Wohnhaus-Sanierungen: Viel Geld mit wenig Wirkung

Milliardenförderung 2024 hat wenig bewirkt – und da vor allem Mitnahmeeffekte, zeigt eine Studie.
Schwarzach Nimmt Vorarlberg das Ziel der Energieautonomie ernst, muss sich in den Häusern und Wohnungen des Landes noch einiges ändern. Die Hälfte der im Land verbrauchten Energie entfällt auf den Gebäudesektor. Kein Wunder also, dass Bund und Länder kräftig Geld in die Sanierung pumpen: 2,1 Milliarden Euro waren es im Jahr 2024. Die Sanierungsrate ist hingegen nur geringfügig gestiegen. Experte Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) hält deshalb fest: „Da muss man sich fragen, ob Förderungen wirklich zielgerichtet gestaltet sind.“
Er und sein Institut sind dieser Frage nachgegangen. Die gute Nachricht: „Die Sanierungsquote lag 2024 in Österreich bei 1,6 Prozent und ist damit deutlich höher als etwa in Deutschland.“ Auch im Vergleich zu den vergangenen Jahren zeigt sich ein Anstieg. Zuletzt hatte die Quote 2017 diesen Wert erreicht, 2013 lag sie noch höher. „Allerdings haben wir in den Jahren davor jeweils 2,2 Prozent und mehr erreicht“, fährt Amann fort.
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Dem steht eine andere Zahl gegenüber: Um die 1,6 Prozent (im Wohnbau 1,5 Prozent) zu erreichen, stellten Bund und Länder 2,1 Milliarden Euro bereit. 1,4 Milliarden Euro kamen aus dem Bundesbudget, 650 Millionen Euro aus den Landesbudgets. Das ist eine absolute Rekordsumme, wie die Auswertung des IIBW ergibt. 2023 lag die Fördersumme bei etwas über einer Milliarde Euro. Sanierungsquote: 1,5 Prozent. “Noch kritischer zu betrachten ist die Sanierungsrate bei thermischen Maßnahmen, also bei der Gebäudehülle. Hier sehen wir sogar eine rückläufige Entwicklung”, ergänzt Amann.
Laut IIBW-Studie ist die Sanierungsquote der Gebäudehülle auf den niedrigsten Stand seit 2009 gesunken. Erstmals liegt sie unter einem Prozent, und das trotz Rekordförderungen. Der Grund laut Amann: „Das Geld ist weitgehend in den Heizungstausch geflossen.“ Tatsächlich ist die Zahl der getauschten Heizungen leicht gestiegen.
Davon profitieren vor allem Gutverdiener, stellt der Experte fest. “Die meisten Heizungen sind in Eigenheimen getauscht worden. Das sind häufig nicht gerade die bedürftigsten Haushalte. Es gibt zwar auch einkommensschwache Hausbauer, aber grosso modo ist die Förderung sozial nicht sonderlich treffsicher.” Aus diesem Grund rät er davon ab, weiterhin diese Summen in den Heizungstausch zu stecken. “Wir sehen bei Eigenheimen sehr stark den Mitnahmeeffekt. Allerdings bleibt der Handlungsbedarf groß. 35 Prozent der Wohnungen sind fossil beheizt.”

Die Förderungen grundsätzlich auszusetzen, hält Amann dennoch für falsch. „Einmal stoppen und dann wieder erhöhen, das wäre negativ. Es braucht Berechenbarkeit.“ Auch für die Wirtschaft seien Sanierungen wichtig, vor allem Komplettsanierungen. „Sie setzen starke Impulse für die Bauwirtschaft. Beim Heizungstausch ist das kaum der Fall.“ Kontinuität sei daher entscheidend.
Wesentlich wären aus seiner Sicht jedoch rechtliche Änderungen. Amann fordert Duldungspflichten im Mietrecht. „Ein Mieter kann verwehren, dass jemand in die Wohnung kommt, um die Heizung zu sanieren, etwa wenn eine Gasetagenheizung ausgetauscht werden soll. Damit kann ein einzelner Mieter ein komplettes Sanierungskonzept kippen.“ Das sei insbesondere in Wien ein Problem. „Da braucht es ein großes Reformpaket, bevor wir über weiteres Geld nachdenken“, ist Amann überzeugt.
Auch die ökologische Wirkung der Sanierungsförderungen dürfe nicht außer Acht gelassen werden. Ein Blick nach Vorarlberg zeigt: Der Energiebedarf im Gebäudebereich ist seit 2005 um 614 Gigawattstunden gesunken. Zum Vergleich: In der Industrie ist er um 170 Gigawattstunden gestiegen, im Verkehrssektor um 292.