Österreich ist MRT-Europameister

In keinem anderen Land werden mehr MR-Untersuchungen durchgeführt als in Österreich. Kapazität wäre trotzdem noch vorhanden.
Schwarzach Dornbirn ist Spitzenreiter. Laut dem offiziellen MRT/CT Wartezeitenmonitoring der Sozialversicherung muss man in Dornbirn aktuell 63 Tage auf einen MRT-Termin warten. Die Wartezeiten in Vorarlberg sind insgesamt überdurchschnittlich, aber so lange wie in Dornbirn warten Patientinnen und Patienten in ganz Österreich nicht. Außer natürlich, die Betroffenen legen privat etwas drauf, entweder in Form einer Zusatzversicherung oder Cash. Das hat viele Gründe (die VN berichteten). Einer davon: Nirgends gibt es außerhalb der Krankenhäuser so viele MRT-Termine wie in Österreich.
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Das zeigt das offizielle OECD-Monitoring. In Österreich kamen im Jahr 2022 auf 1000 Einwohner 381 CT-, MRT- oder PET-Untersuchungen. Mehr als jeder dritte Österreicher hatte also eine dieser drei Untersuchungen. Das liegt an den MRT. Während etwa in Frankreich, Lettland und Litauen mehr CT-Untersuchungen durchgeführt werden, liegt Österreich mit 163,4 MRT-Untersuchungen pro 1000 Einwohnern an der Spitze, gefolgt von Deutschland mit 155,6. Der EU-Schnitt beträgt 86 MRT-Untersuchungen auf 1000 Einwohner.
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Das kostet natürlich Geld. Im Jahr 2023 gab die ÖGK nur für den Bereich CT und MRT 207,3 Millionen Euro aus. Pro MRT zahlt die ÖGK durchschnittlich zwischen 156,59 und 166,7 Euro an die Institute. Institute verdienen allerdings nicht für jeden Patienten gleich viel. Ab einer bestimmten Zahl sinkt das Honorar stufenweise, erklärt die ÖGK-Pressestelle auf VN-Anfrage. Die ÖGK möchte die Termine genauer koordinieren, um den Engpass zu verringern. Da geht es darum, die Termine mittels Ampelsystem nach Dringlichkeit zu sortieren. “Die Systeme orientieren sich an der radiologischen Orientierungshilfe und sollen in den Zuweisungsprozess integriert werden”, heißt es zu den VN. Also: Man möchte bereits festgelegte Kriterien für die Vergabe von MRT-Untersuchungen mit einfließen lassen. Außerdem soll die Terminvergabe zukünftig digital erfolgen. “Die Sozialversicherung bereitet derzeit die elektronischen Systeme für die digitale Zuweisung vor und wird dazu in Kürze Abstimmungsgespräche mit den Interessenvertretungen und Fachgesellschaften aufnehmen.”
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Ein weiterer Punkt, weshalb sich der Engpass immer weiter zuspitzt, ist die Unterscheidung zwischen den Systemen. Es gibt Geräte, die Kassenpatienten zur Verfügung stehen, die stehen allerdings zum Teil in den Spitälern und werden dort für externe nicht verwendet. In Vorarlberg gibt es laut Großgeräteplan neun MRT-Geräte für Kassenpatienten, davon stehen vier in Krankenhäusern. Die sind laut Krankenhausbetriebsgesellschaft zu 75 Prozent ausgelastet. “Jährlich werden in den Vorarlberger Landeskrankenhäusern rund 8000 MRT-Untersuchungen durchgeführt”, heißt es auf VN-Anfrage. Laut Radiologe Herbert Vonbank führen die Praxen im niedergelassenen Bereich mit der zweiten Hälfte der Geräte rund 35.000 Untersuchungen pro Jahr durch.
Die KHBG betont, dass die MRT-Geräte in den Spitälern der Akutversorgung von Spitalspatienten dienen. “MR-Untersuchungen für Krankenhauspatienten werden am selben oder folgenden Tag durchgeführt. Wartenzeiten gibt es bei Untersuchungen, die nicht akut notwendig sind. Darauf hingewiesen werden muss, dass diese ebenfalls im niedergelassenen Bereich durchgeführt werden könnten.”
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Dass Kassenpatienten die freie Kapazität in den Spitälern nicht nutzen können, liegt auch an der Finanzierungsstruktur im österreichischen Gesundheitssystem. Während im niedergelassenen Bereich die ÖGK bezahlt, ist für die Spitäler das Land zuständig. ÖGK und Land haben gemeinsam mit der Bundesregierung in einer Kommission zudem festgelegt, dass es für Kassenpatienten acht Großgeräte in Vorarlberg braucht. Neun sind es derzeit. Insgesamt stehen aber 13 Geräte im Land. Die anderen vier dürfen ausschließlich Privatpatienten benutzen. Diese Geräte sind in der Regel ungefähr zur Hälfte ausgelastet. Kapazitäten für die meisten MRT-Untersuchungen Europas wäre also noch vorhanden.