Asylquartier Nenzing ganz oben auf der Schließungsliste

Wien bemängelt Kapazität bei Erstaufnahmezentren für Ukrainer. In Vorarlberg wäre Platz. Sollten irgendwann Quartiere geschlossen werden, wäre aber genau dieses Erstaufnahmezentrum unter den ersten.
Wien, Bregenz In der Tennishalle in Nenzing wird längst kein Tennis mehr gespielt. Das private Unternehmen ORS betreut in der Halle ukrainische Kriegsvertriebene. Das Quartier erfüllt eine besondere Aufgabe: Es ist eines von derzeit zwei Erstaufnahmezentren für Ukrainer in Österreich. Das andere befindet sich in Wien. Während der Chef der Bundesbetreuungsagentur (BBU) Andreas Achrainer auf Ö1 kürzlich Alarm schlug, dass es zu wenig Plätze gibt, ist in Vorarlberg selbst eine Schließung ein Thema.
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BBU-Chef Achrainer betont: Bei der Ankunft von Vertriebenen aus der Ukraine kommes zu Kapazitätsproblemen; eben bei der ersten Phase, nämlich der Registrierung. Vor allem das Quartier in Wien platze langsam aus allen Nähten. Der zuständige Stadtrat Peter Hacker droht deshalb mit einer Schließung. In Vorarlberg sieht die Sache anders aus. 95 leere Betten befinden sich im Nenzinger Quartier, derzeit sind laut Auskunft des Landes 55 Betten besetzt. Im Landhaus kursieren bereits Gerüchte, wonach dieses Quartier bald geschlossen werden soll.

Der zuständige Landesrat Daniel Allgäuer bestätigt diese Gerüchte nicht. Derzeit gebe es keine konkreten Pläne, dass Asylquartiere geschlossen werden. Er betont jedoch: “Sollte es zu Schließungen kommen, wäre die Tennishalle Nenzing sicher eines der ersten Quartiere, dass geschlossen werden würde. Vermieter und Betreiber wurden im Vorfeld schon darüber informiert. Aber es ist nichts fixiert bzw. terminisiert.” Derzeit warte man die Entwicklungen ab. “Die Zahlen der Asylwerber bewegen sich derzeit eher seitwärts bzw. sind sinkend. Natürlich weiß keiner, was die Zukunft bringt”, sagt der Landesrat.
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BBU-Chef Achrainer ärgert sich indes: Die Bereitschaft der anderen Bundesländer, Neuankömmlinge aufzunehmen, die in größeren Familienverbänden eintreffen, sei “enden wollend”. Er appelliert an alle Bundesländer, Plätze zur Verfügung zu stellen und wenn es auch nur wenige seien. Ansonsten drohe Obdachlosigkeit.
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Wiens Stadtrat Hacker sagt, es sei ärgerlich, wenn sich die anderen Bundesländer außer Wien und Vorarlberg entspannt zurücklehnten und sich auf gute Ratschläge beschränkten. Wenn auch der Innenminister nichts tue, werde man eben auch das Zentrum in Wien schließen. Für Hacker ist unglaublich, dass 600 Kilometer entfernt Krieg herrsche und die anderen Bundesländer und der Innenminister so täten, als müssten sie sich mit den geflüchteten Menschen nicht beschäftigen.
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Laut Auskunft der BBU auf APA-Anfrage sind zuletzt monatlich in etwa 1000 bis 1200 Vertriebene aus der Ukraine neu in Österreich angekommen. Insgesamt sind in der Grundversorgung etwa 33.400 Bürger aus dem Land untergebracht. In Vorarlberg sind es 1362 Personen.