Altenrhein feiert 100 Jahre: Was in Vorarlberg gegen ein “Ja” zur Flugschau spricht

Seit 100 Jahren wird in Altenrhein Luftfahrtgeschichte mitgestaltet. Doch ohne ein “Ja” aus Bregenz und Wien wird die Feier am Boden bleiben.
Altenrhein, Bregenz Den Flughafen in Altenrhein kennt man in Vorarlberg vor allem als Verkehrsknotenpunkt für Flüge gen Wien oder den sonnigen Süden. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Flughafens soll nicht nur der Geschichte gedacht, sondern auch eine Flugshow stattfinden – wenn da nicht Vorarlberg wäre.
100 Jahre Altenrhein


1925 begann Altenrhein als Produktionsstandort für die Dornier X, ein Wasserflugzeug, das für 20 Jahre den Passagierrekord für ein Linienflugzeug hielt. Mit dem Krieg wandelte sich Dornier zur Flug- und Fahrzeugfabrik Altenrhein, welche hier unter anderem den Kampfjet P-16 entwickelte. Nach Jahrzehnten als Wartungsstandort für Schweizer Kampfjets begann mit den 1980ern der Wandel hin zum kommerziellen Regionalflughafen. Kommerzielle Flüge sollen hier bereits seit 1927 stattgefunden haben.

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Flugshow über Altenrhein und Vorarlberg
Angesichts von 100 Jahren Luftfahrtgeschichte in Altenrhein plant man vom 28. bis 30. August 2026 große Feierlichkeiten mit Flugshow. Besonders würde man sich über einen Besuch der Patrouille Suisse freuen: Das Kunstflugteam der Schweizer Luftwaffe wird voraussichtlich 2027 ihre F-5 Tiger II gegen modernere Kampfflugzeuge tauschen. Dies wird dann auch ihr Ende als nebenberufliche Kunstflugstaffel, ab dann sind es wieder reine Kampfpiloten. Bereits jetzt sind Auftritte selten, es wäre wohl der letzte in der Ostschweiz.

Seit September 2025 laufen die Verhandlungen mit Vorarlberg, Ende Jänner gab es einen runden Tisch. “Wir reden an eine Wand und bekommen keine Antworten”, klagt aber Organisator Raphael Widmer-Kaufmann gegenüber dem St. Galler Tagblatt. Im Raum stünden zwei Auftritte der Kunstflieger von je 40 Minuten. Man habe aus Rücksicht auf weitere Flugstaffeln bewusst verzichtet. Wenn bis Ende der Woche keine Antwort vorliege, müsse man die Veranstaltung absagen.
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Staatsvertrag
Der Flughafen Altenrhein liegt ungünstig nahe am Naturschutzgebiet Rheindelta und nur einen Kilometer von der Grenze entfernt. Der Staatsvertrag von 1992 gibt Österreich das letzte Wort bei Veränderungen der Nutzung, sei es einer Ausweitung des Flugplans oder einer Flugshow. Sein Ziel ist es, die 15.000 Anrainer im Rheindelta von übermäßigem Fluglärm zu schützen. In der Schweiz stemmt sich auch der Schutzverband “Aktion gegen Fluglärm Altenrhein” gegen den Auftritt der Flugstaffel. Ihm wäre lieber, dass stattdessen der Zeppelin aus Friedrichshafen als Attraktion in Altenrhein anlegen würde.
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Gemeinden dagegen
“Wir als Gemeinden haben uns klar gegen eine Aufweichung des Staatsvertrags positioniert”, erklärt Höchsts Bürgermeister Stefan Übelhör. Denn auch wenn Altenrhein das Jubiläum feiert, geflogen wird über dem Rheindelta, sprich Vorarlberg. Man habe nichts gegen eine Flugshow, würde diese aber lieber über dem Appenzell als dem Rheindelta sehen. Als Vertreter der Anrainer sieht Übelhör kein gutes Argument, einer Schweizer Flugshow über den Wohn- und Schutzgebieten von Gaißau, Fußach und Höchst zuzustimmen.

Hier helfe auch nicht, dass man bislang mit dem Flughafen Altenrhein ein eher angespanntes Verhältnis hatte. Entsprechend warnt er vor einer Aufweichung des Staatsvertrags. “Wenn der Staatsvertrag einmal angefasst wird, hat man ein Exempel statuiert”, würde man weiteren Anfragen Tür und Tor öffnen. Bereits in den vergangenen Jahren setzte sich die Schweiz für einen neuen Staatsvertrag mit Lockerungen ein.
Die vergangenen Jahre folgten Bund und Land der Linie der Gemeinden. “Wir erwarten entsprechenden Rückhalt von Bund und Land”, räumt Übelhör ein. Bereits 2008 bis 2010 scheiterte eine Bodensee-Airshow in Altenrhein am Widerstand in Vorarlberg und fehlender politischer Unterstützung.