Nachfrage nach Projekt gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit seit dem Hamas-Terroranschlag stark erhöht

Politik / 29.01.2026 • 15:07 Uhr
Nachfrage nach Projekt gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit seit dem Hamas-Terroranschlag stark erhöht
Die Workshops des Programms sind gefragt. Fast 2000 Kinder und Jugendliche haben sie schon absolviert. VN

Land sichert durch Förderung das Projekt “Ohne Angst verschieden sein” bis 2027. Vor allem der Israel-Gaza-Konflikt sorgt für große Nachfrage.

Hohenems Der 7. Oktober gilt nicht nur im Nahen Osten als Zäsur. Der brutale Anschlag der Terrororganisation Hamas auf Israel samt dem darauffolgenden Krieg im Gazastreifen wirkte sich auf die ganze Welt aus. Die Grenze zwischen Israel und den Palästinensergebieten zog sich immer stärker auch durch die Gesellschaften auf dem ganzen Erdball – auch durch Vorarlberg. Während vielerorts deshalb Programme konzipiert, teilweise rasch aus dem Boden gestampft werden mussten, hatte Vorarlberg Glück. Da gab es bereits ein Projekt, das sich mit Antisemitismus und Islamfeindlichkeit auseinandersetzte – und am 7. Oktober wesentlich an Bedeutung gewann. So sehr, dass die Landesregierung die Förderung dafür zusagte, das Projekt ist auch für 2026 und 2027 gesichert.

Das Projekt “Ohne Angst verschieden sein” rief das Land gemeinsam mit dem Jüdischen Museum im Jahr 2022 ins Leben. Mitfinanziert wurde es damals von der Berliner “Alfred Landecker Stiftung”, vorerst für drei Jahre vorgesehen. Nun hat das Land die Finanzierung übernommen. Ziel des Projekts: Mit Gruppen zu arbeiten, die von Diskriminierung betroffen sind, und deren Perspektive ernst zu nehmen.

Das Besondere daran ist, dass sich das Projekt Antisemitismus und Islamfeindlichkeit gleichzeitig widmet. Die Leitsätze: miteinander reden, zusammen lernen und gemeinsam handeln. Ein besonderer Fokus gilt dabei Kindern und Jugendlichen in und außerhalb der Schule, das Projekt richtet sich aber auch an Lehrer, Jugendarbeiterinnen und Fachkräfte im öffentlichen Dienst. 1918 Kinder und Jugendliche nahmen mittlerweile an den Workshops teil, auch mehr als 1200 Erwachsene haben schon teilgenommen. Mehr als die Hälfte davon am Workshop “Über Israel und Palästina reden” – dieses Format war ab dem 7. Oktober stark nachgefragt. Zukünftig möchte sich das Jüdische Museum als Träger der Projektstelle auch Volksschulen widmen. Zudem soll auch ein Format über antisemitische Verschwörungsmythen mit Schwerpunkt auf Medienkompetenz erstellt werden.

Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink betonte, man wolle die Schulen mit diesen Debatten nicht alleinlassen. Sie und Integrationslandesrat Daniel Allgäuer stellten eine weitere Finanzierung für die mit 70.000 Euro jährlich unterstützte Projektstelle in Aussicht. “Die Themen werden nicht verschwinden”, stellte die Landesrätin fest. Allgäuer sprach von einem Leuchtturmprojekt im Sinne des Integrationsleitbildes des Landes. Er hob den präventiven Ansatz hervor. Angesprochen auf den jüngsten DÖW-Rechtsextremismusbericht, der Vorarlberg einen deutlichen Anstieg rechtsextremer Tathandlungen attestierte und auch die FPÖ kritisierte, betonte Allgäuer, jeder für sich müsse Verantwortung übernehmen. Er würde dies jedenfalls tun. Den Zuwachs wolle er “nicht kalmieren”, für Vorarlberg spiele aber der Einfluss des süddeutschen Raums ebenso eine Rolle wie das Internet.