Vorarlbergs Volksschüler schneiden in Deutsch schlechter ab

Bundesweite Tests zeigen in Vorarlbergs Volksschulen in Mathe und Deutsch schlechtere Ergebnisse als im Österreich-Schnitt.
Text: Michael Prock, Julia Schilly-Polozani
Schwarzach, Wien In den vierten Klassen der Volksschulen ist der Druck auf die Kinder schon groß. Gute Noten müssen her, da sich die Bildungslaufbahn bereits in diesem Alter maßgeblich entscheidet. In Österreich wird deshalb regelmäßig geprüft, wie es um die Kinder in der dritten und vierten Schulstufe bestellt ist. Am Dienstag präsentierte die Bundesregierung die neuesten Ergebnisse für Mathematik und Deutsch. Vorarlberg zählt zu den Schlusslichtern.
Was früher die Bildungsstandards waren, ist jetzt die “individuelle Kompetenzmessung Plus” (IKMPLUS). Die Tests sind miteinander vergleichbar. Demnach sind Österreichs Volksschulkinder in Mathe wieder besser geworden. 84 Prozent der Viertklässler haben die Bildungsstandards erreicht oder übertroffen. In Deutsch hapert es weiter: In den Jahren 2023 bis 2025 haben im Kompetenzbereich Lesen 59 Prozent die Ziele zumindest erreicht.
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Zwischen den Bundesländern unterscheiden sich die Ergebnisse in den meisten Fällen kaum. Allerdings schneidet das Burgenland überdurchschnittlich gut ab. Und Vorarlberg und Wien auffallend schlecht. In Vorarlberg ist der Anteil der Kinder, die die Bildungsstandards nicht oder nur teilweise erreichen, in allen Kompetenzbereichen höher als im österreichweiten Durchschnitt. Am größten ist die Abweichung im Fach Deutsch beim Verfassen von Texten.
Das liegt auch an den schwierigeren Voraussetzungen in den Klassen. Also etwa am Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund und mit Deutsch als Erstsprache, aber auch am sozioökonomischen Hintergrund und Bildung der Eltern. Dem trägt die Studie zwar Rechnung, allerdings liegt Vorarlberg auch inklusive dieser Faktoren hinten.
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Für Christof Wund, Direktor der Volksschule Lustenau-Kirchdorf, kommen die Ergebnisse nicht überraschend. “In den Deutschförderklassen sind zu viele Kinder und zu wenige Ressourcen. Wenn eine Lehrerin allein 15 bis 20 Kindern Deutsch beibringen soll, die noch gar nichts können, funktioniert das nicht.” Künftig müssen Deutschförderklassen zwar nicht mehr in dieser Form geführt werden, Schulen können eigene Modelle entwickeln. “Dafür braucht es aber mehr Ressourcen. Und davon haben wir früher tatsächlich mehr bekommen als jetzt”, betont Wund. Die Zeit reiche ebenfalls nicht aus. “Unsere Erfahrung ist, dass Kinder in den zwei Jahren, in denen sie außerordentlich sein können und Deutschförderung bekommen, die Sprache oft nicht ausreichend lernen.” Auffällig sei auch etwas anderes: “Es erstaunt uns, dass Kinder zu uns in die Volksschule kommen, die hier sozialisiert wurden und überhaupt nicht Deutsch können – obwohl sie ein, zwei oder sogar drei Jahre im Kindergarten waren.”
Die Bildungsdirektion sieht auf VN-Anfrage mehrere Faktoren: “Dazu zählen etwa sprachliche Voraussetzungen vieler Kinder, unterschiedliche soziale Rahmenbedingungen sowie die langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie.” In Vorarlberg beginne jetzt die Detailanalyse. “Der Bericht liefert eine wichtige erste Standortbestimmung, aber viele Fragen lassen sich erst durch eine vertiefte Auswertung beantworten.” Vorarlberg lege schon seit mehreren Jahren einen besonderen Schwerpunkt auf Leseförderung und Sprachentwicklung. Derzeit arbeite die pädagogische Leiterin Monika Steurer an einem Bildungsnetzwerk zum Thema.
Man werde sich auch ansehen, wie die ganztägigen Schulformen abschneiden. Derzeit laufe der Ausbau. “Dies stößt allerdings auch an gewisse Grenzen (Personal- und Raumsituation)”, erklärt eine Sprecherin der Bildungsdirektion.
Die Vorarlberger Neos orten im Ergebnis einen Auftrag an Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP). Die Vorarlberger ÖVP sieht hingegen vor allem Neos-Bildungsminister Christoph Wiederkehr gefordert.