“Das ist kein Fair Play” – Oppositions-Ärger über Bestellung des neuen Tourismuschefs

Die Arlberggemeinde darf sich auf einen neuen Tourismuschef freuen, seit vergangener Woche ist die Benennung von Christoph Brunner bekannt. Doch es gibt Kritik am Bestellvorgang des Tirolers.
Lech Seit vergangener Woche ist fix, dass Christoph Brunner neuer Tourismusdirektor in Lech wird. Doch für die Opposition mehren sich Anzeichen, dass es bereits vor dem abschließenden Hearing fixiert wurde.

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Das Problem ist dabei weniger die Person: Der 37-jährige Brunner war bislang Marketing- und Kommunikationsleiter des Tiroler Landestheaters. In Innsbruck herrschte die vergangenen Monate ein offener Machtkampf zwischen Intendantin Irene Girkinger und kaufmännischem Direktor Markus Lutz, nachdem im ersten Arbeitsjahr Girkingers hunderte Abos gekündigt wurden. Die Tiroler Tageszeitung thematisierte den Konflikt, die Landespolitik mischte sich daraufhin ebenfalls ein; wenig verwunderlich, dass sich Brunner nach ruhigeren Gewässern umschaute. Bei Lech Zürs Tourismus erwartet ihn ein Schuldenberg, ein zu oft leer stehender Veranstaltungssaal in den Lechwelten und Gemeinde- statt Landespolitik. Im Vergleich dürfte dies nach dem besseren Los klingen, bei dem ihm die Erfahrungen der vergangenen Monate gute Dienste leisten dürften.
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Hinterzimmer statt offener Prozess?
Nach der Wahl lobte sich die Gemeinde Lech selbst für den transparenten und mehrstufigen Auswahlprozess mit 43 Bewerbern. Es folgte ein Hearing von vier Kandidaten vor dem Tourismusbeirat, die zwei Wunschkandidaten mussten sich stundenlang den Fragen von Beirat und Gemeindevertretung stellen. “Quasi direkt nach der Fragerunde wurden wir aufgefordert, auf Basis unserer höchstpersönlichen Meinung abzustimmen”, vermisste Thomas Eggler von “Unser Dorf”, Mitglied des Tourismusbeirats, eine breite Diskussionsrunde. Mit 19 zu 7 Stimmen gewann Brunner.

Nun hat die Opposition Hinweise auf ein Gesprächstreffen handverlesener Stimmberechtigter im Vorfeld, sie kritisiert diesen Umgang mit Informationen als schlechten Stil für die Gemeindepolitik. Es entstehe der Eindruck von Absprachen abseits des offiziellen Ablaufs, wirke wie eine Entscheidung aus politischen statt sachlichen Überlegungen. Natürlich gab es für beide Kandidaten Für und Wider und unterschiedliche Sichtweisen, betont Eggler: “Aber ohne Diskussionsrunde vor der Abstimmung weiß ich nicht, aus welchen Gründen sich die Mehrheit für einen der Kandidaten entschied.” Denn für den zweiten Kandidaten sprach etwa die Erfahrung und gute Vernetzung im Veranstaltungsmanagement, die mit Blick auf die Lechwelten ebenfalls wertvoll gewesen wären.

“Das ist kein Fair Play gegenüber den Gemeindevertretern und der Bevölkerung”, betont Brigitte Finner von der Fraktion “Zukunft wagen”. Durch diese Vorab-Sitzung hatten manche Vertreter mehr Vorbereitungszeit, mehr Austausch- und Recherchemöglichkeiten. Sie kritisiert dabei nicht die getroffene Wahl, sondern wie diese gefühlt wieder im Hinterzimmer getroffen wurde. “Dieser Umgang mit Informationen erschwert nicht nur unsere Arbeit als Gemeindevertreter, sondern macht diese für die Gemeinde auch weniger nachvollziehbar”, betont die Oppositionspolitikerin.
Widerspruch des Bürgermeisters

Bürgermeister Gerhard Lucian kann die Kritik nicht nachvollziehen. Die Abstimmung nach dem Hearing war digital und anonym, es habe durchaus den Raum für Diskussionen untereinander vor der Abstimmung gegeben. Es sei legitim, dass sich einzelne Vertreter vorher besprechen, eine organisierte Absprache abseits den Mitglieder des ersten Hearings bestreitet Lucian. Bereits nach dem Hearing vor dem Tourismusbeirat sei Brunner mit Abstand vorn gelegen, daher überrascht ihn das Endergebnis nicht.