Quereinstieg als Lehrer: “Die ersten Jahre sind für alle hart”

Politik / 09.09.2025 • 13:31 Uhr
Quereinstieg als Lehrer: "Die ersten Jahre sind für alle hart"
Nicht nur für viele Kinder begann diese Woche ein neues Kapitel. In Vorarlberg starten 62 Quereinsteiger durch. APA

Der Trend zum Quereinstieg im Lehrberuf nimmt zu, wie aktuelle Zahlen der OECD zeigen. Ein Direktor erzählt, wie es funktionieren kann.

Wien, Dornbirn „Die ersten Jahre sind für alle hart, man lernt viel. Da muss man sich auch mal eine blutige Nase holen – das geht auch Leuten so, die Lehramt studiert haben“, sagt Christoph Hämmerle, Direktor der Mittelschule Dornbirn Markt. Drei Quereinsteiger arbeiten derzeit an seiner Schule, insgesamt gibt es rund 30 Lehrpersonen. Mit Quereinsteigern habe er gute Erfahrungen gemacht, sagt Hämmerle. Ein Trend, der österreichweit zunimmt, wie die aktuelle OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ zeigt: Der Anteil an Lehrkräften ohne klassische Ausbildung ist gestiegen.

Quereinstieg als Lehrer: "Die ersten Jahre sind für alle hart"

2014/15 unterrichteten in Volksschulen 1,2 Prozent und in der Sekundarstufe 3,1 Prozent nicht fertig ausgebildete oder nicht ausgebildete Lehrer. Dazu zählen Lehramtsstudierende und Quereinsteiger. 2022/23 – dem Jahr mit dem größten Lehrermangel – waren es bereits 5,3 Prozent bzw. 6 Prozent.

Die OECD-Bildungsstudie analysiert und vergleicht Daten aus den 38 OECD-Ländern sowie Argentinien, Brasilien, Bulgarien, China, Indien, Indonesien, Kroatien, Peru, Rumänien, Saudi-Arabien und Südafrika.

Kein Sprung ins kalte Wasser

An der MS Dornbirn werden Quereinsteiger gezielt unterstützt. Jeder Neuling bekommt eine Mentorin oder einen Mentor. Schon im Frühjahr stellt Hämmerle den Kontakt her, lädt zum Hospitieren ein und organisiert Treffen mit zukünftigen Kolleginnen und Kollegen, auch in den Sommerferien. So könne man Sicherheit aufbauen. In der Woche vor Schulstart finden Einführungskurse statt – etwa zu Elternarbeit oder Unterrichtsvorbereitung.

Viele Quereinsteiger kommen aus der Erwachsenenbildung, ihnen ist Wissensvermittlung nicht fremd. Aber auch wer noch wenig Unterrichtserfahrung mitbringt, kann erfolgreich sein, sagt Hämmerle: „Das hängt stark von der Person ab. Viele sind hochqualifiziert, bringen Lebenserfahrung mit und wissen, worauf sie sich einlassen.“ Die Entscheidung zum Quereinstieg werde meist sehr bewusst getroffen, die neuen Lehrkräfte seien motiviert. Immerhin würden sie meist auch ihren alten Job kündigen, das überlege man sich gerade heutzutage gut.

Auch für OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher ist die Entwicklung positiv, solange Qualitätssicherung gewährleistet ist: „Die Erstausbildung wird oft überschätzt.“ In England würden sich Schulen häufig gezielt für Quereinsteiger entscheiden – deren Vorteile überwiegen, sagt Schleicher.

Im Volksschulbereich sei der Einstieg schwieriger, da hier stärker pädagogische und weniger fachliche Kenntnisse gefragt sind. Dennoch gebe es erfolgreiche Beispiele. In Österreich ist der Quereinstieg derzeit nur für die Sekundarstufe möglich, Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) plant aber eine Ausweitung. In Wien läuft dazu seit diesem Schuljahr ein Pilotprojekt.

Quereinstieg wird begrenzt

Für das Schuljahr 2025/26 bewarben sich laut Ministerium 2000 Quereinsteiger, rund 5000 sind bereits zertifiziert. In Vorarlberg begannen mit diesem Schuljahr 62 Quereinsteiger und 111 Personen mit Sondervertrag neu an den Schulen.

Es gibt jedoch Änderungen durch das Bildungsministerium: Die Zertifizierungen werden künftig österreichweit auf 500 pro Jahr beschränkt, Mangelfächer wie Deutsch, Englisch, Mathematik, Sport und Informatik bevorzugt. Außerdem gibt es künftig nur noch ein Bewerbungsfenster im November. Quereinsteiger erhalten einen regulären Vertrag und absolvieren berufsbegleitend ein Studium an einer Pädagogischen Hochschule.

Christoph Hämmerle Direktor
Direktor Christoph Hämmerle hat gute Erfahrungen mit Quereinsteigern an der Mittelschule gemacht. Wichtig ist eine gute Begleitung beim Einstieg. MS Dornbirn Markt

Die Last auf mehreren Schultern verteilen

Mittelschuldirektor Hämmerle ist offen für mehr Quereinsteiger, “wenn der Bedarf da ist.” Er ergänzt: “Mir ist es lieber, mein komplettes Kollegium hat im Schnitt nicht so viele Überstunden und das ganze System wird von mehreren Schultern getragen.” Das sei für alle “gesünder”.