“Ich habe oft das Gefühl, dass besonders junge Menschen politisch nicht wirklich ernst genommen werden”

Politik / 07.04.2026 • 16:56 Uhr
"Ich habe oft das Gefühl, dass besonders junge Menschen politisch nicht wirklich ernst genommen werden"
PIP Lisanne Wilhelmer fordert, dass Jugendliche besser gehört werden.

Lauter Ruf nach einer starken Hand: Jugendliche mit autoritärer Tendenz trotzdem stark demokratisch orientiert.

Text: Michael Prock & Pia Prodinger

Schwarzach Lisanne Wilhelmer ist 17 Jahre alt. Und froh, hier zu leben: “Ich finde es gut, dass wir in einer Demokratie leben, in der Wahlen stattfinden und grundrechtlich gelten”, sagt sie. Aber kritisiert: “Andererseits habe ich oft das Gefühl, dass besonders junge Menschen politisch nicht wirklich ernst genommen werden und ihre Anliegen zu wenig berücksichtigt werden.” Damit geht es ihr, wie vielen anderen ihrer Alterskolleginnen und -Kollegen. Das zeigt die Jugendstudie 2025, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

WhatsApp Image 2026-04-07 at 16.32.21(1).jpeg
Martina Ott ist Teil des Teams, das die Jugendstudie 2025 durchführte.

Demnach trifft für 82 Prozent die Aussage zu: “In jeder Demokratie ist es die Pflicht jedes Bürgers/jeder Bürgerin, sich regelmäßig an Wahlen zu beteiligen.” Allerdings stimmen 56 Prozent der Jugendlichen auch folgendem Satz zu: “Eine starke Hand müsste Ordnung in unseren Staat bringen.” Martina Ott, Studienautorin von der Pädagogischen Hochschule (PH) Vorarlberg, betont: „Wir sehen eine Tendenz zu autoritären Aussagen. Aber demokratische Aussagen werden deutlich stärker befürwortet.“

Die aktuellen Krisen würden den Ruf nach mehr Stabilität und einer starken Hand zwar verstärken, fährt Ott fort. Gleichzeitig bewerten jedoch mehr als 80 Prozent den Kompromiss in der Politik positiv.

WhatsApp Image 2026-04-07 at 16.32.21.jpeg
Ott: “Wir sehen, dass sich die Ängste verändern. Sie spiegeln aktuelle gesellschaftspolitische Themen.”

Wie zufrieden sind Jugendliche mit der Demokratie insgesamt? Auch das wollten die Studienautorinnen und -autoren wissen. Vier Prozent sind sehr zufrieden, 38 Prozent ziemlich zufrieden. 37 Prozent hingegen sind unzufrieden bis sehr unzufrieden. Im Jahr 2020 waren noch 70 Prozent sehr oder ziemlich zufrieden. Bildungsminister Christoph Wiederkehr spricht von einem Warnsignal. Ott ergänzt: „Jugendliche merken, dass sie von der Politik nicht so gesehen werden, wie sie es gerne hätten.“ Wie Lisanne Wilhelmer auch festhält. 80 Prozent der Befragten sind zudem überzeugt, dass Jugendliche in der Politik mehr Mitspracherecht haben sollten.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Infogram angezeigt.

Ein weiteres Ergebnis: „Wir sehen, dass sich die Ängste verändern. Sie spiegeln aktuelle gesellschaftspolitische Themen“, erläutert Ott. Im Vergleich zur Befragung 2020 zeigt sich: „Der Klimawandel ist weiterhin wichtig, aber andere Themen dominieren.“ Jugendliche spüren vor allem Veränderungen im unmittelbaren Umfeld. 45 Prozent haben Angst, dass ihre Familie zerbricht. 40 Prozent fürchten eine schwere Krankheit. Bereits 2020 lag die Angst vor dem Zerbrechen der Familie auf Platz eins, gefolgt von Umweltverschmutzung und Klimawandel. Beide Themen finden sich 2025 nicht mehr unter den Top fünf. Neu auf Platz drei ist die Angst vor einem Krieg in Europa, gefolgt von der Sorge, dass die eigene Familie verarmt. „Die Kriege in der Ukraine und im Gaza-Streifen wirken sich ebenso aus wie die Wirtschaftskrise“, sagt Ott.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Infogram angezeigt.

Die Jugendstudie bestätigt zudem, was viele Untersuchungen zeigen: Mädchen haben größere Ängste als Buben. „Andere Studien zeigen, dass dies mit dem Geschlechterbild in der Gesellschaft zusammenhängt“, erklärt Ott. „Mädchen dürfen eher sagen, dass sie Angst haben. Und sie werden von klein auf eher dazu erzogen, vorsichtig zu sein.“

Österreichweit wurden im Frühjahr 2025 mehr als 15.000 Schülerinnen und Schüler zwischen der 8. und 12. Schulstufe befragt. Sie sind zwischen 14 und 18 Jahre alt und alles andere als eine verlorene Generation, betont Ott: „88 Prozent der Jugendlichen blicken optimistisch in die Zukunft.”

"Ich habe oft das Gefühl, dass besonders junge Menschen politisch nicht wirklich ernst genommen werden"
Tamara Steger: “Im Vergleich zu vielen anderen Ländern haben wir stabile Verhältnisse und ein funktionierendes politisches System.” PIP

Tamara Steger aus Dornbirn ist 18 Jahre alt. Auch sie ist positiv gestimmt: “Ich finde es gut, dass wir in einem Land leben, in dem man frei seine Meinung sagen kann, wählen darf und Rechte hat, die auch geschützt werden.”

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Infogram angezeigt.