Immer mehr Höfe in Frauenhand

Politik / 15.03.2026 • 13:56 Uhr
Immer mehr Höfe in Frauenhand
Yvonne Hubert führt den Hof ihrer Eltern weiter. Trotz aller Herausforderungen war die Arbeit in der Landwirtschaft immer ihr Wunsch.Roland Paulitsch

Yvonne Hubert hat den Hof ihrer Eltern in Braz übernommen und berichtet, welche Herausforderungen es gibt.

Braz Wenn Yvonne Hubert morgens in den Stall kommt, warten zwanzig Milchkühe, 35 Stück Jungvieh und rund sechzig Hühner auf sie. Im Sommer kommen noch vier Schweine dazu. “Ja, das reicht”, sagt die 42-Jährige und lacht. Vor zwei Jahren hat sie den Hof ihrer Eltern in Braz übernommen. Trotz den vielen Herausforderungen hat sie nie gezögert, den Betrieb weiterzuführen.

Immer mehr Höfe in Frauenhand
Milchkühe, Jungrinder und Hühner: Yvonne Hubert führt ihren Familienbetrieb mit viel Engagement – und familiärer Hilfe.Roland Paulitsch

Die Gründe: Ihr gefallen etwa die Selbstständigkeit und eine gewisse Freiheit bei der Zeiteinteilung. Vor allem aber schätzt sie, Lebensmittel selbst herzustellen. “Ich verarbeite Joghurt, mache Nudeln.” Viele Produkte verkauft sie direkt ab Hof. “Es kommen viele Gäste und Einheimische, der Kundenkontakt ist da.” Manche sehen dabei zum ersten Mal, wie Kühe gemolken werden. Fast 13 Jahre engagierte sie sich zudem beim Bildungsprogramm “Schule am Bauernhof”. Derzeit fehlt dafür die Zeit, doch die Erinnerungen sind positiv. “Das hat mir viel zurückgegeben, wenn man sieht, dass die Kinder entdecken, wo ihre Lebensmittel herkommen und sie die Tiere streicheln können.” Mit einem Lachen fügt sie hinzu: “Manche Kinder glauben ja noch, dass die Kuh lila ist.”

Dass Hubert für die Landwirtschaft brennt, merkt man schnell. Vor 15 Jahren hat sie ihre landwirtschaftliche Meisterin gemacht. “Es war schon immer mein Traum.” Der Betrieb funktioniert als Familienprojekt: Beide Eltern, ihr Ehemann und die zwei Kinder helfen mit, im Sommer unterstützen die Geschwister bei der Heuernte. Ihr Mann arbeitet zusätzlich 80 Prozent extern. Dass sich das ausgeht, liege auch an einem “super Chef” und einer entgegenkommenden Firma – gerade zur Heuernte wird jede helfende Hand gebraucht.

Bürokratie

Die Hofübernahme brachte auch viel Bürokratie mit sich. “Man braucht einen Anwalt, Steuerberater.” Wichtig sei auch, sich innerhalb der Familie zu einigen. “Bis alles richtig funktioniert und alle Rechnungen richtig ankommen, hat es mehr als ein Jahr gedauert.” Unterstützung gab es von der Landwirtschaftskammer. Trotzdem blieb der Aufwand groß. Die drei größten Baustellen bei der Hofübernahme sind aus Huberts Sicht Landwirtschaftskammer, AMA und Sozialversicherung. Jede Abteilung musste eigens angeschrieben und angerufen werden. “Es war umständlich, obwohl sie teilweise sogar im selben Haus sind.” Gelassen fügt sie hinzu: “Es war viel Bürokratie. Aber das haben wir in der Landwirtschaft sowieso und es wird immer mehr.”

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Rund 60 Hühner leben am Hof. Roland Paulitsch

Immer weniger Höfe werden übernommen

Nicht jeder Hof wird weitergeführt. Zwischen 2010 und 2020 ist die Zahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe in Vorarlberg um 4,8 Prozent gesunken (von 4493 auf 4279), Österreichweitsogar um elf Prozent. Auch das Rollenbild verändert sich: Laut Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig liegt bereits mehr als jeder dritte Hof in Österreich in Frauenhand, das sind rund 36.000 Betriebe. In Deutschland gibt es rund elf Prozent Betriebsleiterinnen, in der Schweiz sieben Prozent. EU-weit belegt Österreich damit Platz vier. In den land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen ist bereits mehr als die Hälfte der Schüler weiblich.

In Vorarlberg bildet die Grünland-, Milch- und Käsewirtschaft das Rückgrat der Landwirtschaft. Rund 40 Prozent des landwirtschaftlichen Produktwertes erwirtschaften die Bäuerinnen und Bauern mit Milch, im österreichweiten Durchschnitt sind es 15 Prozent. Für Hubert bleibt dennoch Unsicherheit. “Man weiß nicht, was die Zukunft bringt”, sagt sie mit Blick auf Milchpreise und Förderungen.

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Unter anderem verkauft Yvonne Hubert Nudeln und Joghurt direkt an ihre Kundinnen und Kunden.Roland Paulitsch

Mit zweitem Standbein in die Zukunft

Für die nächste weibliche Generation im Familienbetrieb hat sie schon vorgesorgt: Huberts Tochter will den Hof einmal übernehmen. Sie wird heuer 18 Jahre alt und hat die Landwirtschaftsschule absolviert. Derzeit macht sie zusätzlich eine Lehre im Gastgewerbe. “Damit sie ein zweites Standbein hat. Denn man weiß ja nie, wie es mit der Landwirtschaft weitergeht.”