Erstmals wieder weniger Syrer in Vorarlberg

Sturz des Regimes sorgt für gestiegene Rückkehrzahlen in Österreich. Auch in Vorarlberg wohnen erstmals seit vielen Jahren wieder weniger Menschen aus Syrien.
Schwarzach Baschar al-Assad ist nicht mehr an der Macht. Am 8. Dezember 2024 stürzten islamistische Milizen den syrischen Diktator und übernahmen die Kontrolle. Ob das Land dadurch sicherer geworden ist, hängt von der Perspektive ab; Kurden und Drusen würden das verneinen. Fest steht: Das Schreckensregime Assads ist seit mehr als einem Jahr Geschichte. Für die Bundesregierung ist das Anlass, die Rückkehr syrischer Flüchtlinge verstärkt zu fördern. Und dies gelang offenbar. In Vorarlberg nahm die Zahl der Syrer erstmals seit 2015 wieder ab.
Im Jänner setzte sich die Bundesregierung das Ziel, syrische Flüchtlinge zur freiwilligen Rückkehr zu bewegen. Dafür soll ein Anreizsystem geschaffen werden, erklärte Bundeskanzler Christian Stocker nach einer Regierungsklausur Mitte Jänner. Die Rückkehrer sollen beim Wiederaufbau ihres Heimatlandes helfen. Bereits kurz nach Assads Sturz startete die Regierung einen entsprechenden Anlauf. 1,5 Mill. Euro stellte sie im vergangenen Jahr für die Rückkehrhilfe bereit, ein Teil davon für 706 Syrerinnen und Syrer.
Es ist nicht der erste Versuch: Schon in den Jahren zuvor bot die Bundesbetreuungsagentur (BBU) Rückkehrhilfe an. Diese umfasst Beratung, Unterstützung bei behördlichen Wegen sowie Hilfe bei der Organisation und Finanzierung der Rückreise. Zusätzlich gewährte die BBU eine Starthilfe von zunächst 900 Euro, die im vergangenen Jahr auf 1000 Euro erhöht wurde. 69 Syrerinnen und Syrer nahmen dieses Angebot 2024 in Anspruch und reisten aus Österreich aus. Nach dem Regimewechsel stieg die Zahl deutlich. Laut Innenministerium erhielten im vergangenen Jahr 706 Syrerinnen und Syrer eine finanzielle Starthilfe, 675 von ihnen die erhöhte Unterstützung von 1000 Euro.
Auch Flüchtlinge aus anderen Staaten erhalten eine Starthilfe in unterschiedlicher Höhe. Nach Nationalität werde in der Statistik nicht unterschieden, heißt es aus dem Innenministerium auf VN-Anfrage. Insgesamt zahlte das Ressort 1,472 Mill. Euro an finanzieller Starthilfe aus. Zusätzlich übernimmt die Republik unter bestimmten Voraussetzungen die Reisekosten. 708 Personen, die im vergangenen Jahr nach Syrien zurückkehrten, erhielten diese ersetzt – zwei mehr als Starthilfe erhielten. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen die Kosten nicht selbst tragen können.
In Vorarlberg zeigt sich dieser Trend ebenfalls. Zwar lässt sich aus der Bevölkerungsentwicklung nicht ableiten, wohin die Personen abgewandert sind, allerdings hat die Zahl der Syrerinnen und Syrer im Land erstmals wieder abgenommen. Im Jahr 2015 lebten 1585 Menschen mit syrischer Staatsbürgerschaft in Vorarlberg. Die Zahl stieg kontinuierlich bis Ende 2024, als 4811 Syrerinnen und Syrer einen Hauptwohnsitz im Land hatten. Im Vorjahr sank die Zahl erstmals wieder. Ende 2025 lebten 4749 Syrerinnen und Syrer in Vorarlberg – 62 weniger. Michael Rünzler, Leiter der Caritas Flüchtlingshilfe, berichtet: “Wir hatten einige freiwillige Rückkehrer, aber sie stammen Großteils nicht aus Syrien sondern etwa aus der Türkei. Unter den Syrern waren es rund 20 Personen bei uns.” Dabei würde es sich vor allem um Asylwerber handeln, denen die Perspektive fehlt. Die Bundesregierung stoppte alle Asylverfahren für Syrer.
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Zusätzlich rief die Bundesregierung ein weiteres Programm ins Leben, um die Rückkehr zu erleichtern. Von Juli bis September 2025 lief eine besondere Reintegrationsunterstützung. Vor allem Familien und Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf sollten beim Neustart unterstützt werden. 133 Personen nahmen laut Innenministerium teil. Die Kosten beliefen sich auf 98.600 Euro. Wie das angekündigte weitere Anreizsystem konkret aussehen soll, ist noch offen. Das Ressort wurde mit der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen betraut.
Nach Vorstellungen des Innenministeriums könnte dieses Modell künftig auch für den Iran angewendet werden, sollte es dort zu einem Regimewechsel kommen. Derzeit deutet jedoch nichts darauf hin.