Licht und Schatten auf dem Weg zu Energieautonomie

Politik / 24.02.2026 • 16:36 Uhr
Licht und Schatten auf dem Weg zu Energieautonomie
Auf dem Weg zur Energieautonomie in Vorarlberg sind noch ein paar Hürden zu überwinden. Im Bereich Sonnenstrom wurden die Ziele jedoch bereits erfüllt. APA/Fohringer

Vorarlberg wird sich 2050 selbst mit Energie versorgen können. Das Ziel ist realistisch, es gibt aber noch Stolpersteine.

“Die Welt hat sich dramatisch verändert”, sagte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) bei einem Termin mit den Landesräten Marco Tittler (ÖVP) und Daniel Allgäuer (FPÖ). Daher wurde es notwendig, dass Vorarlberg seine Strategie zur “Energieautonomie+ 2030” erneuert. Hinzu kommen etwa Maßnahmen gegen Energiearmut und ein Fokus auf Stromspeicherung. Ziel bleibt weiterhin, bis spätestens 2050 nur noch so viel Energie zu verbrauchen, wie regional erneuerbar erzeugt wird. Trotz Etappensiegen gibt es noch Hürden auf diesem Weg.

Sorgenkind Verkehr

Bei den CO2-Emissionen sei Vorarlberg noch “ein Stück weit” vom Ziel 2030 entfernt, räumte der Landeshauptmann ein. Bis dahin sollen die Treibhausgase um 50 Prozent gegenüber 2005 sinken. Die CO2-Emissionen 2023 lagen zwar mit 1,83 Mio. Tonnen schon 24 Prozent unter dem Wert von 2005, aber noch deutlich über dem Zielwert von 2030 (1,19 Mio. Tonnen).

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Martin Reis, Geschäftsführer des Energieinstituts Vorarlberg, nennt Gründe: “Der Fahrzeugbestand in Vorarlberg ist seit dem Referenzjahr 2005 um ein Drittel gestiegen und der Treibstoffbedarf hat um 13 Prozent zugenommen.” Hier gibt es zwei Maßnahmen, um gegenzusteuern: Zum einen die mittlerweile technologisch und preislich marktreifen E-Autos. Zum anderen sieht die Mobilitätsstrategie des Landes bis 2030 eine Reduktion des motorisierten Individualverkehrs vor. “Und Verkehrszählungen und -erhebungen zeigen, dass die Mobilitätswende eingeläutet und die Pkw-Nutzung rückläufig ist”, sagt Reis.

Weitere Möglichkeiten gibt es im Gebäudebereich: Dort liege das Land zwar auf dem Zielpfad, sagt Reis, allerdings gibt es noch großes Potenzial beim Tausch von Öl- und Gasheizungen sowie bei der Sanierung von Gebäuden. “Da sind die aktuellen Unsicherheiten durch rasch wechselnde Fördermechanismen auf Bundesebene nicht sehr hilfreich, wenngleich die Förderungen für den Heizungstausch nach wie vor attraktiv sind – was übrigens auch für die Sanierungsförderung des Landes gilt”, betont der Experte. Insgesamt beurteilt Martin Reis, dass die Energieautonomie 2050 “absolut realistisch” ist: “Wir verfügen noch über nennenswerte Potenziale zum Ausbau erneuerbarer und regional verfügbarer Energieträger im Bereich Strom und Wärme.”

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Grüne mit Lob und Kritik

Daniel Zadra, Energiesprecher der Grünen, begrüßte prinzipiell die Überarbeitung, mahnte aber zu einem klaren Zeitplan und Budget. Konkretes Lob gab es von Zadra dafür, dass es erstmals Windkraftziele gibt: Bis 2030 sollen 60 GWh aus Windkraft erreicht werden, dies dient insbesondere der Schließung der Winterstromlücke. Während dieser Zeit wird auch Strom aus Atomenergie importiert. Kritisch sieht Zadra hingegen, dass Förderungen gekürzt, das Energiebudget reduziert und das Kraftwerk Lochau abgesagt wurde.

Collini Neubau
Collini verkleidete die Fassade des Neubaus in Hohenems mit einer PV-Anlage. Collini Nussbaumer

Starke Impulse aus Wirtschaft und Bevölkerung

Auf anderer Ebene läuft alles nach Plan und besser: Das Ziel für den Photovoltaik-Ausbau für 2030 (330 MW) wurde schon im Jahr 2024 erreicht. Das verantworten nicht zuletzt die motivierten Unternehmen und Vorarlbergerinnen und Vorarlberger. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Collini in Hohenems hat eine vertikale Photovoltaikanlage mit 1400 Quadratmeter Fläche von Rhomberg Energie errichten lassen. Diese erreicht eine Leistung von 300 kWp. Diese Fassaden-PV-Anlage ist die größte ihrer Art in Westösterreich. Ein anderer Pionier ist die Gemeinde Mäder, die im Vorjahr den VN-Klimaschutzpreis gewonnen hat. Bereits 1998 ging dort die erste Anlage ans Netz – finanziert über “Sonnenscheine”, die bis heute gekauft werden und beim jährlichen “Sonnenfest” gegen Verköstigung eingetauscht werden können. Eine 2022 erstellte Dachpotenzialanalyse zeigte, dass Mäder bilanziell mehr Sonnenstrom erzeugen kann, als alle kommunalen Gebäude benötigen – und genau das soll bis 2030 passieren: Energieautonomie durch aktive Bürgerbeteiligung.