Iraner geht für seine Landsleute auf die Straße: “Dieses Mal ist es anders, das Regime wird stürzen”

Politik / 15.01.2026 • 14:25 Uhr
Iraner geht für seine Landsleute auf die Straße: "Dieses Mal ist es anders, das Regime wird stürzen"
Benjamin Davoodi im VN-Gespräch bei Vorarlberg Live.

Benjamin Davoodi organisiert eine Demonstration für seine iranischen Landsleute in Bregenz. Er hofft auf ein Ende des Mullah-Regimes.

Schwarzach Die iranische Bevölkerung ist bereit, Geschichte zu schreiben. Denn diesmal ist es anders, ist Benjamin Davoodi überzeugt. Als die Menschen im Iran 2024 auf die Straße gingen, hegte er wenig Hoffnung auf eine Änderung im Land. Nun ist die Hoffnung groß. Das islamistische Mullah-Regime könnte endgültig gestürzt werden. Der Iraner Davoodi kam 2017 als Flüchtling nach Vorarlberg und arbeitet mittlerweile in einem Bregenzer Heim als Pfleger. Die Sorge um seine Heimat hat der 28-Jährige allerdings nie verloren, weshalb er am Freitag ab 18 Uhr eine Demonstration in Bregenz organisiert. Aus Solidarität zu seinen Landsleuten im Iran.

Iraner geht für seine Landsleute auf die Straße: "Dieses Mal ist es anders, das Regime wird stürzen"
Überbleibsel einer Demo-Nacht in Teheran. Wie sehr die Bilder vom Regime forciert werden, ist unklar. AFP

Die Anti-Regierungs-Proteste im Iran hatten vor zwei Wochen begonnen. Sie entzündeten sich zunächst an der schlechten Wirtschaftslage, richteten sich dann aber vor allem gegen die Staatsführung. Die Behörden gehen brutal gegen die Demonstrierenden vor. Die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) geht von bisher mindestens 3500 getöteten Demonstrantinnen und Demonstranten aus. Mehr als 10.000 Menschen wurden demnach im Zuge der Massenproteste festgenommen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Davoodi ist überzeugt, dass die Zahl um ein Vielfaches höher ist. “Ich kenne das Regime. Es geht sogar in Krankenhäuser und holt die Menschen ab, die nach den Demonstrationen verletzt behandelt werden. Sie landen im Gefängnis oder erhalten die Todesstrafe.” Auch er hat regelmäßig mit dem Regime zu tun. “Ich bekomme immer wieder anonyme Anrufe, auch aus dem Iran. Natürlich habe ich dann ab und zu kurz Angst.” Aber er müsse für die Menschen im Iran einstehen und etwas tun. Andere würden sich nicht trauen, ihr Gesicht bei Demonstrationen zu zeigen. “Viele fürchten um ihre Freunde und Familien im Iran. Manche fliegen auch in den Iran in den Urlaub, was gefährlich wird, wenn sie bei einer Demo fotografiert werden und die Fotos bei der Botschaft landen”, zeigt er Verständnis. “Aber dieses Mal wird das nicht passieren”, gibt er sich kämpferisch. Weil das Regime früher oder später stürzt.

Iraner geht für seine Landsleute auf die Straße: "Dieses Mal ist es anders, das Regime wird stürzen"
Leichensäcke von Demonstranten im Iran. Bilder, die offenbar auch vom Regime verbreitet werden, um die Angst zu schüren.AFP

Die Herrschaft im Iran sei auf Angst aufgebaut. Angst als ständiger Begleiter. Dennoch gehen derzeit viele Menschen auf die Straße, auch weil die Führung nichts für die Bevölkerung tue. “Sie geben das Geld lieber für Kontrolle aus. Es wurde zum Beispiel ein Kamerasystem aufgebaut, das erfasst, ob Frauen ohne Kopftuch Auto fahren. Falls sie gesehen werden, bekommen sie direkt eine Strafe, beim zweiten Mal ist der Führerschein weg. Dieses Geld hätte auch für die Bevölkerung investiert werden können.” Davoodi hat noch ein Beispiel: “Wofür braucht die Bevölkerung eine Atombombe? Sie braucht etwas zu essen!”

Dass Donald Trump sich einmischt und der Bevölkerung Unterstützung zugesichert hat, sieht Davoodi positiv. “Es mag erschreckend klingen, aber Donald Trump ist die letzte Hoffnung. Die Menschen im Iran sind nicht bewaffnet. Das Regime schießt aber auf sie. Trump ist der einzige, der im Moment helfen kann. Natürlich habe ich Angst. Wir wissen, was im Irak oder in Afghanistan nach der amerikanischen Einmischung passiert ist. Aber Trump ist die einzige Option, dass das Regime stürzt”, sagt er im VN-Interview.

Benjamin Davoodi kann sich zwar nicht einmischen, aber Unterstützung in seiner neuen Heimat organisieren. “Ich hoffe, dass viele kommen”, bittet er um Teilnahme bei der Demonstration am Freitag, um 18 Uhr auf dem Kornmarktplatz in Bregenz.