Heike Eder: “Vorarlberger tun sich nicht schwer, zur Sache zu kommen”

Die vier neuen Nationalratsabgeordneten aus Vorarlberg blicken auf ihr erstes Jahr im Hohen Haus zurück.
Wien Es war auch für Politikerinnen und Politiker kein einfaches Jahr. Der Sparzwang nimmt viel Gestaltungsspielraum. Davon können vier Personen aus Vorarlberg berichten, die in der aktuellen Legislaturperiode in den Nationalrat eingezogen sind. Heike Eder (ÖVP) macht den Anfang der VN-Serie und zieht Bilanz. Für die 37-Jährige ist das politische Parkett in Wien kein Neuland, zuvor war sie im Bundesrat.
Der erste auffällige Unterschied: Die Redezeit ist nun viel kürzer. Im Bundesrat stehen zehn Minuten zur Verfügung, im Nationalrat spricht man zwei bis drei. “Man muss schneller zur Sache kommen, wobei ich das Gefühl hätte, dass wir Vorarlberger uns damit nicht so schwer tun“, sagt Eder. Neu ist auch ihre Sprecherfunktion, die es im Bundesrat nicht gibt. Sie ist für den Bereich Inklusion zuständig und verfolgt die Debatten zu Einsparungen im Sozialbereich auf Bundes- wie Landesebene aufmerksam. “Ich habe das Gefühl, dass sie behutsam passieren.”

10.000 Schritte durch das Hohe Haus
Die finanzielle Lage sei herausfordernd, räumt sie ein, doch ihr Blick ist pragmatisch: „Ich kenne eigentlich nur politische Ausnahmezustände. Seit meinem Quereinstieg 2019 in den Bundesrat ist Corona ausgebrochen, dann das Attentat in Wien, jetzt Wirtschaftsabschwung, Finanzkrise.“ Sie ergänzt: „Ich komme vom Sport. Da ist man es gewohnt, sich den Gegebenheiten anzupassen.“
Sport prägte Eders Leben früh. Mit fünf Jahren begann sie, sich für Skisport zu begeistern. Ein Trainingssturz beendete 2006 vorerst ihre Karriere: Sie verletzte sich an der Wirbelsäule. Später kehrte sie im Behindertensport zurück und feierte große Erfolge, darunter Bronze bei den Winter-Paralympics 2018. Heute kann Eder wieder gehen, sie benutzt zwei Krücken. Diese Erfahrung schärft ihren Blick für Barrierefreiheit. Während der Renovierung des Hohen Hauses seien viele wichtige Punkte umgesetzt worden. Doch: Auf etwa 10.000 Schritte kommt Eder an einem durchschnittlichen Parlamentsarbeitstag. „Die Wege sind riesig. Das ist schon anstrengend für mich so ein Tag. Aber ich betätige mich ja gerne sportlich“, sagt sie lachend.
Auch beim Reisen kennt Eder die Hürden. Ihr Lebensmittelpunkt bleibt für die zweifache Mutter Zwischenwasser, das Pendeln nach Wien ist Alltag. „Wenn es sich ausgeht, dann fliege ich. Da ich eine Behinderung habe, ist es für mich die angenehmste Variante zu reisen“, erklärt sie.

Bürokratische Vereinfachungen
Hürden gibt es bekanntlich auch finanzieller Natur. „Aktuell müssen kleinere Brötchen gebacken werden“, sagt Eder. Dennoch: „Allgemein haben wir ein ambitioniertes Regierungsprogramm, was das Thema Inklusion anbelangt. Wir haben noch viel vor.“ Stolz ist sie auf den One-Stop-Shop für Hilfsmittel und Heilsbehelfe, der einstimmig beschlossen wurde. Künftig soll es pro Bundesland einen Ansprechpartner geben. „Wer zum Beispiel einen Rollstuhl benötigt, musste bislang in Vorarlberg vier Anträge stellen. Das ist für Menschen, die vielleicht gerade frisch verunfallt und in einer besonderen Lebenssituation sind, eine zusätzliche Belastung“, erklärt sie.
Ein weiteres gelungenes Projekt betrifft die Lehrerausbildung: Ein vertiefendes Modul für inklusiven Sportunterricht wurde ebenfalls einstimmig beschlossen. „Kinder mit Behinderung sitzen nach wie vor in der Turnhalle am Rand, weil Sportlehrer nicht wissen, wie sie die Kinder inkludieren sollen.“
Sichtbar sein
In der ÖVP gibt es mittlerweile drei Abgeordnete mit Behinderung. „Es ist wichtig, dass wir auch im Parlament vertreten sind. Das war für mich auch die Motivation, das Angebot, in die Politik zu gehen, anzunehmen.“
