Vorarlberg im Ressourcen-Check: Vorbild mit wachsender Müllmenge

Politik / 01.04.2026 • 11:40 Uhr
Vorarlberg im Ressourcen-Check: Vorbild mit wachsender Müllmenge
Die Müllmengen wachsen, Reparaturcafés und Sammelstellen wirken dem entgegen. Insgesamt ist die Kreislaufwirtschaft aber noch ein Fleckerlteppich, kritisiert Global 2000. APA/Hans Klaus Techt

Der Welterschöpfungstag fällt in Österreich früh: Würden alle so leben, bräuchte es fast vier Erden.

Schwarzach Österreich hat heuer bereits alle Ressourcen verbraucht, die die Erde für ein ganzes Jahr bereitstellen kann: Der Welterschöpfungstag fällt mit 2. April im globalen Vergleich besonders früh. Würden alle Menschen so leben wie hierzulande, bräuchte es fast vier Erden. Vorarlberg gilt einerseits als Vorreiter bei Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz. Andererseits zeigen aktuelle Zahlen: Der Ressourcenverbrauch steigt – und mit ihm die Müllmengen.

Steigender Konsum

Zwischen 2014 und 2022 nahm das Abfallaufkommen in Vorarlberger Haushalten um 24 Prozent zu, informiert Anna Leitner, Expertin für Ressourcen bei Global 2000. Mit 752 Kilogramm Müll pro Kopf liegt das Land zwar noch rund zehn Prozent unter dem Österreichschnitt, gleichzeitig werden aber immer mehr Verpackungen gesammelt: 2022 erreichte Vorarlberg hier den höchsten Pro-Kopf-Wert aller Bundesländer. Ein Hinweis auf funktionierende Systeme – aber auch auf steigenden Konsum und Bevölkerungswachstum. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Elektroaltgeräten: 7200 Tonnen wurden zuletzt gesammelt, ein Plus von 90 Prozent seit 2014. Reparaturcafés und Re-Use-Initiativen wirken entgegen – allein 19 Reparaturcafés gibt es im Land.

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Gebäudesanierung als wichtiger Hebel

Ein wichtiger Hebel liegt im Gebäudesektor, er verursache rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und 19 Prozent der Treibhausgasemissionen in Vorarlberg, sagt Leitner. Mehr als 60 Prozent der öffentlichen Gebäude seien sanierungsbedürftig. Auch Ernährung und Konsum seien zentrale Faktoren: “Wie wir essen, macht einen großen Fußabdruck – zumindest so lange unsere Nahrung so fleischlastig ist.” Besonders kritisch seien kurzlebige Produkte bei Elektronik wie E-Zigaretten oder auch Textilien zu sehen. “So werden Ressourcen verbraucht, die sehr wertvoll sind und nicht als Verbrauchsmaterialien da sein sollten.”

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Kreislaufwirtschaft einen Schub geben

Gibt es ein Land, an dem man sich orientieren könnte? Leitner sagt ganz klar: “Ich nehme gerne Österreich selbst als Vorbild. Wir zeigen in den Regionen in so vielen Bereichen, dass wir es können und wir es uns nur gegenseitig abschauen müssen.” Auch Vorarlberg bringe viele gute Ansätze mit – von Reparaturcafés bis zu Sammelsystemen. “Es gibt verschiedene Programme und Initiativen, aber das ist momentan ein Fleckerlteppich. Was es braucht, ist ein Schub für die Kreislaufwirtschaft.” Die Regierung habe sich zwar das Ziel gesetzt, von momentan circa 20.000 Tonnen Materialfußabdruck pro Person pro Jahr auf 7 Tonnen bis 2050 zu kommen. “Aber mit kleinen Einzelschritten werden wir das nicht erreichen können. Dafür braucht es ein Gesetz.”

Ende März hat Global 2000 daher einen eigenen Gesetzesentwurf vorgelegt. Damit könnte etwa jedes neue Gesetz auf seinen Ressourcenverbrauch geprüft werden. Ein Kreislaufwirtschaftsgesetz sei im Endeffekt eine Sparmaßnahme, sagt Leitner: “Wir sehen mit jeder Krise wieder, wie abhängig wir von Rohstoffimporten, von globalen Lieferketten sind. Innerhalb von einem irrsinnigen Tweet wird wieder alles teurer.”

Die Forschung bestätigt, dass sich der Aufwand lohnt: Kreislaufmaßnahmen können Treibhausgasemissionen im Schnitt um 17 Prozent senken – im Zusammenspiel mit Energieeffizienz sogar um bis zu 50 Prozent. Gerade kleinere Regionen könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Auch hier lohnt sich wieder der Blick ins Land, konkret nach Hohenems auf das Textilsortierwerk der Caritas. Wöchentlich werden 70 Tonnen Textilien aus über 470 Sammelcontainern geliefert. Die gebrauchten Kleidungsstücke werden sortiert und wiederverwertet – und gleichzeitig Dutzende Arbeitsplätze für oftmals Langzeitarbeitslose geschaffen.