Patientenanwalt warnt: “Wenn irgendwo eingespart wird, gibt es immer Opfer”

Politik / 26.02.2026 • 17:33 Uhr
Patientenanwalt warnt: "Wenn irgendwo eingespart wird, gibt es immer Opfer"
VNDer Patientenanwalt kritisiert den Sparkurs der Krankenhäuser.

Zwölf Millionen Euro müssen die Spitäler heuer sparen. Da sind auch kleine Maßnahmen gefragt.

Feldkirch Es ist ein Newsletter innerhalb der Vorarlberger Landeskrankenhäuser, der Anfang Jänner für Unruhe sorgte – die seitdem nicht abebbt. “Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, herzlich willkommen im neuen Jahr”, schreibt die Geschäftsleitung einleitend, um direkt zum Thema zu kommen. “Vor uns liegt ein herausforderndes Jahr, die öffentlichen Finanzen stehen allerorts unter Druck.” Was das bedeutet, listet die KHBG-Führung anschließend kurz auf, ohne in Details zu gehen. Diese werden nun bekannt und betreffen auch den Magen.

Zwölf Millionen Euro muss die KHBG heuer einsparen – bei einem Gesamtbudget von rund 720 Millionen Euro. Mit 413 Millionen Euro entfällt der größte Budgetanteil auf das Personal. Für Medikamente werden 55 Millionen Euro aufgewendet, für Energie sechs Millionen Euro, zählt Fleisch auf. “Wir sparen natürlich im Großen, aber man kann auch im Kleinen sparen.”

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Bereits im Herbst setzte die KHBG eine Taskforce ein, um Sparpotenziale zu prüfen. Zu den ersten Maßnahmen zählt die Reduktion der Sachkosten. “Dazu gehören etwa medizinisches Verbrauchsmaterial wie Verbandszeug, Spritzen oder OP-Ausrüstung, Medikamente, Reinigungs- und Versorgungskosten sowie Büromaterial”, heißt es im Newsletter. Einsparungen bei Spritzen und OP-Ausrüstung – also bei den Patienten? Im Gespräch mit den VN weist Fleisch das zurück. Qualität und Versorgungssicherheit seien nicht gefährdet. “Bei den Medikamenten geht es um Sortimentsbereinigung und um Optimierung im Verbrauchsverhalten, also darum, nicht sofort eine neue Verpackung zu öffnen. Nichts geschieht zum Nachteil der Patienten.”

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Patientenanwalt Alexander Wolf sieht das im VN-Gespräch kritischer. “Wenn irgendwo eingespart wird, gibt es immer Opfer. Entweder habe ich weniger Personal oder weniger Untersuchungstermine oder ich kann nicht mehr so viele Leistungen anbieten. Das wirkt sich natürlich auf die Patienten aus.” Kürzlich habe sich ein Patient an ihn gewandt, der eine Operation benötigte. “Sie war nicht dringlich, aber der Patient war beeinträchtigt, man hätte ihn operieren müssen.” Die Wartezeit betrug 850 Tage. “Das sind zweieinhalb Jahre. Wenn jetzt weiter gespart wird, werden sich die Wartezeiten verlängern.”

Zweimal 700.000 Euro

Auch Besucherinnen und Besucher spüren den Sparkurs. Die Parkgebühren wurden erhöht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlen ebenfalls mehr, ihr Kantinenessen kostet künftig einen Euro mehr. Beide Maßnahmen zusammen bringen laut Fleisch 700.000 Euro. Weitere 700.000 Euro spart die KHBG, weil Notarzteinsatzfahrzeuge nicht mehr zusätzlich mit Krankenhauspersonal besetzt werden (die VN berichteten).

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Beim Business-Run darf die Belegschaft der VLKH nicht mehr teilnehmen. Und auch das Sommerfest fällt aus. “Auf der VLKH-Sommerlounge wurde viel gelacht, getanzt und gefeiert”, heißt es im Newsletter. Aufgrund der angespannten Kostensituation könne die Veranstaltung heuer nicht stattfinden.

Patientenanwalt warnt: "Wenn irgendwo eingespart wird, gibt es immer Opfer"
VNKHBG-Chef Fleisch widerspricht Berichten, die Suppe aus Spargründen zu reduzieren.

Das Sparprogramm reicht bis in die Küche. Wie Gerald Fleisch den VN einen ORF-Bericht bestätigt, wird beim Mitarbeiteressen künftig auf Parmesan und Kernöl verzichtet. Der Verzicht auf Kernöl bringt eine Ersparnis von 12.500 Euro, der Umstieg auf einen anderen Hartkäse bei den Spaghetti 13.200 Euro. Insgesamt sollen die Maßnahmen beim Essen rund 200.000 Euro einsparen. “Das ist Geld für drei Mitarbeiter”, rechnet Fleisch vor.

LKH Hohenems Küche
In den Küchen der Krankenhausbetriebsgesellschaft wird zukünftig auf bestimmte Produkte verzichtet. KHBG

Bereits im Herbst kündigte Fleisch in einem VN-Interview an, dass die Krankenhäuser den Gürtel enger schnallen müssen. Laut ORF-Bericht soll deshalb auch die Suppenmenge reduziert werden. Dem widerspricht Fleisch. Man versuche zwar, ein Drittel weniger Suppenbrühe zu produzieren – allerdings nur, um weniger wegzuwerfen. “Wir sind Teil der Aktion ‚United against waste‘. Ich weiß nicht einmal, ob wir dadurch überhaupt etwas sparen.”

Die Neos sprechen von einem schlechten Scherz, der zeige, dass die KHBG hilflos sei. “Die wirklich großen Reformen, die längst überfällig wären, werden weiterhin konsequent ausgeblendet”, ist Abgeordnete Katharina Fuchs überzeugt. Die Grünen sprechen von absurden Ausmaßen. Christine Bösch-Vetter von den Grünen kritisiert zudem, dass Ländle Milch aus dem Sortiment gestrichen worden sei und nun Industriesahne aus Plastikverpackungen serviert werde. Die Grünen stellen deshalb auch eine Anfrage an Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher, um das Sparpotenzial der Maßnahmen zu erheben.