Technologieoffen? Nur wenn es passt
Für die einen ist es Technologieoffenheit, für die anderen das längste Prokrastinieren der Welt. Wo immer sich die Politik nicht festlegen will – aus Angst vor Wählern, Wirtschaft oder Konsequenzen –, schiebt sie Technologieoffenheit vor. Und dort, wo sie sich aus genau dieser Furcht in Positionen einmauert, ist von Offenheit plötzlich keine Spur mehr.
Nirgends zeigt sich das deutlicher als in der Klimadebatte. Die Menschheit rast sehenden Auges auf die Klimakatastrophe zu, doch Offenheit existiert nur selektiv. Ein Beispiel ist das Verbrenner-Aus. Klar ist: Wer die Erderwärmung bremsen will, muss den CO₂-Ausstoß senken. Verbrenner stoßen CO₂ aus, Elektroautos nicht. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Elektromobilität ist die Zukunft. Die Politik weiß das und schnürt das Verbrenner-Aus dennoch wieder auf. Weil technologieoffen, weil man nicht alles auf ein Pferd setzen wolle, weil Wasserstoff … Sie kennen die Phrasen. Wirtschaft und Bürger reiben sich die Augen: Entscheidet euch. Wer keine Richtung vorgibt, darf sich nicht wundern, wenn am Ende alle gegen die Wand fahren.
Technologieoffenheit heißt auch: Gebt der Windkraft eine Chance. Verbrennerkraftwerke sind nichts anderes als eine notdürftige Plane über der Winterstromlücke. Windkraft könnte dieses Provisorium beenden. Offenheit bedeutet aber auch, zu akzeptieren, wenn Projekte scheitern. Es gibt gute Gründe, warum nicht jedes Bundesland auf Windkraft setzt. Überall alles zu wollen, ist kein Konzept, sondern Kirchturmdenken.
Manches wird hingegen kategorisch ausgeschlossen. Landesverfassung, Paragraf 7, Grundsätze des Handelns des Landes: „Das Aufsuchen und Gewinnen von Erdöl und Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten durch hydromechanisches Aufbrechen von Gesteinsschichten lehnt es ab.“ So lautet das Vorarlberger Frackingverbot. Diese Antipode zur Technologieoffenheit blockiert jede ernsthafte Debatte – und sie ist scheinheilig. Frackinggas wird aus den USA nach Europa verschifft, aber hierzulande will man davon nichts wissen. Fossile Energie nutzen, aber die Förderung anderen überlassen – auch das ist Kirchturmdenken.
Dabei gäbe es eine Möglichkeit, den CO₂-Ausstoß im Energiemix massiv zu senken. Aber versuchen Sie einmal, das laut auszusprechen.
Tschernobyl liegt 40 Jahre zurück. Seither hat sich technisch vieles verändert. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch riesige Rechenzentren rasant. Viele Staaten kehren deshalb zur Atomkraft zurück. Hierzulande jedoch stößt schon die Debatte darüber auf Widerstand. Wer will schon Argumente hören und abwägen? Selbst wenn am Ende vieles dagegen spricht: Offen darüber zu diskutieren, ist in Österreich nahezu unmöglich.
Diese Beliebigkeit zwischen Offenheit und Abschottung ist kein exklusives Problem der Klimapolitik. Verteidigung: Können wir uns endlich festlegen, wie es mit der Wehrpflicht weitergeht? Und offen über Neutralität und Nato sprechen? Bildung: Ist eine ehrliche Debatte über die Gesamtschule möglich? Gesundheit: Lassen sich Finanzierungsströme und der Wildwuchs bei Versicherungen transparent diskutieren? Pensionen: wehe!
So treibt Österreich in einem diffusen Raum zwischen Offenheit und Geschlossenheit. Das Land wird nicht gesteuert, es schlingert. Mal nach links, mal nach rechts. Nur nicht nach vorne.
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