müssen den Pflegeberuf attraktiver machen – auch für Männer. Es sollte nicht sein, dass Frauen automatisch in Teilzeit gedrängt werden, weil es keine verlässliche Betreuung gibt.“ Besorgt ist die Feldkircherin über die gesellschaftliche und politische Entwicklung: „Meine Sorge ist, dass mit konservativen Kräften die Gleichstellung zurückgedrängt wird. Wir müssen sicherstellen, dass Männer genauso bestärkt werden, sich um die Kinderbetreuung zu kümmern. Berufe wie die Pflege oder die Pädagogik sollen für beide Geschlechter attraktiv gemacht werden.“

"Es wurde zu lange zugeschaut" - Stefanie Hepberger über ihren Alltag in der Pflege
VN/Stiplovsek

Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl hofft sie auf Veränderungen, die sowohl ihr persönliches als auch das berufliche Leben erleichtern.

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Zur VN-Serie “Wähler am Wort”

In der Serie „Wähler am Wort – was uns wichtig ist“ kommen Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen zu Wort, die ihre Sichtweisen, Sorgen und Wünsche an die Politik vor der Landtagswahl in Vorarlberg schildern. Die VN sprachen dabei mit Menschen wie:

  • Junge Menschen wie Sebastian Muxel, der über die angespannte Wohnsituation im Land spricht.
  • Ärztinnen und Ärzte, wie Dr. Ruth Krumpholz, die die Herausforderungen in den Krankenhäusern beschreibt.
  • Pflegekräfte, darunter Stefanie Hepberger, die aus ihrem Alltag in der psychiatrischen Pflege berichtet.
  • Lehrkräfte, die über die Probleme im Bildungssystem und den Lehrermangel sprechen.
  • Alleinerziehende, die über ihre finanziellen und familiären Herausforderungen berichten.
  • Gastronomen wie Gabriel Venturiello, der die aktuellen Schwierigkeiten in der Gastronomie beleuchtet.
  • Handwerker, die den bürokratischen Aufwand und Fachkräftemangel in ihrer Branche thematisieren.
  • Kindergartenpädagoginnen, wie Eva Hofer, die die Herausforderungen im Bereich der Kinderbetreuung aufzeigen.

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