Schulen werden transparenter, Rankings soll es keine geben – Direktoren warnen vor falschen Schlüssen

Das Bildungsministerium veröffentlicht ab Herbst “faire” Schuldaten. In Vorarlberg sehen Schulleitungen darin Chancen für mehr Transparenz, warnen aber vor vorschnellen Vergleichen.
Mirijam Haller, Julia Schilly-Polozani
Wien, Schwarzach Ab Herbst veröffentlicht das Bildungsministerium erstmals standortbezogene Schuldaten und macht damit Leistungen, Rahmenbedingungen und Unterschiede zwischen Schulen sichtbar. Den Auftakt machen Volksschulen. Gezeigt werden unter anderem Ergebnisse aus der individuellen Kompetenzmessung (iKM PLUS) sowie Daten zur Zentralmatura. Schulleitungen in Vorarlberg sehen darin Chancen für Entwicklung – warnen aber auch vor Fehlinterpretationen.

Nicht nur Abschlussnoten sind aussagekräftig
Edeltraud Mathis, Direktorin am Borg Lauterach, bewertet objektiv erhobene Vergleichsdaten als „gute Rückmeldung“. Entscheidend sei jedoch deren Interpretation und kontextuelle Einbettung. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Schulen auf Basis selektiver Rohdaten vorschnell in Kategorien wie „gut“ oder „weniger gut“ eingeordnet werden.

Durchschnittsnoten oder Abschluss-Quoten erscheinen Mathis nur begrenzt zielführend: “Ich sehe die Gefahr, dass schwer messbare, aber umso wichtigere Qualitätsmerkmale von Schulen weniger gesehen werden.” Gerade an den BORG seien Projekte in den Zweigen wesentlich für die Schulqualität. Dies werde in der derzeitigen externen Evaluation kaum abgebildet. Es bestehe die Gefahr, dass für “Nicht-Evaluiertes” weniger Ressourcen übrig bleiben, falls sie weniger Resonanz in standardisierten Vergleichsdaten finden.
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Sensibler Umgang mit Daten notwendig
Auch Christian Höpperger, ihr Kollege an der Mittelschule Hard Mittelweiherburg, begrüßt den Schritt prinzipiell: “Alles was hilft den Nebel zu lichten, welche Erfolgsfaktoren für eine gelingende Schulentwicklung verantwortlich sind, ist hilfreich.”
Der MS-Direktor warnt: “Wenn Nicht-Expertinnen und -Experten an solche Daten gelangen, ist keine Qualität zu erwarten, sondern im schlimmsten Fall undifferenzierte Kritik oder Ursachensuche.” Höpperger ergänzt: “Solange es die Zwei-Klassen-Gesellschaft auf Schulebene der Sekundarstufe eins gibt, werden Eltern immer Vergleiche heranzuziehen, um eine Wahl für ihr Kind zu treffen.”
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Fairer Vergleich durch sechs Kategorien
„Eine absolute Reihung ohne fairen Vergleich wäre irreführend“, betonte Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos). Leistungswerte werden unter Berücksichtigung der Klassengröße und -zusammensetzung, Schwerpunkte und Gütesiegel veröffentlicht. Rankings soll es nicht geben. Schulen erhalten ihre detaillierten Ergebnisse zusätzlich intern.
Lehrervertreter Alexander Frick sieht es positiv, dass Daten erhoben werden, mit denen die Schulen intern arbeiten können. Aber, so Frick, nicht für die Öffentlichkeit: “Bei uns in Vorarlberg haben wir zum Teil so kleine Standorte, dass man das gar nicht anonymisieren kann.” Rückschlüsse auf Schule, Klasse und Lehrperson wären schnell möglich. Für Schulen würde das zwangsläufig “lernen für den Test” bedeuten. “Die Pädagogik kommt bei uns im Schulsystem schon jetzt immer mehr zu kurz.”
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IFG-Anfrage ohne Erfolg
Die VN hatten übrigens zuletzt im September per Informationsfreiheitsgesetz (IFG) standortbezogene Daten zur Zentralmatura angefragt – darunter etwa Durchschnittsnoten in Deutsch, Englisch und Mathematik oder in den Maturazeugnissen. Das Bildungsministerium lehnte die Anfrage mit Verweis auf rechtliche Grenzen und den Schutz schulbezogener Daten ab. Auch der Arbeitsaufwand wurde betont: Zwar seien Rohdaten vorhanden, diese müssten aber sowohl aufbereitet als auch datenschutzrechtlich geprüft werden. Der dafür nötige Aufwand wurde mit rund 60 Arbeitsstunden beziffert.
Wiederkehr sprach in dieser Woche jedenfalls von einer “neuen Kultur, wie wir mit Daten umgehen”. Und: Diese werde gewiss auch zu Irritationen führen.