“Die Bäume schaffen diese Hitze nicht mehr”

Dornbirn modernisiert die Moosmahdstraße mit dem Schwammstadtprinzip, um Folgen des Klimawandels, wie Hitze und Trockenheit, effektiver entgegenzuwirken.
Dornbirn Eine Verkehrsachse wird klimafit. In Dornbirn fasste die Stadtvertretung vor wenigen Wochen den Baubeschluss einer Rundumerneuerung der rund einen Kilometer langen Moosmahdstraße. Baustart ist Anfang kommenden Jahres, die Fertigstellung Ende 2027. Der Clou: Die Straße wird nicht nur renoviert, sondern wird die Folgen des Klimawandels mildern. Durch “Schwammstädte für Bäume” werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das Stadtgrün wird mit Feuchtigkeit versorgt und die Kanalnetze entlastet.
Das Schwammstadtprinzip wurde vor Jahrzehnten in Skandinavien als “Stockholm-System” entwickelt und ist so simpel, wie effektvoll. “Das Regenwasser versickert nicht mehr nur im Kanal, sondern wird in der Grünfläche gespeichert”, erklärt Raumplanerin Andrea Weninger, Geschäftsführerin bei Rosinak&Partner. Die Schwammstadt für Bäume sei die Zukunft für hitzegeplagte Zentren und Stadtteile. Aufgrund des Klimawandels kommt es zu einer immer unregelmäßigeren Verteilung der Niederschläge. Auf längere Trockenperioden folgt massiver Regen, der Überschwemmungen auslösen kann. “Das wertvolle Regenwasser muss im Boden gespeichert werden, da die Sommer viel heißer und trockener werden”, erklärt Weninger.

“Die Bäume überleben die Hitze nicht mehr”
Die Hitze und Trockenheit setzt den Bäumen immer mehr zu, wie Weninger ausführt: “Die Wurzelräume sind mittlerweile oft zu klein. Die Bäume schaffen das mit der großen Hitze nicht mehr und haben immer kürzere Lebenszeiten. Bäume sind aber auch teuer und wir müssen ja viele Jahre warten, bis sich so ein Baum entwickelt hat.” Konkret werden einige Maßnahmen kombiniert, um den Bäumen bessere Bedingungen zu bieten: Der Untergrund wird mit zusätzlichem Wurzelraum, Belüftung, Regenwasserzufuhr und einer Schicht aus grobkörnigem Schotter optimiert. “Kleine Löcher zur Bewässerung, Tiefbeete, Rigolen und Mulden sind weitere bauliche Maßnahmen, damit sich das Wasser anreichern kann”, schildert Weninger. Im Winter gibt es unterschiedliche Lösungen, damit kein Salz in den Grünraum gelangt. “Die Landschaftsarchitekten sind hier sehr kreativ.”

Richtiger Zeitpunkt für Klimamaßnahmen
Die Diskussion über Schwammstädte nimmt zu, nicht nur in Vorarlberg. Das hat einen praktischen Grund: In ganz Österreich hat die Infrastruktur, insbesondere Straßen, ein gewisses Alter erreicht. “Man hat ja eigentlich selten die Möglichkeit, eine Straße komplett anzugreifen”, sagt Weninger. Die Kombination von Klimamaßnahmen und Straßen- und Kanalsanierung wird derzeit im Projekt „Kluge Straße“ im Rheintal – gemeinsam mit der Schweiz und Liechtenstein – erprobt. Anstatt also nur die oberste Schicht zu erneuern, kann sich das Nachdenken über ein gesamtheitliches Konzept lohnen. So war es auch in Dornbirn. Der Grund, wieso die Straße ursprünglich aufgerissen werden musste, ist der schlechte Zustand des Kanalsystems. Der neue Bürgermeister, zuvor bereits Vizebürgermeister und Tiefbaustadtrat, Markus Fäßler, berichtete, dass zusätzlich Leitungen für Wasser, Gas, Strom und Telekommunikation erneuert und ergänzt werden. Tempo 30, breitere Gehsteige und attraktive Vorzonen für Geschäfte sollen die Geschäftsstraße in Dornbirn zusätzlich aufwerten. Auch die benachbarte Steggasse wird in die Erneuerung miteinbezogen und damit die Verbindung zum Grünraumkorridor der Dornbirner Ach gestärkt.
9,3 Millionen Euro Kosten
So eine gesamtheitliche Planung betrifft aber in der Regel Zentren, denn sie ist teuer. “Daher muss man sich gut überlegen, wo eine Schwammstadt sinnvoll ist. Aber überall dort, wo man möchte, dass sich Menschen aufhalten, flanieren und verweilen, passieren solche Dinge wie das Schwammstadtprinzip”, sagt die Raumplanerin. Zudem werde die Bevölkerung immer älter. “Daher wird es immer wichtiger – nicht nur für die Kinder – Freiflächen zu schaffen”, sagt Weninger. Was erfahrungsgemäß Widerstand hervorruft: Meist verschwinden einige Stellplätze.
Die Gesamtkosten für die Rundumerneuerung der Moosmahdstraße sollen sich auf rund 9,33 Millionen Euro belaufen. Das inkludiere einen “Risikopuffer für unvorhergesehene Folgekosten”, informiert die Stadt. Ein Teil der Summe wird durch Fördermittel abgedeckt, unter anderem aus dem kommunalen Investitionsprogramm (KIP) und der „klimaaktiv mobil“-Förderung.