Statt Wiederwahl geht Weißmann vorzeitig wegen Belästigungsvorwürfen

Politik / 09.03.2026 • 14:33 Uhr
Statt Wiederwahl geht Weißmann vorzeitig wegen Belästigungsvorwürfen
Roland Weißmann trat am Montag als ORF-Generaldirektor zurück.APA/Georg Hochmuth

Roland Weißmann weist die Anschuldigungen zurück. Medienminister Babler wünscht sich eine Frau als ORF-Generaldirektorin.

Wien Statt eines beruflichen Höhepunkts steht für ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ein vorzeitiger Abgang mit schweren Vorwürfen im Raum. Wenige Wochen vor dem Eurovision Song Contest in Wien trat der 57-Jährige überraschend zurück. Ihm wird unangemessenes Verhalten gegenüber einer Mitarbeiterin vorgeworfen, konkret geht es um Vorwürfe sexueller Belästigung aus dem Jahr 2022, wie der ORF selbst zuerst berichtete. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die interimistische Leitung bis zum regulären Wechsel an der ORF-Spitze 2027 übernimmt Radiodirektorin und Vorarlbergerin Ingrid Thurnher.

Statt Wiederwahl geht Weißmann vorzeitig wegen Belästigungsvorwürfen
Vorübergehend die mächtigste Frau im ORF: Ingrid Thurnher übernimmt die interimistische Leitung.APA/Eva Manhart

Weißmann bestreitet Vorwürfe

Weißmann weist die Anschuldigungen zurück. “Meinem Mandanten liegt bis heute der von der Mitarbeiterin genau vorgebrachte Sachverhalt nicht vor, dennoch war er, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und trat daher (…) mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück”, erklärte Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum. Zugleich kündigte er rechtliche Schritte gegen den ORF an. Durch die Verbreitung der Vorwürfe würden Weißmanns Persönlichkeitsrechte verletzt.

Lederer: Schrift-, Ton- und Bildmaterial

Der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer, sagte im Ö1-Mittagsjournal: “Es gibt die Tatsachen, die uns gezeigt wurden. Sowohl Schrift-, Ton- als auch Bildmaterial.” Auf Nachfrage, ob es handfeste Beweise gebe, präzisierte Lederer, es gebe Dokumente, “die den Vorwurf darstellen lassen”. Der Generaldirektor sei rasch einberufen worden. Am Sonntag habe Weißmann freiwillig seine Rücktrittserklärung übermittelt und sei anschließend mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Die Vorwürfe sollen nun rasch aufgeklärt werden. “Es gibt kein Vertuschen und null Toleranz für sexuell übergriffiges Verhalten”, sagte Lederer. Priorität habe zudem der Schutz der betroffenen Person.

Werdegang von Roland Weißmann

Der Oberösterreicher studierte Geschichte und Publizistik in Wien. Seine ORF-Karriere begann im Landesstudio Niederösterreich. Von dort ging es zunächst nicht steil, aber stetig bergauf. Nach einem Zwischenstopp in Wien als Chef vom Dienst bei Ö3 und stellvertretendem Chronik-Ressortleiter im ORF-Radio wechselte Weißmann 2003 als Wortchef zurück nach Niederösterreich. Knapp ein Jahrzehnt später folgte er dem damaligen Direktor Richard Grasl als Büroleiter in die Finanzdirektion des ORF. Später schaffte er es zum Chef-Producer, Vize-Finanzchef und schlussendlich zum Geschäftsführer von orf.at.

Als schließlich 2021 die Wahl zum Generaldirektor anstand, stieg Hobby-Karateka Weißmann – von der ÖVP mit solider Mehrheit ausgestattet – in den Ring und beendete die Amtszeit von Alexander Wrabetz. Er selbst, der als nicht nur im bürgerlichen Lager gut vernetzt gilt, betonte freilich stets, nie einer Partei angehört zu haben und dies auch nicht für die Zukunft zu planen.

Favoriten und Medienministerwünsche

Weißmanns Amtszeit wäre noch bis Ende des Jahres gelaufen. Am Fahrplan für die Neubestellung der ORF-Geschäftsführung ab 1. Jänner 2027 – die Wahl ist für den 11. August geplant – ändere sich laut Lederer nichts. Rundfunkrechtler Hans Peter Lehofer verweist jedoch auf das ORF-Gesetz: Demnach sei die Position “unverzüglich” auszuschreiben.

Schon vor den aktuellen Ereignissen galt eine Vertragsverlängerung als unsicher. Innerhalb der ÖVP hieß es, man sei mit Weißmann nicht restlos zufrieden. In den vergangenen Monaten kursierten die Namen des Direktors des ORF-Landesstudios Niederösterreich, Alexander Hofer, sowie des Kronehit-Geschäftsführers Philipp König. Medienminister Andreas Babler (SPÖ) betonte am Montag, es würde dem ORF und der Gesellschaft “gut tun, wäre die Nachfolge eine Generaldirektorin”.

Politische Reaktionen

Zurückhaltend reagierte zunächst die Kanzlerpartei. Die ÖVP hatte Weißmann bei seiner Wahl mit einer soliden Mehrheit unterstützt. Nun seien volle Aufklärung und Transparenz nötig, erklärte ÖVP-Mediensprecher Nico Marchetti. Im Zuge der geplanten ORF-Reform müssten Strukturen geschaffen werden, die potenziellen Machtmissbrauch verhindern, betonte die pinke Mediensprecherin Henrike Brandstötter. Auch die grüne Mediensprecherin Sigrid Maurer forderte entsprechende Konsequenzen. Die Freiheitlichen forderten erneut eine “Totalreform” des ORF.

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